Globalisierung
der Solidarität
55.
Das komplexe Phänomen der Globalisierung ist, wie ich zuvor erwähnt hatte,
eines der Charakteristika der heutigen Welt, das besonders in Amerika zutage
tritt. Innerhalb dieser vielschichtigen Realität hat der wirtschaftliche Aspekt
eine ganz besondere Bedeutung. Die Kirche bietet durch ihre Soziallehre einen
wertvollen Beitrag zur Problematik, welche durch die derzeitige wirtschaftliche
Globalisierung entsteht. Ihre moralische Sichtweise in dieser Angelegenheit „stützt sich auf die drei grundlegenden Ecksteine der
Menschenwürde, der Solidarität und des Subsidiaritätsprinzips“ 202. Die wirtschaftliche Globalisierung muß im
Lichte der Grundsätze sozialer Gerechtigkeit analysiert werden, wobei die vorrangige
Option für die Armen zu achten ist, da sie befähigt werden sollen, sich in
einer globalisierten Wirtschaft und angesichts der Ansprüche des
internationalen Gemeinwohls zu schützen. In Wirklichkeit „ist die kirchliche Soziallehre die moralische Vision, die
versucht, die Regierungen, die Institutionen und Privatorganisationen zu
unterstützen, damit sie an einer Zukunft arbeiten, die mit der Würde einer
jeden Person im Einklang steht. Aus dieser Sichtweise können die Fragen
hinsichtlich der Auslandsverschuldung der Länder, der internen politischen
Korruption und der Diskriminierung innerhalb des eigenen Landes und auf
internationaler Ebene bewertet werden“
203.
Die Kirche in
Amerika ist nicht nur dazu berufen, einen höheren Grad an Integration innerhalb
der Länder zu fördern und so dazu beizutragen, eine wahre Kultur globalisierter
Solidarität zu schaffen 204, sondern sich auch mit legitimen Mitteln
für die Verringerung der negativen Auswirkungen der Globalisierung einzusetzen,
wie zum Beispiel die Herrschaft der Stärkeren über die Schwächeren, besonders
im wirtschaftlichen Bereich, oder den Werteverlust der einheimischen Kulturen
zugunsten einer falsch verstandenen Vereinheitlichung.
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