Zum
Himmel schreiende soziale Sünden
56.
Im Lichte der kirchlichen Soziallehre nimmt man auch deutlicher die Schwere der
„sozialen Sünden zur Kenntnis,
die zum Himmel schreien, weil sie Gewalt erzeugen und den Frieden und die
Harmonie zwischen den Gemeinschaften innerhalb eines Staates und zwischen den
verschiedenen Ländern und Teilen des Kontinents zerstören“ 205. Zu diesen Sünden sind auch „der Drogenhandel, die Geldwäsche, die Korruption in
sämtlichen Bereichen, die Schrecken der Gewalt, die Aufrüstung, die
Rassendiskriminierung, die Ungleichheit innerhalb der sozialen Schichten und
die vernunftlose Zerstörung der Natur zu zählen“
206. Diese Sünden zeigen eine tiefe Krise auf, die wir dem verloren
gegangenen Sinn für Gott und dem Abhandenkommen moralischer Grundsätze zu
verdanken haben, welche eigentlich das Leben eines jeden Menschen bestimmen
sollten. Ohne irgend einen moralischen Bezugspunkt verfällt der Mensch einem
uneingeschränkten Drang nach Reichtum und Macht, welcher jegliche am Evangelium
orientierte Sichtweise der sozialen Wirklichkeit verdunkelt.
Nicht selten
führt dies dazu, daß einige öffentliche Instanzen die soziale Situation
vernachlässigen. In vielen amerikanischen Ländern herrscht immer mehr ein als „Neoliberalismus“
bekanntes System, das den Menschen lediglich unter wirtschaftlichen Aspekten
betrachtet und Gewinn und Marktgesetze als absolute Maßstäbe setzt, was zu
Lasten der Menschenwürde und der Achtung der Person und der Völker geht. Dieses
besagte System verwandelt sich mitunter in eine ideologische Rechtfertigung von
Einstellungen und Handlungsweisen im sozialen und politischen Bereich, welche
die Schwächsten an den Rand drängen. In der Tat nimmt die Armut immer mehr zu.
Die Armen sind die Opfer bestimmter politischer Richtungen und oftmals
ungerechter Strukturen 207.
Die beste
Antwort durch das Evangelium auf diese dramatische Situation ist die Förderung
der Solidarität und des Friedens, die die Gerechtigkeit effektiv verwirklichen.
Deshalb soll auch jenen Zuspruch und Hilfe zukommen, die als beispielhaft in
der Verwaltung der öffentlichen Gelder und der Gerechtigkeit gelten. Ebenso
soll der Demokratisierungsprozeß unterstützt werden, der in Amerika im Gange
ist 208, da in einer Demokratie die Kontrollmöglichkeiten zur
Vermeidung von Mißbrauch größer sind.
„Der Rechtsstaat ist die
notwendige Bedingung zur Errichtung einer wahren Demokratie“ 209. Damit diese sich entwickeln kann, bedarf es
einer präzisen Unterweisung der Bürger sowie einer Förderung der öffentlichen
Ordnung und des Friedens innerhalb des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Es
gibt wirklich „keine echte und stabile
Demokratie ohne soziale Gerechtigkeit. Daher ist es notwendig, daß die Kirche
der Gewissensbildung mehr Aufmerksamkeit schenkt, Sozialarbeiter für das
öffentliche Leben auf allen Ebenen ausbildet, die ethische Erziehung, die
Befolgung des Gesetzes und der Menschenrechte fördert und sich noch mehr um die
ethische Unterweisung der Politiker bemüht“
210.
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