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Johannes Paul II.
Ecclesia in America

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  • KAPITEL V WEG ZUR SOLIDARITÄT « Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt » (Joh 13, 35)
    • Eine Kultur des Todes und eine von den Mächtigen beherrschte Gesellschaft
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Eine Kultur des Todes und eine von den Mächtigen beherrschte Gesellschaft 

63. Heute scheint sich in Amerika und auch in anderen Teilen der Welt ein Gesellschaftsmodell herauszukristallisieren, in welchem die Mächtigen dominieren und die Schwachen an den Rand gedrängt, ja sogar eliminiert werden. An dieser Stelle denke ich besonders an die ungeborenen Kinder, die wehrlose Opfer der Abtreibung sind; und ich denke an die alten und unheilbar kranken Menschen, die mitunter zum Objekt der Euthanasie gemacht werden; auch denke ich an viele andere Menschen, die durch Konsumhaltung und Materialismus an den Rand gedrängt werden. Ich kann auch die Augen nicht vor der unnötigen Anwendung der Todesstrafe verschließen. Wenn andereunblutige Mittel hinreichen, um das Leben der Menschen gegen Angreifer zu verteidigen […] und die Sicherheit der Menschen zu schützen,“ wenn man die heutigen Möglichkeiten des Staates, das Verbrechen effektiv zurückzudrängen, in Betracht zieht, indem er den Täter außer Gefecht setzt, ohne ihm dadurch endgültig die Möglichkeit zur Reue zu nehmen, sind die Fälle, in denen es absolut notwendig wäre, den Übeltäter zu eliminieren, „sehr selten oder praktisch überhaupt nicht mehr gegeben229. Solche und ähnliche Gesellschaftsmodelle zeichnen sich durch die Kultur des Todes aus und stehen daher im Gegensatz zur Botschaft des Evangeliums. Angesichts dieser trostlosen Wirklichkeit versucht die kirchliche Gemeinschaft immer mehr, sich für eine Kultur des Lebens einzusetzen

Daher haben die Synodenväter, indem sie die jüngsten Dokumente des kirchlichen Lehramtes übernommen haben, mit aller Deutlichkeit den totalen Einsatz für das menschliche Leben und dessen bedingungslose Achtung von der Empfängnis bis zum Augenblick des natürlichen Todes hervorgehoben, und sie bringen ihre Verwerfung solcher Übel wie Abtreibung und Euthanasie zum Ausdruck. Um diese Lehren des göttlichen und natürlichen Gesetzes zu erhalten, ist es von wesentlicher Bedeutung, die Kenntnis der kirchlichen Soziallehre zu fördern und sich dafür einzusetzen, daß solche Werte wie Leben und Familie auch durch das staatliche Sozialwesen und die staatliche Gesetzgebung anerkannt und verteidigt werden 230. Außer der Verteidigung des Lebens muß man auch durch die vielen seelsorglichen Einrichtungen eine aktive Förderung der Adoptionen intensivieren und ständige Fürsorgestellen für solche Frauen einrichten, die aufgrund ihrer Schwangerschaft sowohl vor als auch nach der Geburt des Kindes Probleme haben. Die Seelsorge muß auch in ganz besonderer Weise auf jene Frauen ausgerichtet sein, die eine Abtreibung erlitten oder aktiv durchführen haben lassen 231

Ich danke Gott und spreche den Glaubensbrüdern und -schwestern in Amerika meine Hochachtung aus, die vereint mit anderen Christen und Menschen guten Willens sich dafür einsetzen, das Leben mit legalen Mitteln zu verteidigen und die Ungeborenen, die unheilbar Kranken und die Behinderten zu schützen. Ihr Einsatz ist auch deshalb höchst lobenswert, wenn man die Gleichgültigkeit so vieler Menschen, die Fallen der Euthanasie und die Anschläge auf das Leben und die Menschenwürde bedenkt, die täglich überall begangen werden 232

Dieselbe Fürsorge muß auch für die oftmals vernachlässigten und verlassenen alten Menschen aufgebracht werden. Sie sind als Personen zu achten, und es ist wichtig, für sie Initiativen zur Annahme und Pflege zu ergreifen, wodurch auch gleichzeitig ihre Rechte gefördert und, soweit das möglich ist, ihr körperliches und geistiges Wohlbefinden sichergestellt werden soll. Die alten Menschen müssen vor Situationen und vor Ausübung von Druck geschützt werden, die sie zum Selbstmord treiben könnten. In besonderer Weise müssen sie gegen die Versuchung des Selbstmordes durch Sterbehilfe und gegen die Euthanasie unterstützt werden. 

Zusammen mit den Hirten des Gottesvolkes in Amerika richte ich einen Aufruf „an die im medizinisch-gesundheitlichen Bereich tätigen Katholiken und an alle, die einen öffentlichen Dienst verrichten sowie an alle, die im Schuldienst tätig sind, daß sie alles in ihrer Macht stehende tun, um das Leben zu verteidigen, das am meisten gefährdet ist. Hierbei sollen sie nach ihrem in rechter Weise gemäß der katholischen Lehre gebildeten Gewissen handeln. Die Bischöfe und Priester tragen in diesem Sinne die besondere Verantwortung, unermüdlich Zeugnis abzulegen für das Evangelium vom Leben, und sie sollen die Gläubigen ermahnen, daß sie in Treue zu diesem Evangelium handeln233. Gleichzeitig sollte die Kirche in Amerika aber auch durch geeignete Interventionen die gesetzgebenden Institutionen aufklären, wenn sie Entscheidungen treffen, und sie sollten die Katholiken und anderen Menschen guten Willens ermutigen, Organisationen zur Förderung von guten Gesetzesprojekten zu schaffen, denn so werden jene Projekte verhindert, die Familie und Leben – zwei unzertrennbare Wirklichkeitenbedrohen. Heutzutage muß ganz besonderes Augenmerk auf alles gelegt werden, was mit der Embryonenforschung zu tun hat, damit in keiner Hinsicht die Menschenwürde verletzt wird. 




229 Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2267, dort wird Johannes Paul II. zitiert: Enzyklika Evangelium vitae (25 März 1995), 56, in: AAS 87 (1995) 463464



230 Vgl. Propositio, 13.



231 Vgl. ebd.



232 Vgl. ebd.



233 Ebd.






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