Die
Problematik der Einwanderer
65.
Der amerikanische Kontinent hat in seiner Geschichte etliche
Einwanderungsbewegungen erlebt, die eine große Anzahl von Männern und Frauen in
die verschiedenen Landesteile gebracht haben mit der Hoffnung auf eine bessere
Zukunft. Dieses Phänomen setzt sich auch heute noch fort und betrifft ganz
konkret zahlreiche Personen und Familien, die aus den lateinamerikanischen
Ländern des Kontinents kommen, sich in nördlichen Regionen niedergelassen haben
und in einigen Fällen dort einen beträchtlichen Bevölkerungsanteil bilden. Sehr
oft bringen sie ein kulturelles und religiöses Erbe mit, das sehr reich an
bedeutenden christlichen Elementen ist. Die Kirche ist sich der aus dieser
Situation entstandenen Probleme bewußt und bemüht sich, eine echte Seelsorge
für diese Einwanderer zu entfalten, um so ihre Ansiedlung in den jeweiligen
Gebieten zu fördern und gleichzeitig die Aufnahmebereitschaft seitens der dort
bereits ansässigen Völkergruppen anzuregen in der Überzeugung, daß das
jeweilige Sich-Öffnen dem anderen gegenüber eine Bereicherung für alle sein
wird.
Die kirchlichen
Gemeinschaften sollten in diesem Phänomen einen besonderen Ruf sehen, die
Brüderlichkeit im Geiste des Evangeliums als einen Wert zu leben, und sie
sollten es gleichzeitig als eine Einladung betrachten, der eigenen Religiösität
einen neuen Impuls zu verleihen, so daß auch die eigene Evangelisierungstätigkeit
noch bewußter und entschiedener vonstatten geht. In diesem Sinne meinen die
Synodenväter, daß „die Kirche in Amerika die
wachsame Anwältin sein muß, die gegen alle ungerechten Beschränkungen das
natürliche Recht einer jeden Person schützt, sich frei innerhalb des eigenen
Landes und von einem Land zum anderen zu bewegen. Man muß auf die Rechte der
Einwanderer und ihrer Familien ebenso achten wie darauf, daß ihre Menschenwürde
gewahrt bleibt, was auch im Falle der illegalen Einwanderung gilt“ 236.
Hinsichtlich
der Einwanderer bedarf es eines Geistes der Gastfreundschaft und
Aufnahmebereitschaft, wodurch sie ermutigt werden, sich in das kirchliche Leben
zu integrieren, ohne dabei ihre eigene Freiheit und ihre besondere kulturelle
Identität aufgeben zu müssen. Hierfür ist es sehr wichtig, daß die
Herkunftsdiözesen mit den Diözesen zusammenarbeiten, in denen sich die
Einwanderer niedergelassen haben. Auch diesbezüglich ist innerhalb der durch
Gesetzgebung vorgesehenen und in der kirchlichen Praxis üblichen spezifischen
pastoralen Strukturen vorzugehen 237. Auf diese Weise wird eine
möglichst adäquate und umfassende Seelsorge sichergestellt. Die ständige Sorge
für eine wirksame Evangelisierung der Menschen, die erst vor kurzer Zeit
eingereist sind und Christus noch nicht kennen, muß für die Kirche stets ein
Impuls sein 238.
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