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Johannes Paul II.
Ecclesia in America

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  • KAPITEL VI DIE SENDUNG DER KIRCHE  IN AMERIKA HEUTE: DIE NEUEVANGELISIERUNG « Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch » (Joh 20, 21)
    • Jesus Christus – „Frohbotschaft“ und erster Verkünder des Evangeliums
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Jesus Christus Frohbotschaft und erster Verkünder des Evangeliums 

67. Jesus Christus ist die „Frohbotschaft“ des Heils, das den Menschen von gestern, heute und für alle Zeiten zuteil geworden ist; doch er ist auch gleichzeitig der erste und höchste Verkünder seines Evangeliums 247. Die Kirche muß den Mittelpunkt ihrer Seelsorge und ihrer Evangelisierung im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus sehen. „All das, was im kirchlichen Bereich an Projekten erstellt wird, [hat) von Christus und seinem Evangelium auszugehen248. Deshalb „soll die Kirche in Amerika immer mehr von Christus, dem menschlichen Antlitz Gottes und dem göttlichen Antlitz des Menschen sprechen. Es ist dies die Botschaft, die die Menschen wirklich aufrüttelt, den Geist wachruft und verwandelt oder, um es mit anderen Worten zu sagen: bekehrt. Christus muß freudig und kraftvoll, jedoch in erster Linie durch das Zeugnis des eigenen Lebens verkündet werden“ 249

Jeder Christ kann in dem Maße seine Mission auf wirksame Weise vollbringen, in dem er das Leben des menschgewordenen Gottessohnes als vollkommenes Modell zur Evangelisierung an-nimmt. Aus dieser Sichtweise sind die Armen selbstverständlich als erste Adressaten der Evangelisierung zu betrachten und zwar nach dem Vorbild Jesu, der von sich selbst sagte: „Der Geist des Herrn […] hat mich gesalbt. Er hat mich gesalbt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe“ (Lk 4,18) 250.

Wie ich bereits zuvor angedeutet habe, soll die Liebe zu den Armen vorrangig, nicht aber ausschließlich sein. Man hat, wie die Synodenväter aufzeigen, die Seelsorge gegenüber Menschen, die in der Gesellschaft leitende Funktionen haben, vernachlässigt, was dazu geführt hat, daß nicht wenige von ihnen sich von der Kirche entfernt haben 251. Der Grund dafür ist zum Teil darin zu suchen, daß man die Seelsorge im gewissen Sinn ausschließlich auf die Armen konzentriert hat. Die durch die Verbreitung des Säkularismus entstandenen Schäden sowohl in politischen als auch in wirtschaftlichen, gewerkschaftlichen, militärischen, sozialen und kulturellen Kreisen zeigen die Dringlichkeit einer Evangelisierung dieser Kreise auf, die von den Hirten selbst mit Nachdruck geleitet werden muß. Sie wurden von Gott berufen, für alle zu sorgen. Es ist auch notwendig, die in leitenden Ämtern tätigen Männer und Frauen mit neuem brennendem Eifer und durch neue Methoden zu evangelisieren, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Gewissensbildung durch die kirchliche Soziallehre liegen muß. Eine solche Unterweisung wird auch angesichts so vieler Fälle von Inkonsequenz und manchmal sogar von Korruption, die den sozio-politischen Strukturen Schaden zufügt, das beste Gegenmittel sein. Wenn man diese Gewissensbildung der in leitenden Positionen tätigen Menschen vernachlässigt, dann darf man sich auch nicht wundern, wenn viele dieser Menschen nach Kriterien handeln, die nicht im Einklang mit dem Evangelium stehen, ja, sogar diesem manchmal offen entgegengesetzt sind. Trotz allem sollte man anerkennen, daß „viele Menschen in leiten-den Positionen“, die zwar einen klaren Kontrast zur christlichen Mentalität bilden, „versuchen [...], eine gerechte und solidarische Gesellschaft zu errichten252




247 Vgl. ebd., 7, l.c., 9-10.



248 Johannes Paul II., Botschaft an den Lateinamerikanische Bischofsrat (14. September 1997), 6, in: LOsservatore Romano, Spanische Wochenausgabe, 3. Oktober 1997, S. 20. 



249 Propositio, 8.



250 Vgl. ebd., 57.



251 Vgl. ebd., 16.



252 Ebd.






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