Evangelisierung
der Kultur
70.
Mein Vorgänger, Paul VI., vertrat aufgrund weiser Eingebung den Standpunkt: „Der Bruch zwischen Evangelium und Kultur ist ohne Zweifel
das Drama unserer Zeitepoche“ 263. Deshalb
sagten auch die Synodenväter, daß „die
Neuevangelisierung klare, ernsthafte und geordnete Anstrengungen erfordert, um
die Kultur mit dem Evangelium zu durchwirken“
264. Als der Sohn Gottes die menschliche Natur annahm, geschah dies
innerhalb eines ganz bestimmten Volkes, auch wenn sein Erlösertod den Menschen
aller Kulturen, Rassen und Lebensumstände das Heil gebracht hat. Das Geschenk
seines Geistes und seiner Liebe ist für die Völker aller Kulturen bestimmt, um
sie untereinander zu vereinen gleich dem Vorbild der vollkommenen Einheit des
einen und dreifaltigen Gottes. Damit dies möglich werde, bedarf es einer
Inkulturation der Glaubensverkündigung, so daß das Evangelium jeweils in der
Sprache und innerhalb der Kultur jener Menschen verkündet wird, die es hören
265. Man sollte aber gleichzeitig nicht vergessen, daß einzig und
allein das Ostergeheimnis Christi, das die höchste Selbstmitteilung des
unendlichen Gottes innerhalb der zeitlich begrenzten Geschichte ist, der
gültige Bezugspunkt für die Menschheit bei ihrer irdischen Pilgerschaft und auf
der Suche nach wahrer Einheit und wahrem Frieden sein kann.
Das
Mestizenantlitz unserer lieben Frau von Guadalupe war auf dem Kontinent von
Anfang an ein Symbol der Inkulturation bei der Evangelisierung, deren Stern und
Führung sie war. Durch ihre mächtige Fürsprache kann die Evangelisierung die
Herzen der Menschen in Amerika durchdringen, ihre Kulturen durchwirken und sie
von innen her verwandeln 266.
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