Die
Zentren für Bildung und Erziehung evangelisieren
71.
Das Bildungswesen ist ein privilegierter Bereich für die Förderung der
Inkulturation des Evangeliums. Dennoch werden die katholischen Zentren für
Bildung und Erziehung und jene, die, wenn auch nicht konfessionsgebunden,
deutlich vom katholischen Geist geprägt sind, nur dann wahre Evangelisierung
leisten können, wenn sie eine klare katholische Orientierung bewahren. Die
Inhalte der Erziehungsprojekte müssen Jesus Christus und seine Botschaft
ständig einbeziehen und zwar so, wie es die Kirche in ihrer Glaubens- und
Morallehre vorlegt. Nur so können in den diversen humanen Tätigkeitsbereichen
und in der Gesellschaft authentische christliche Leiter herangebildet werden,
was besonders für den politischen und wirtschaftlichen Bereich sowie für die
Bereiche Wissenschaft, Kunst und Philosophie gilt 267. In diesem Sinne „ist es von wesentlicher Bedeutung, daß die katholischen
Universitäten tatsächlich, wirklich und gleichzeitig beides seien, nämlich
Universität und katholisch. […] Die katholische
Ausrichtung ist für die Universität insofern konstitutiv, als sie eine
Institution darstellt und nicht einfach nur auf der bloßen Entscheidung
individueller Personen beruht, die in einem konkreten Zeitraum für deren
Leitung zuständig sind“ 268. Deshalb
muß den seelsorglichen Bemühungen in den verschiedenen katholischen
Universitäten besonderes Augenmerk im Hinblick darauf geschenkt werden, daß die
Erziehung der Studenten zum Apostolat gefördert werden soll, damit sie selbst
einmal in der Evangelisierung der Universitäten tätig sein werden 269.
Außerdem „muß auch ein Anreiz zur
Zusammenarbeit zwischen den einzelnen katholischen Universitäten in ganz
Amerika geschaffen werden, der zu deren gegenseitigen Bereicherung dient“ 270. Auf diese Weise findet ein Beitrag zur
Verwirklichung der Grundsätze von Solidarität und Austausch zwischen den Völkern
des ganzen Kontinents auch auf universitärem Niveau statt.
Ähnliches ist
auch hinsichtlich der katholischen Schulen zu sagen, was ganz besonderes für
die höheren Schulen gilt: „Man muß sich ganz
besonders darum bemühen, die katholische Identität der Schulen zu stärken,
deren besonderes Wesen in einem Bildungsprojekt begründet liegt, dessen
Ursprung sich in der Person Jesu Christi befindet und dessen Wurzeln in der
Lehre des Evangeliums zu suchen sind. Die katholischen Schulen sollen nicht nur
darauf ausgerichtet sein, eine Erziehung zu gewährleisten, die vom technischen
und professionellen Standpunkt aus gesehen zwar angemessen ist, sondern man
sollte sich besonders um eine ganzheitliche Erziehung der menschlichen Person
bemühen“ 271. In Anbetracht der
Bedeutung der Aufgabe katholischer Erzieher schließe ich mich den Synodenvätern
an und möchte in dankbarer Anerkennung alle jene ermutigen, die sich dem
Unterricht in den katholischen Schulen widmen: die Priester und Ordensleute
sowie die engagierten Laien, „damit sie in ihrer so
bedeutungsvollen Aufgabe und Mission beharrlich bleiben“ 272. Man soll dafür Sorge tragen, daß der
Einfluß dieser Bildungszentren alle Bereiche der Gesellschaft erreicht, ohne
dabei Unterschiede zu machen und Ausschließlichkeitsansprüche zu erheben. Es
ist unerläßlich, wirklich alle Mühen aufzuwenden, damit die katholischen
Schulen trotz finanzieller Schwierigkeiten weiterhin „den Armen und den in unserer Gesellschaft an den Rand
Gedrängten eine katholische Erziehung zukommen lassen“ 273. Niemals wird es möglich sein, die
Bedürftigen von ihrer Armut zu befreien, wenn man sie nicht zuvor von jener
Misere befreit, die aus dem Fehlen einer würdigen Erziehung resultiert.
Bei dem
globalen Projekt der Neuevangelisierung nimmt der Bereich Erziehung einen
bevorzugten Platz ein. Deshalb muß die Aktivität aller katholischen Lehrer
unterstützt werden, was auch für jene gilt, die in nicht konfessionsgebundenen
Schulen unterrichten. In diesem Sinne richte ich an die Ordensleute den
dringenden Aufruf, diesen für die Neuevangelisierung so wichtigen Bereich nicht
aufzugeben 274.
Als Frucht und
Ausdruck der Gemeinschaft unter allen Teilkirchen Amerikas und vor allem vor
dem Hintergrund der spirituellen Erfahrungen der Synodenversammlungen wird man
sich darum bemühen, Kongresse für katholische Erzieher auf nationaler und
kontinentaler Ebene zu fördern, was einen Versuch darstellt, die Seelsorge im
Bereich Erziehung auf allen Ebenen in geordnete Bahnen zu lenken und noch mehr
zum Einsatz zu bringen 275.
Um alle diese
Ziele zu erreichen, bedarf die Kirche in Amerika eines gewissen Freiraums im
Unterrichtsbereich, was aber nicht als Privileg, sondern kraft des Auftrags
unseres Herrn, das Evangelium zu verkünden, als Recht verstanden werden soll.
Außerdem haben die Eltern das grundlegende Vorrecht, über die Erziehung ihrer
Kinder zu entscheiden, und aus diesem Grund müssen die katholischen Eltern auch
die Möglichkeit besitzen, eine Erziehung zu wählen, die mit ihrer religiösen
Überzeugung übereinstimmt. Die Funktion des Staates in diesem Bereich ist
zweitrangig. Der Staat hat die Pflicht, „allen
eine Erziehung zu garantieren sowie die Pflicht, die Unterrichtsfreiheit zu
respektieren und zu verteidigen. Ein staatliches Monopol hierin ist als eine
Form von Totalitarismus abzulehnen, denn dies würde die grundlegenden Rechte
verletzen, die staatlicherseits eigentlich verteidigt werden müßten. Gemeint
ist hier vor allem das Recht der Eltern auf eine religiöse Erziehung ihrer
Kinder, denn die Familie ist der erste Erziehungsbereich der Person“ 276.
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