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Johannes Paul II.
Ecclesia in America

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  • KAPITEL VI DIE SENDUNG DER KIRCHE  IN AMERIKA HEUTE: DIE NEUEVANGELISIERUNG « Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch » (Joh 20, 21)
    • Die Herausforderung durch die Sekten
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Die Herausforderung durch die Sekten 

73. Der Proselytismus, den die Sekten und neuen religiösen Gruppierungen in vielen Teilen Amerikas betreiben, ist ein ernsthaftes Hindernis für die Evangelisierung. Der BegriffProselytismus“ ist mit einer negativen Bedeutung behaftet, wenn damit zum Ausdruck gebracht wird, daß man auf eine Weise um Anhänger wirbt, die die Freiheit derer nicht beachtet, an die sich eine bestimmte religiöse Propaganda richtet 280. Die Kirche in Amerika verachtet den Proselytismus der Sekten aus eben diesem Grund, und ihre Evangelisierungstätigkeit schließt die Anwendung von Methoden dieser Art aus. Will man den Menschen das Evangelium Christi in seinem ganzen Umfang nahe bringen, muß die Evangelisierung das Heiligtum des Gewissens eines jeden Einzelnen respektieren, wo sich der entscheidende und absolut persönliche Dialog zwischen Gnade und menschlicher Freiheit entwickelt

Das muß man sich besonders im Hinblick auf die christlichen Brüder und Schwestern von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften vor Augen halten, die von der katholischen Kirche getrennt und vor langer Zeit in bestimmten Gegenden Amerikas ansässig geworden sind. Die Bande wahrer, wenn auch unvollkommener Gemeinschaft, die gemäß der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils 281 zwischen diesen Gemeinschaften und der katholischen Kirche bestehen, müssen ihre Haltung und die ihrer Mitglieder hinsichtlich dieser Gemeinschaften erleuchten 282. Aber deswegen darf diese Haltung dennoch nicht die feste Überzeugung in Zweifel stellen, daß sich nur in der katholischen Kirche die Fülle der von Jesus Christus gestifteten Mittel zur Erlangung des Heils befindet 283

Den proselytistischen Vorstößen der Sekten und neuen religiösen Gruppierungen in Amerika darf man nicht gleichgültig zusehen. Sie fordern der Kirche auf diesem Kontinent ein vertieftes Studium ab, welches in jedem Land, aber auch auf internationalem Niveau verwirklicht werden muß, um die Gründe herauszufinden, warum nicht wenige Katholiken aus der Kirche austreten. Im Lichte der daraus resultierenden Schlußfolgerungen wird es wohl angebracht sein, eine Revision der bisher angewandten Seelsorgemethoden vorzunehmen, so daß jede Teilkirche der Religiosität ihrer Gläubigen mehr persönliche Aufmerksamkeit schenkt, die Strukturen der Gemeinschaft und der Mission konsolidiert, und sich der bei der Evangelisierung sich bietenden Möglichkeiten bedient, die eine geläuterte Volksfrömmigkeit hervorbringen, damit durch das Gebet und die Meditation des Wortes Gottes der Glaube aller Katholiken an Jesus Christus lebendiger werde 284. Niemandem bleibt die Dringlichkeit einer angemessenen Evangelisierungsaktion bezüglich jener Bereiche des Volkes Gottes verborgen, die dem Proselytismus der Sekten am meisten ausgesetzt sind, wie die Emigranten, die Menschen in den Randzonen der Städte oder in jenen ländlichen Siedlungen, denen die organisierte Gegenwart eines Priesters abgeht und die von daher durch eine diffuse religiöse Unwissenheit geprägt sind, aber auch die Familien einfacherer Bevölkerungsschichten, die unter diversen materiellen Schwierigkeiten leiden

Auch unter diesem Gesichtspunkt zeigen sich die Basisgemeinschaften, die Bewegungen, die familiären Gruppen und andere assoziierende Gemeinschaften, in denen es leichter fällt, zwischenmenschliche Beziehungen zur gegenseitigen Unterstützung zu pflegen, sowohl im spirituellen als auch im wirtschaftlichen Bereich, als sehr nützlich. Andererseits, so haben einige Synodenväter hervorgehoben, muß man sich fragen, ob eine fast ausschließlich auf die materiellen Nöte der Bedürftigen ausgerichtete Seelsorge nicht dazu führt, daß das Verlangen nach Gott, das diese Völker haben, mißachtet wird, indem man sie so hinsichtlich angeblich spiritueller Angebote in einer verletzlichen Situation beläßt. Deshalb „ist es unerläßlich, daß alle mit Christus durch die kerygmatische, erbauliche und verwandelnde Verkündigung, ganz besonders aber durch die Predigt während der Liturgie verbunden sind“ 285. Eine Kirche, die intensiv in einer spirituellen und kontemplativen Dimension lebt und die sich großzügig dem Liebesdienst widmet, wird auf immer beredtere Weise glaubwürdige Zeugin Gottes vor den Menschen sein, die auf der Suche nach einem Sinn ihres eigenen Lebens sind 286. Deswegen ist es notwendig, daß die Gläubigen von ihrer Glaubensroutine, die sie vielleicht auch nur dank ihres Umfeldes bewahrt haben, zu einem bewußten und persönlich gelebten Glauben übergehen. Die Glaubenserneuerung wird stets der beste Weg sein, um alle zur Wahrheit zu führen, die Christus ist. 

Eine wirklich effektive Antwort auf die Herausforderungen der Sekten erfordert auch eine angemessene Koordinierung der Initiativen auf überdiözesanem Niveau mit dem Ziel, eine Zusammenarbeit zu schaffen durch gemeinsame Projekte, die so noch fruchtbarer sein können 287




280 Vgl. Instrumentum laboris, 45. 



281 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Unitatis redintegratio, Über den Ökumenismus, 3. 



282 Vgl. Propositio, 64.



283 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Unitatis redintegratio, Über den Ökumenismus, 3. 



284 Vgl. Propositio, 65.



285 Ebd.



286 Vgl. IV. Generalversammlung des Lateinamerikanischen Episkopates, Santo Domingo, Oktober 1992, Neue Evangelisierung, Förderung des Menschen, christliche Kultur, 58. 



287 Vgl. Propositio65.






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