Die
Mission „ad gentes“
74.
Jesus Christus übertrug der Kirche die Mission, allen Völkern das Evangelium zu
verkünden: „Darum geht zu allen Völkern, und
macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und
des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich
euch geboten habe“ (Mt 28,19-20). Das
Bewußtsein, daß die der Kirche übertragene Mission, das Evangelium zu
verkünden, universal ist, muß lebendig bleiben, wie es die Geschichte des
Gottesvolkes, das in Amerika auf der Pilgerschaft ist, immer wieder unter
Beweis gestellt hat. Die Evangelisierung wird noch dringender, wenn man an die
vielen denkt, die auf diesem Kontinent leben und noch nie den Namen Jesu gehört
haben. Ist es doch der einzige Name, der den Menschen um ihres Heiles willen
gegeben wurde (vgl. Apg 4, 12). Und es ist beklagenswert, daß dieser
Name einem Großteil der Menschheit auch in vielen Bereichen der amerikanischen
Gesellschaft immer noch unbekannt ist. Man denke dabei nur an die einheimischen
Bevölkerungsgruppen, die noch nicht christianisiert sind oder an die in Amerika
existierenden nichtchristlichen Religionen, wie Islam, Buddhismus und
Hinduismus, besonders seitens der Immigranten aus asiatischen Ländern.
Dieser Umstand
macht es der universalen Kirche, ganz besonders aber der amerikanischen Kirche,
zur Pflicht, für die Mission „ad gentes“ offen zu bleiben 288. Das Programm der
Neuevangelisierung, das auch das Ziel vieler Pastoralprojekte ist, darf sich
nicht darauf beschränken, lediglich den Glauben derer wiederzubeleben, die aus
Routine glauben, sondern es muß darin auch der Versuch enthalten sein, Christus
dort zu verkünden, wo er noch unbekannt ist.
Außerdem sind
die amerikanischen Teilkirchen auch dazu berufen, ihren Impuls der
Evangelisierung über die Grenzen des Kontinents hinaus auszuweiten. Sie dürfen
den immensen Reichtum ihres christlichen Kulturerbes nicht für sich allein
behalten, sondern sie müssen es in die ganze Welt hinaus tragen und es denen
mitteilen, die es noch nicht kennen. Es handelt sich hier um die vielen
Millionen von Männern und Frauen, die ohne Glauben sind und daher die
schlimmste Form von Armut erleiden. Angesichts dieser Armut wäre es falsch,
eine Evangelisierung über die Grenzen des Kontinents hinaus nicht zu fördern
mit dem Vorwand, daß es in Amerika selbst noch viel zu tun gibt oder in der
Hoffnung, vorher noch eine Situation zu schaffen, die im Grunde genommen
utopisch ist, nämlich die volle Verwirklichung der Kirche in Amerika.
Mit dem Wunsch,
daß der amerikanische Kontinent gemäß seiner christlichen Vitalität an der
großen Mission „ad gentes“ teilnehme, schließe ich mich den konkreten Vorschlägen
der Synodenväter an, die sie im Hinblick auf „die
Unterstützung und Förderung einer engeren Zusammenarbeit unter den
Schwesterkirchen“ vorgelegt haben, nämlich
Missionare innerhalb und über die Grenzen des Kontinents hinaus zu entsenden
[Priester, Ordensleute und Laien], Missionseinrichtungen zu stärken oder überhaupt
zu schaffen, die missionarische Dimension des geweihten und kontemplativen
Lebens zu fördern und der Belebung der Mission sowie der missionarischen
Ausbildung und der Organisation der Mission einen neuen Impuls zu verleihen“ 289. Ich bin sicher, daß der seelsorgliche Eifer
der Bischöfe und der übrigen Kinder der Kirche in ganz Amerika neue konkrete
Initiativen hervorbringen wird, die sich auch auf die internationale Ebene
ausweiten und durch ihre Dynamik und Kreativität die Umsetzung dieser missionarischen
Vorhaben in die Tat mit sich bringen werden.
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