Stätten
der Begegnung mit Christus
12.
Mit der Hilfe Marias möchte die Kirche in Amerika die Menschen dieses
Kontinents zur Begegnung mit Christus führen, denn diese ist der Ausgangspunkt
für eine echte Umkehr und erneuerte Gemeinschaft und Solidarität. Diese
Begegnung wird auf wirksame Weise dazu beitragen, den Glauben vieler Katholiken
zu festigen, denn sie wird bewirken, daß er zu einem überzeugten, lebendigen
und zu Taten drängenden Glauben heranreift.
Damit die Suche
nach Christus, die es auch in der Kirche gibt, sich nicht auf irgend etwas
Abstraktes beschränkt, ist es notwendig, konkrete Orte und Augenblicke
aufzuzeigen, wo man ihm innerhalb der Kirche begegnen kann. Die Erörterungen
der Synodenväter waren diesbezüglich sehr reich an Vorschlägen und
Beobachtungen.
In erster Linie
hoben sie „die im Licht der Tradition, der
Kirchenväter und des kirchlichen Lehramtes gelesene und durch Meditation und
Gebet vertiefte Heilige Schrift“ hervor 24. Man
hat auch empfohlen, die Evangelienkenntnisse zu fördern, denn in ihnen wird in
leicht zugänglichen Worten die Art und Weise verkündet, wie Jesus unter den
Menschen gelebt hat. Eine echte Frucht der Lektüre dieser heiligen Texte ist
die Bekehrung der Herzen, wenn man mit derselben Aufmerksamkeit zuhört, mit der
die Menge Jesus am Fuß des Berges der Seligpreisungen oder am Ufer des Sees
Genesareth zuhörte, als er vom Boot aus predigte.
Ein weiterer
Ort der Begegnung mit Jesus ist die heilige Liturgie 25. Dem Zweiten
Vatikanischen Konzil verdanken wir eine äußerst reiche Darlegung der
zahlreichen Weisen der Gegenwart Christi in der Liturgie. Diese ist so wichtig,
daß sie zum Gegenstand ständiger Predigttätigkeit werden muß: Christus ist im
Priester gegenwärtig, der die Messe zelebriert und so auf dem Altar dasselbe
und einzige Kreuzesopfer erneuert; er ist gegenwärtig in den Sakramenten, in
denen seine wirkungsvolle Kraft am Werk ist. Wenn sein Wort verkündet wird, ist
er es selbst, der zu uns spricht. Außerdem ist er kraft seiner Verheißung in
der Gemeinschaft gegenwärtig: „Denn wo zwei oder drei
in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Aber „vor
allem ist er unter den eucharistischen Gestalten“
gegenwärtig 26. Mein Vorgänger Paul VI. hielt es für notwendig, die
Einzigartigkeit der Realpräsenz Christi in der Eucharistie zu erklären: sie „wird ,wirklich‘
genannt, nicht im ausschließlichen Sinne, als ob die anderen nicht ,wirkliche‘ wären, sondern hervorhebend, weil sie substanziell ist“ 27. Unter den Gestalten von Brot und Wein ist „der ganze und vollständige Christus in seiner physischen
,Realität‘ auch körperlich gegenwärtig“ 28.
Auch im Bericht
über die Erscheinung des Auferstandenen bei den Jüngern in Emmaus werden die
Schrift und die Eucharistie als Orte der Begegnung mit Christus nahegelegt.
Außerdem heißt es im Evangelientext über das Jüngste Gericht (vgl. Mt
25,31-46), daß wir aufgrund unserer Liebe zu den Notleidenden gerichtet werden,
in denen der Herr Jesus auf geheimnisvolle Weise gegenwärtig ist. Dieser Text
deutet an, daß wir auch einen dritten Ort der Begegnung mit Christus nicht
vernachlässigen dürfen: „die Personen,
insbesondere die Armen, mit denen sich Christus identifiziert“ 29. Papst Paul VI. erinnerte bei der Schließung
des Zweiten Vatikanischen Konzils daran, daß wir „im
Angesicht eines jeden Menschen, besonders wenn es durch Tränen und Leiden
transparent wurde, das Antlitz Christi (vgl. Mt 25,40), des
Menschensohnes, erkennen können und müssen“
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