Die
Volksfrömmigkeit
16.
Ein besonderes Merkmal Amerikas ist das Vorhandensein einer Volksfrömmigkeit,
die tief in den verschiedenen Völkern verwurzelt ist. Sie ist auf allen
Gesellschaftsebenen zu finden, und sie ist von besonderer Bedeutung als Ort der
Begegnung mit Christus für alle, die Gott aufrichtig und im Geiste der Armut
und Demut des Herzens suchen (vgl. Mt 11,25). Die Ausdrucksweisen dieser
Frömmigkeit sind zahlreich: „Die Wallfahrten zu den
Heiligtümern, wo Christus, Maria oder die Heiligen verehrt werden, das Gebet
für die Seelen im Fegefeuer, der Gebrauch von Sakramentalien (Wasser, Öl,
Kerzen …). Diese und viele andere
Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit bieten den Gläubigen die Gelegenheit, den
lebendigen Christus zu finden“ 40. Die
Synodenväter haben die Dringlichkeit unterstrichen, in diesen Ausdrucksformen
der Volksfrömmigkeit die wahren geistigen Werte zu entdecken, um sie durch die
genuine katholische Glaubenslehre zu bereichern, so daß diese Frömmigkeit zu
aufrichtiger Umkehr und konkreter Erfahrung der Nächstenliebe führt 41.
Die Volksfrömmigkeit trägt, wenn sie in rechter Weise ausgerichtet wird, auch
dazu bei, daß in den Gläubigen das Bewußtsein ihrer Zugehörigkeit zur Kirche
wächst, indem sie nämlich ihren Eifer stärkt und ihnen auf diese Weise eine
gültige Antwort auf die aktuellen Herausforderungen der Verweltlichung bietet
42.
Da in Amerika
die Volksfrömmigkeit ein Ausdruck der Inkulturation des katholischen Glaubens
ist und viele ihrer Ausdrucksweisen autochthone religiöse Formen aufgegriffen
haben, sollte man die Möglichkeit hervorheben, aus ihnen in weiser Vorsicht
eine gültige Anleitung zur besseren Inkulturation des Evangeliums zu gewinnen
43. Dies ist besonders unter der indianischen Bevölkerung wichtig,
damit „die Samenkörner des Wortes“ innerhalb ihrer Kulturen zur Fülle in Christus gelangen
44. Dasselbe gilt für die Amerikaner afrikanischer Herkunft: die Kirche
„anerkennt, daß sie die Pflicht
hat, auf diese Amerikaner von ihrer je eigenen Kultur her zuzugehen und
ernsthaft den geistigen und menschlichen Reichtum dieser Kultur zu
berücksichtigen, welche die Art und Weise prägt, ihren Kult zu begehen, ihren
Sinn für Fröhlichkeit und Solidarität sowie ihre Sprache und Traditionen hervorzuheben“ 45.
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