Wachsende
Beachtung der Menschenrechte
19.
Im Hinblick auf die Zivilgesellschaft ist unter den positiven Aspekten im
heutigen Amerika zu nennen, daß sich auf dem ganzen Kontinent immer mehr
demokratische Systeme etablieren und es immer weniger Diktaturen gibt, eine
Tendenz, die unmittelbare moralische Auswirkungen hat. Die Kirche verfolgt
diese Entwicklung mit Freude, in dem Maße, in dem dies immer mehr einer
erkennbaren Beachtung der Menschenrechte eines jeden Einzelnen zu Gute kommt.
Hierzu zählen auch Strafgefangene und Verurteilte, bei denen eine Anwendung von
Inhaftierungs- und Verhörmethoden, welche die Menschenrechte verletzen – und hierbei denke ich konkret an die Folter – unrechtmäßig ist. In der Tat „ist der Rechtsstaat die notwendige Bedingung zur Schaffung
einer echten Demokratie“ 51.
Andererseits
bringt für die Bürger, besonders für die Führungsschicht, die Existenz eines
Rechtsstaates die Überzeugung mit sich, daß die Freiheit nicht von der Wahrheit
zu trennen ist 52. In der Tat werfen die ernsthaften Probleme, welche
die Würde der menschlichen Person, Familie, Ehe und Erziehung, Wirtschaft und
Arbeitsbedingungen, Lebensqualität und das Leben selbst bedrohen, die Frage
nach dem Recht auf 53. Die Synodenväter haben daher unterstrichen, daß „die grundlegenden Rechte der menschlichen Person in deren
eigene Natur eingeschrieben sind. Sie sind gottgewollt und erfordern daher
Befolgung und universale Akzeptanz. Keine menschliche Autorität darf sie unter
Berufung auf die Mehrheit oder auf politischen Konsens mit dem Vorwand
übertreten, daß man so dem Pluralismus und der Demokratie Achtung zollt. Daher
muß sich die Kirche für die Ausbildung und Begleitung der Laien einsetzen, die
in den gesetzgebenden Organen, in der Regierung und in der Rechtsverwaltung
tätig sind, so daß die Gesetze stets die moralischen Prinzipien und Werte zum
Ausdruck bringen, die mit einer gesunden Anthropologie konform gehen und das
Allgemeinwohl voranstellen“ 54.
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