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Johannes Paul II.
Ecclesia in America

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  • KAPITEL III DER WEG DER UMKEHR « Also kehrt um, und tut Buße » (Apg 3, 19)
    • Vom Heiligen Geist zu einer neuen Lebensweise angeleitet
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Vom Heiligen Geist zu einer neuen Lebensweise angeleitet 

29. Der Vorschlag zu einer neuen Lebensweise gilt nicht nur für die Hirten, sondern vielmehr für alle in Amerika lebende Christen. Von allen wird erwartet, daß sie eine echte christliche Spiritualität annehmen und vertiefen. „In der Tat versteht man unter dem Begriff Spiritualität die Art und Weise der Lebensführung, wie sie von uns Christen verlangt wird. Spiritualität bedeutetleben in Christus‹ und ›leben im Geiste‹. Sie wird im Glauben angenommen, findet in der Liebe ihren Ausdruck, wird durch die Hoffnung belebt und im täglichen Leben der kirchlichen Gemeinschaft umgesetzt.“ 77 In diesem Sinne versteht man unter Spiritualitätwelche das Ziel ist, zu der die Umkehr führt – nicht nur „einen Teil des Lebens, sondern das ganze Leben unter der Leitung des Heiligen Geistes“. 78 Von all den Ausdrucksformen der Spiritualität, die der Christ sich zu eigen machen soll, überwiegt das Gebet. Es „führt dazu, daß man allmählich einen kontemplativen Blick für die Realität bekommt, was einem gestattet, Gott immer und in allem zu erkennen, ihn in allen Menschen zu suchen und zu finden und seinen Willen in allem, was geschieht, zu suchen“. 79 

Jeder Christ ist sowohl zum persönlichen als auch zum liturgischen Gebet verpflichtet. „Jesus Christus, das Evangelium des Vaters, macht uns darauf aufmerksam, daß wir ohne ihn nichts vermögen (vgl. Joh 15,5). Er selbst hat sich in den entscheidenden Augenblicken seines Lebens bevor er handelte, an einen einsamen Ort zurückgezogen, um sich ganz dem Gebet und der Betrachtung hinzugeben, und er verlangte von den Aposteln, dasselbe zu tun“. 80 Auch seinen Jüngern rief er ohne Ausnahme in Erinnerung: „Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist“ (Mt 6,6). Eine solche, durch das Gebet geprägte, intensive Lebensweise muß den Fähigkeiten und Bedingungen eines jeden Christen angepaßt sein, so daß er stets in den verschiedenen Lebenssituationen „zur Quelle der Begegnung mit Jesus Christus zurückkehren kann, um mit dem einen Geist getränkt zu werden (1 Kor 12,13)“ 81 . In diesem Sinne ist die kontemplative Dimension kein Privileg einiger weniger in der Kirche; im Gegenteil: in den Pfarreien, Gemeinschaften und Bewegungen soll eine offene und an der Betrachtung der fundamentalen Glaubenswahrheiten ausgerichtete Spiritualität gefördert werden. Gemeint sind hier die Glaubensgeheimnisse der Dreifaltigkeit, der Menschwerdung des Wortes, der Erlösung der Menschen und weitere große Heilswerke Gottes. 82 

Die Männer und Frauen, die sich ausschließlich der Betrachtung hingeben, haben in der amerikanischen Kirche eine fundamentale Sendung. Sie sind – so drückt es das Zweite Vatikanische Konzil aus – „eine Zier der Kirche und verströmen himmlische Gnaden“. 83 Daher müssen die Klöster, die weit und breit auf dem ganzen Kontinent verstreut sind, „den Hirten ganz besonders am Herzen liegen, deren tiefste Überzeugung es sei, daß die Seelen, die sich ganz dem kontemplativen Leben hingeben, durch Gebet, Buße und Betrachtungdenn dafür weihen sie ihr Lebenreiche Gnaden erwirken. Die in kontemplativen Klöstern lebenden Ordensleute müssen sich darüber bewußt sein, daß sie in die Mission der Kirche in dieser Welt integriert sind und daß sie durch ihr eigenes Lebenszeugnis zum Seelenheil der Gläubigen beitragen; denn so suchen diese in ihrem täglichen Leben nach dem Antlitz Gottes“. 84 

Christliche Spiritualität wird vor allem durch einen häufigen Sakramentenempfang genährt, da die Sakramente die Wurzel und unversiegbare Quelle der Gnade Gottes sind. Ihrer bedürfen die Gläubigen, um sich auf ihrer irdischen Pilgerschaft zu laben. Eine solche Lebensweise muß auch durch die Werte der Volksfrömmigkeit geprägt sein, die durch die sakramentale Praxis bereichert werden und so weit davon entfernt sind, zu bloßer Routine zu erstarren. Jedoch steht die Spiritualität der sozialen Dimension des christlichen Engagements nicht entgegen, im Gegenteil: die Gläubigen werden sich durch ihr Gebetsleben mehr der Anforderungen des Evangeliums und der Verpflichtung ihren Brüdern und Schwestern gegenüber bewußt, denn durch das Gebet erlangen sie die unerläßliche Gnadenkraft, um im Guten auszuharren. Damit der Christ zu geistiger Reife gelangt, soll er auf den Rat und die geistige Leitung der geweihten Diener oder anderer, in diesem Bereich erfahrener Personen, hören. Dies ist eine Praxis, die seit alters in der Kirche ausgeübt wird. Die Synodenväter hielten es für notwendig, den Priestern diesen so wichtigen Dienst ans Herz zu legen. 85 




77 Ebd., 28.



78 Ebd.



79 Ebd.



80 Ebd., 27.



81 Ebd.



82 Vgl. ebd.



83 Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Perfectae caritatis, Über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens, 7; vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata (25. März 1996), 8, in: AAS 88 (1996) 382



84 Propositio, 27.



85 Vgl. ebd., 28.






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