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38. Dorthin also wird man
die Verfälschung sowohl der Schriften wie auch ihrer Deutungen verlegen müssen,
wo die Verschiedenheit in der Lehre sich findet. Wer einmal den Vorsatz hatte,
anders zu lehren, der war durch die Notwendigkeit gezwungen, auch die
Lehrbücher anders einzurichten. Man hätte ja sonst nicht anders lehren können,
wenn man nicht Lehrmittel von einer ändern Beschaffenheit hatte! So wenig, wie
ihnen die Verfälschung der Lehre hätte gelingen können ohne Verfälschung der
dazu gehörigen Urkunden, so wenig hätte uns die Vollständigkeit und Reinheit
der Lehre genutzt ohne Vollständigkeit dessen, wodurch die Lehre vermittelt
wird. Gibt es etwa in unsern Urkunden etwas, das uns widerspräche? Welche
eigene Zutaten haben wir gemacht, um etwas ihnen Entgegenstehendes in der Hl.
Schrift Vorkommendes durch - 694 -
Wegnähme, Zusätze oder Umstellungen zu heilen? Was wir sind, das ist auch
die Schrift von ihrer Entstehung an. Aus ihr sind wir, bevor etwas anderes da
war, bevor ihr sie gefälscht habt. Jede Abänderung aber ist für das Spätere zu
halten und geht jedenfalls aus böswilliger Gesinnung hervor, die niemals früher
existiert als das, was sie anfeindet, noch ihm befreundet ist. Daher ist es für
jeden Einsichtsvollen ebenso unglaublich, daß wir, die wir die Ersten und
Uranfänglichen sind, den fälschenden Griffel an die Schrift gelegt haben
sollen, als daß jene, welche die Spätem und feindlich Gesinnten sind, es nicht
getan haben sollten. Der eine verkehrt die Texte, der andere die Erklärung des
Sinnes 146). Bedient sich
Valentinus scheinbar der unverstümmelten heiligen Urkunde, so hat er sich doch
auf eine noch verschmitztere Weise an der Wahrheit vergriffen, als Marcion.
Marcion nämlich gebrauchte offen und ungeniert das Messer, nicht den Griffel;
denn er vollzog nach den Anforderungen seines Lehrstoffes einen Mord an der Hl.
Schrift. Valentinus hingegen verfuhr mit Schonung; denn er machte sich nicht
eine Hl. Schrift nach seinem Lehrstoff, sondern sann seinen Lehrstoff nach der
Schrift aus. Trotzdem nahm er mehr hinweg und setzte mehr hinzu, indem er
einerseits den wirklichen Sinn selbst der einzelnen Worte beseitigte,
andererseits Hineindeutungen nicht beabsichtigter Dinge hinzufügte 147).
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