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7. Das sind jene Lehren
von Menschen und Dämonen 28), die da zum
Kitzeln der Ohren aus der Erfindungsgabe irdischen Wissens entsprungen sind.
Letzteres hat der Herr als Torheit bezeichnet, und das, was - 659 -
vor der Welt
töricht ist, erwählt, um auch die Philosophie selbst zu beschämen 29). Denn sie ist eben das Feld, auf dem die
Weisheit der Welt sich bewegt 30), sie, die voreilige Erklärerin der Natur und der
Ratschlüsse Gottes. Auch die Häresien selbst empfangen durch die Philosophie
ihre Ausrüstung. Von ihr stammen die Äonen und weiß Gott welche unzählige
Gestaltungen, sowie die Dreiteilung der Menschen bei Valentinus ---- er war
nämlich Platoniker gewesen; von daher stammt Marcions besserer Gott, besser
infolge seiner Ruhe ----Marcion war von den Stoikern herübergekommen; daß der
Untergang der Seele behauptet wird ---- man hat es den Epikureern abgelauscht;
daß die Wiederherstellung des Leibes geleugnet wird ---- man hat es der
übereinstimmenden Lehre sämtlicher Philosophenschulen entlehnt; wenn von
irgendeinem die Materie Gott gleichgestellt wird ---- es ist die Lehre des
Zeno; wo etwas von einer feurigen Gottheit vorgebracht wird ---- Heraklitus
steckt dahinter. Dieselben Gegenstände werden bei Häretikern und bei
Philosophen behandelt, dieselben verwickelten Verhandlungen werden angestellt:
Woher das Böse und warum ist es da? Woher der Mensch und wie ist er beschaffen?
und Woher ist Gott? eine Frage, die kürzlich Valentinus aufgeworfen hat, um die
Antwort zu geben: aus der Enthymesis und dem Ektroma. Du armer Aristoteles! Du
hast sie die Dialektik gelehrt, die Meisterin im Aufbauen und Zerstören, die so
verschmitzt ist in ihren Sätzen, so gezwungen in ihren angeblichen Schlüssen,
so hart in ihren Beweisen, so geschäftig im Wortstreit, die, sogar sich selbst
zur Last fallend, alles behandelt, um schließlich gar nichts behandelt zu
haben. Von dort kommen jene Fabeln und endlosen Genealogien, die
unersprießlichen Untersuchungen 31) und die krebsartig fortschreitenden Reden 32), von welchen der Apostel uns fernzuhalten
bemüht ist und dabei - 660 -
ausdrücklich die Philosophie als das bezeichnet, wovor man sich hüten
müsse, indem er an die Kolosser schreibt: „Sehet zu, daß euch niemand täusche
durch die Philosophie und durch leeren Trug, nach der Überlieferung der
Menschen" 33) gegen die
Vorsehung des Hl. Geistes. Er war in Athen gewesen und hatte diese
Menschenweisheit in Zusammenkünften kennen gelernt, diese Nachäfferin und
Verfälscherin der Wahrheit, die selbst auch vielgeteilt ist in ihre Häresien
durch die Mannigfaltigkeit der Schulen, welche einander bekämpfen. Was hat also
Athen mit Jerusalem zu schaffen, was die Akademie mit der Kirche, was die
Häretiker mit den Christen? Unsere Lehre stammt aus der Säulenhalle Salomos,
der selbst gelehrt hatte, man müsse den Herrn in der Einfalt seines Herzens
suchen 34). Mögen sie
meinethalben, wenn es ihnen so gefällt, ein stoisches und platonisches und
dialektisches Christentum aufbringen! Wir indes bedürfen seit Jesus Christus
des Forschens nicht mehr, auch nicht des Untersuchens, seitdem das Evangelium
verkündet worden. Wenn wir glauben, so wünschen wir über das Glauben hinaus
weiter nichts mehr. Denn das ist das erste, was wir glauben: es gebe nichts
mehr, was wir über den Glauben hinaus noch zu glauben haben.
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