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23. Sie machen also, um
den Aposteln ein gewisses Nichtwissen aufmutzen zu können, den Umstand geltend,
Petrus und seine Gefährten seien von Paulus getadelt worden 78). Folglich mangelte ihnen etwas, sagen sie,
um darauf auch den weiteren Schluß zu bauen, es habe ihnen nachher eine
reichlichere Wissenschaft zuteil werden können, wie sie Paulus zuteil geworden
sei, als er seine Vorgänger tadelte. Leuten, welche die Apostelgeschichte
verwerfen, wäre ich diesem Einwurf gegenüber berechtigt zu entgegnen: Erst müßt
ihr mir angeben, wer dieser Paulus ist, wie er Apostel geworden und was er
vorher war 79), ---- zumal da sie
sich seiner auch bei ändern Fragen sehr viel bedienen. Denn der Umstand, daß er
sich selbst als einen bekennt 80), der aus einem Verfolger ein Apostel geworden, genügt
keinem, der prüft, was er glaubt, da ja auch der Herr selbst kein Zeugnis von
sich ablegt 81).
Mögen sie
indes glauben ohne die Hl. Schrift, um zu glauben im Widerspruch zur Schrift,
so haben sie doch aus dem von ihnen angerufenen Umstände, daß - 676 -
Petrus von Paulus
getadelt worden sei, den Beweis zu führen, daß Paulus eine andere Form des
Evangeliums neu hinzugefügt habe, die verschieden war von der, welche zuvor
Petrus und die übrigen aufgestellt hatten! ----Nun wird aber doch der in einen
Glaubensboten umgewandelte Verfolger von den Brüdern zu den Brüdern geleitet,
wie einer der Brüder, und zwar von solchen, welche von den Aposteln den Glauben
angenommen hatten, zu eben solchen. Darauf steigt er, wie er selber erzählt,
nach Jerusalem hinauf, um Petrus kennen zu lernen, wozu ihm selbstverständlich
die Gleichheit des Glaubens und der Predigt das Recht und die Pflicht gab. Denn
wenn seine Predigt und Lehre eine abweichende gewesen wäre, so hätten jene
keine Ursache gehabt, sich zu wundern, daß er aus einem Verfolger ein
Glaubensbote geworden sei, und hätten auch den Herrn nicht deshalb
verherrlichen können 82), weil
Paulus, ein Gegner, sich eingefunden habe. Deshalb also gaben sie ihm auch ihre
Rechte als Zeichen der Eintracht und Übereinstimmung und veranstalteten unter
sich eine Teilung der Arbeit, nicht eine Trennung des Evangeliums, so daß nicht
etwa der eine so, der andere anders, sondern der eine diesen, der andere jenen
predigte, Petrus für die Beschneidung, Paulus für die Heiden 83). Schließlich, wenn Petrus getadelt wurde,
daß er sich aus menschlichen Rücksichten, obwohl er früher mit den Heiden in
Gemeinschaft gelebt hatte, nachmals von ihrer Gemeinschaft zurückzog, so war
das jedenfalls nur ein Fehler im Verhalten, nicht in der Lehre. Denn es wurde
darum von der Zeit an kein anderer Gott gepredigt als der Schöpfer, kein
anderer Christus als der aus Maria geborene und keine andere Hoffnung als die
Auferstehung.
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