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6. Wir wollen aber noch
fortfahren, uns einige Stammväter aufzusuchen, Denn manchen genügen Adam - 833 -
und Noë, als nur einmal
verheiratete Vorväter, noch nicht, vielleicht nicht einmal Christus. Zuletzt
berufen sie sich auf Abraham, obwohl es ihnen doch verboten ist, einen ändern
als Vater anzuerkennen außer Gott. Möge denn Abraham nun unser Vater sein, möge
aber auch Paulus es sein 50). „Durch das Evangelium", sagt
er ja, „habe ich euch erzeugt" 51). Auch als Abrahams Sohn
zeige dich. Denn deinen Ursprung aus ihm kannst du nicht nach Belieben ansetzen
52). Die Zeit, wo er dein Vater ist, ist eine ganz
bestimmte. Wenn wir nämlich als Söhne Abrahams aus dem Glauben angesehen
werden, wie der Apostel in seinen an die Galater gerichteten Worten lehrt: „Ihr
sehet nämlich ein, daß die, welche aus dem Glauben sind, Söhne Abrahams sind"
53), wann hat denn Abraham Gott geglaubt und ist es ihm zur
Gerechtigkeit angerechnet worden? Ich denke, als er noch in der Monogamie
lebte, weil er noch nicht beschnitten war. Wenn nachher sein Stand nach beiden
Beziehungen hin sich änderte, zur Doppelehe durch den Konkubinat mit der Magd
und zur Beschneidung durch das Zeichen des Bundes, so kannst du 54) ihn nur in dem Zeitraum als
deinen Vater anerkennen, wo er Gott glaubte; denn du bist sein Sohn aus dem
Glauben, nicht dem Fleische nach 55). Oder wenn du es darauf
anlegst 56), dem späteren Abraham, als deinem Vater, nachzufolgen,
d. h. dem doppelt verehelichten, dann nimm auch den beschnittenen als Vater an.
Wenn du den beschnittenen als Stammvater verschmähest, dann mußt du auch den
doppelt verheirateten ablehnen. Seine beiden Zustände, - 834 -
die auf zweifache Weise untereinander
verschieden sind, kannst du nicht miteinander mischen. Ein Digamus fing er erst
an mit der Beschneidung zu werden, ein Monogamus war er in der Vorhaut. Nimmst
du die Digamie an, so laß dir auch die Beschneidung gefallen. Hältst du aber
das Recht aufrecht, in der Vorhaut zu leben, dann bist du an die Monogamie
gebunden. Du bist aber in dem Grade ein Sohn des monogamischen wie auch des nicht
beschnittenen Abrahams, daß du, wenn du dich beschneiden ließest, schon nicht
mehr sein Sohn wärest, weil du es nicht aus dem Glauben sein würdest, sondern
nur durch das Zeichen des Glaubens, der in der Vorhaut zur Gerechtigkeit
angerechnet worden war 57). Du hast den Apostel, laß dich mit
den Ga-latern belehren! Wenn du mithin den bereits zweimal Verheirateten für
dich in Anspruch nimmst 58), so bist du kein Sohn jenes Abraham,
dessen Glaube in der Monogamie vorherging. Wenn er auch nachher Vater von
vielen Völkern genannt wird, so ist er es nur von denen, welche infolge des
Glaubens, der der Digamie vorausging, als Söhne Abrahams gelten sollten.
Doch nunmehr mögen
diese Dinge außer Betracht bleiben 59). Etwas anderes sind Vorbilder,
etwas anderes feste Einrichtungen 60), etwas anderes Bilder, etwas
anderes feste klare Bestimmungen. Die Vorbilder gehen vorüber, wenn sie erfüllt
sind, die Bestimmungen bleiben, damit sie erfüllt werden. Die Vorbilder
weissagen, die festen Bestimmungen regieren. Was jene Doppelehe Abrahams soll,
das lehrt uns derselbe Apostel, als Erklärer beider Testamente, wie er denn
auch - 835 -
behauptet, daß in Isaak unser Same zur Berufung gelangt
sei. „Wenn du von der Freien bist" 61), zu Isaak gehörst, so war
dieser sicher bis an sein Ende nur in einer Ehe. Das sind also, sollte ich
denken, diejenigen, in welchen ich meine Abstammung habe. Von den übrigen will
ich nichts wissen. Wenn ich die Beispiele von solchen anschaue, etwa das eines
David, der sogar durch Blutvergießen seine ehelichen Verbindungen vermehrt,
oder etwa eines Salomon, der reich ist auch an Weibern: so sollen wir doch
besseren Beispielen folgen, und wir haben den nur einmal vermählten Joseph, den
ich in diesem Punkte besser als seinen Vater zu nennen wage, Moses, der Gott
aus nächster Nähe schaute, Aaron, den ersten Priester, Auch der zweite Moses
der zweiten Generation, der unser Vorbild ins Land der Verheißung einführte, in
welchem zum ersten Male der Name des Herrn auftrat 62), war kein Digamus.
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