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8. Wir werden auf das Weitere noch zurückkommen 51). Denn jetzt beeilen wir uns,
zu den Beweisen aus dem Neuen Bunde überzugehen. An der Schwelle des
Evangeliums steht die Prophetin Anna, die Tochter Phanuels, welche den Knaben
Jesus erkannte und vieles über ihn weissagte zum Nutzen derer, die das Heil
Israels erwarteten. Nach dem herrlichen Lobestitel einer langjährigen
Witwenschaft nach einmaliger Ehe wird sie durch das Zeugnis geschmückt, daß sie
fastete 52). Sie zeigt uns. mit welchen Werken man in der Kirche
ausharren müsse, und daß niemand leichter Christum erkenne, als die einmal
Verheirateten und die öfters Fastenden. Sodann leitete der Herr selbst seine - 882 -
Taufe, und in seiner Taufe
die Taufe aller, mit Fasten ein, obwohl er imstande war, zu bewirken, daß
Steine Brot würden, ja sogar, daß die Fluten des Jordan eventuell Wein seien,
wenn er nämlich wirklich ein Fresser und Säufer gewesen wäre. Im Gegenteil, er
ließ den neuen Menschen zur Beschämung des alten auftreten mit der Fähigkeit,
Speisen zu verschmähen, um dadurch dem Teufel, der ihn aufs neue durch die
Eßlust zu versuchen strebte, zu zeigen, daß er jedem Appetit überlegen sei. Er
schrieb sodann für das Fasten als Gesetz vor, daß man es ohne Traurigkeit
verrichte. Denn warum sollte ein Heilsmittel etwas Trauriges sein? Auch lehrte
er, daß die schlimmsten Dämonen durch Fasten zu bekämpfen seien 53). Wie sollte es auch
auffallend sein, daß der böse Geist durch dasselbe Mittel verjagt wird, durch
das der Hl. Geist zur Einkehr be-wogen wird?! So lesen wir auch in Betreff des
Hauptmannes Cornelius, sein Fasten habe Erhörung gefunden, so daß die Gnade des
Hl. Geistes mit der Gabe der Prophetie über ihn zu kommen sich beeilte, bevor
er getauft war 54). Soviel ich weiß, zählt auch der
Apostel im zweiten Briefe an die Korinther unter seinen Mühen, Gefahren und
Beschwerden neben Hunger und Durst häufiges Fasten auf 55).
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