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11. Denjenigen, welche in Aufregung zu geraten pflegen, wenn
sie von unsern Einrichtungen hören, ist vermutlich dies alles unbekannt, oder
sie kennen es vielleicht nur durch die Vorlesung 74), nicht aus aufmerksamer
Betrachtung, wie denn bei dem vielgerühmten großen Haufen der Psychiker die
Ungebildeten überhaupt den meisten Einfluß ausüben. Deshalb haben wir die
einzelnen Arten des Fastens, der Xerophagien und Stationen, durchgegangen, um
an dem Beispielvorrat beider Testamente zu zeigen, welchen Nutzen die
Verschmähung, Verkürzung und Verschiebung des Essens bringe, und so diejenigen
widerlegen, welche diese Dienste als zwecklos diskreditieren, um ferner zu
zeigen, welchen Rang sie stets in der Religionsübung eingenommen
haben, und so diejenigen aus dem Felde schlagen, welche diese Dinge der Neuheit
anklagen. Was beständig da war, ist nicht neu, und was Nutzen bringt, ist nicht
zwecklos. Auch liegt es auf der Hand, daß einige von diesen Verrichtungen von
Gott dem Menschen vorgeschrieben und so zum Gesetz wurden, andere, vom Menschen
Gott dargebracht, zur Erfüllung von Gelübden dienten. Bildet doch auch ein Gelübde,
das von Gott angenommen wurde, für die Nachwelt ein Gesetz infolge des Ansehens
des Annehmenden; denn, wer eine - 890 -
Handlung gebilligt hat, hat damit
anbefohlen, daß man sie von nun an üben soll.
Von diesem
Gesichtspunkte aus findet nun auch indirekt das Dilemma unserer Gegner seine
Widerlegung, wenn sie nämlich sagen: Entweder ist es Pseudoprophetie, wenn eine
Geistesstimme diese Übungen vorgeschrieben hat, oder aber es ist Häresie, wenn
menschliche Anmaßung sie erfunden hat. Denn wenn sie jene Norm tadeln, nach der
sich diese Dinge im Alten Testament vollzogen, und infolgedessen wieder die
Bedenken gegen dieselben 75) aufwärmen, welche die Feinde des
Alten Bundes gegen sie erheben könnten, dann müssen sie entweder auch jene
Dinge verwerfen oder aber diese unsere Praxis, da sie früher offen geübt wurde
76), annehmen. Dies ist unbedingt notwendig, besonders
deshalb, weil unsere Praxis ganz demselben Gott gilt, wie die Beispiele im
Alten Testament, mag sie nun eingesetzt sein von wem sie will, von einem
Geistbegabten oder bloß von einem Gläubigen. Denn zweifelsohne wird bei uns
allen 77), die wir Verehrer eines einzigen Gottes, des Schöpfers
und seines Christus sind, Häresie und falsche Prophetie darnach beurteilt
werden, ob eine verschiedene Gottheit ins Spiel kommt oder nicht. Darum machte
es mir bei Verteidigung dieses Punktes gar keinen Unterschied, und ich lasse
ihnen die Wahl, welche Stellung sie einnehmen wollen 78).
Es ist ein
Teufelsgeist, behauptest du, o Psychiker. ---- Gut, und wie kommt es, daß er zu
Ehren unseres Gottes Verrichtungen anbefiehlt, und zwar solche, die - 891 -
keinem ändern dargebracht
werden sollen als unserem Gott? Entweder behaupte, daß der Teufel mit unserem
Gott gemeinschaftliche Sache mache, oder der Satan möge für den Paraklet
gehalten werden. Aber, so behauptest du, es sei ein Mensch, der als ein
Antichrist auftritt 79); denn mit diesem Namen werden die
Häretiker bei Johannes belegt. ---- Wie kann er dann, wer er auch sei, diese
Dienstleistungen in unserem Christus für unsern Herrn angeordnet haben, da doch
selbst die Antichristen, die anscheinend für Gott eintreten 80), gegen unsern Christus
auftreten? Von welcher Seite, meints du, hat der Geist bei uns seine
Bestätigung erhalten, da er doch das befiehlt oder gutheißt, was unser Gott
beständig anbefohlen und gutgeheißen hat? 81) Allein ihr setzt auch hier
dem lieben Gott wieder Grenzpfähle, wie in Bezug auf die Gnade, so auch in
Bezug auf die Disziplin, wie in Bezug auf die Charismen, so auch in Bezug auf
die sittlichen Gebräuche. Die Gott zu erweisenden Dienste sollen ebenso
aufhören wie seine Wohltaten, und so leugnet ihr, daß er immerfort noch
Pflichten auferlege, weil auch hier das Wort gelten soll: „das Gesetz und die
Propheten gehen nur bis auf Johannes" 82). Es fehlt nun bloß noch, daß
ihr alles beseitigt, da ja, soweit es auf euch ankommt, alles so überflüssig
ist.
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