- 897 -
14. Wenn wir also für die Feier dieser Gebräuche 96) bestimmte Zeiten, sei es
Tage, sei es Monate, sei es Jahre innehaben, machen wir es dann wie die
Galater? 97) Allerdings wäre das der Fall, wenn wir das jüdische
Zeremonialgesetz und die Festtage des Gesetzes beobachteten. Denn diese sind
es, die der Apostel verwirft, indem er den Fortbestand des Alten Testaments als
in Christo begraben verbietet und den des Neuen aufstellt. Wenn „die Schöpfung
in Christo eine neue ist" 98), so müssen auch die
Gebräuche neue sein: oder aber, wenn der Apostel die Feier bestimmter Zeilen,
Tage, Monate und Jahre überhaupt gänzlich beseitigt hat, warum feiern wir denn
im Kreislauf des Jahres das Pascha im ersten Monate? 99) Warum bringen wir die
darauffolgenden fünfzig Tage in aller Fröhlichkeit zu? Warum widmen wir den
Mittwoch und Freitag der Woche den Stationen, und den Freitag 100) dem Fasten, - 898 -
wiewohl ihr manchmal auch den
Samstag noch hinzunehmt, an welchem doch, aus dem anderweitig angeführten
Grunde, niemals außer am Passah gefastet werden soll. Für uns ist sicherlich
jeder Tag, vermöge der allgemeinen Weihe, ein Feiertag. Es liegt also auch beim
Apostel, der nur Neues und Altes voneinander scheidet, kein Grund vor, einen
Unterschied zu machen. Auch hier dürfte doch euer ungleichartiges Verfahren
lächerlich werden, indem ihr in Bezug auf dieselbe Sache uns einerseits der
Neuerung anklagt, und andererseits uns vorwerfet, daß wir zur gesetzlichen Norm
des Alten Bundes zurückkehren 101).
|