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Die Erfahrung der Synode
3. Die
Synodenversammlung vom 1. bis 23. Oktober 1999 hat sich als eine
außergewöhnliche Gelegenheit der Begegnung, des Zuhörens und des Austausches
erwiesen. Das gegenseitige Kennenlernen von Bischöfen aus verschiedenen
Teilen Europas und die Verbundenheit dieser mit dem Nachfolger Petri wurden
vertieft, und wir konnten uns alle zusammen gegenseitig aufbauen, vor allem
dank der Zeugnisse derer, die unter den vergangenen totalitären Regimen wegen ihres
Glaubens harte und langdauernde Verfolgungen ertragen haben.9
Beseelt vom Wunsch, einen brüderlichen »Austausch von Gaben« zu vollziehen, und
gegenseitig bereichert durch die Vielfalt der Erfahrungen jedes einzelnen,
haben wir wieder einmal Augenblicke der Gemeinschaft im Glauben und in der
Liebe erlebt.10
Daraus ist der Wille erwachsen,
den Ruf anzunehmen, den der Heilige Geist an die Kirchen in Europa richtet, um
sie angesichts der neuen Herausforderungen in die Pflicht zu nehmen.11
Die Teilnehmer an dem synodalen Treffen haben sich – wenngleich mit
liebevollem Blick – nicht gescheut, die aktuelle Situation des
Kontinents zu betrachten und deren Licht- und Schattenseiten aufzudecken.
Einhellig ergab sich das Bewußtsein, daß die Situation von schwerwiegenden
Ungewißheiten auf kultureller, anthropologischer, ethischer und
geistlich-religiöser Ebene gekennzeichnet ist. Ebenso klar war ein wachsender
Wille festzustellen, sich mit dieser Situation auseinanderzusetzen und sie zu
interpretieren, um zu sehen, welche Aufgaben die Kirche erwarten: Daraus sind
»brauchbare Orientierungen« hervorgegangen, »um durch eine markantere, durch
ein konsequentes Lebenszeugnis gestärkte Verkündigung das Antlitz Christi immer
mehr sichtbar zu machen« .12
4. Die mit
einem am Evangelium orientierten Unterscheidungsvermögen gelebte synodale
Erfahrung ließ das Bewußtsein der Einheit reifen, die die
verschiedenen Teile Europas verbindet, ohne die aus den historischen
Begebenheiten herrührenden Unterschiede zu leugnen. Es ist eine Einheit, die
aufgrund ihrer Verwurzelung in der gemeinsamen christlichen Inspiration die
unterschiedlichen kulturellen Traditionen zusammenzuführen vermag und die auf
gesellschaftlich-sozialer wie auf kirchlicher Ebene einen fortgesetzten Weg
gegenseitigen Kennenlernens verlangt, das sich einem größeren Austausch der
Werte der einzelnen öffnet.
Im Laufe der Synode wurde nach
und nach ein starkes Streben nach Hoffnung offenkundig. Auch wenn die
Synodenväter die Analysen der für den Kontinent charakteristischen Komplexität
durchaus ernst nahmen, haben sie erfaßt, daß die vielleicht größte
Dringlichkeit, die im Osten wie im Westen den Kontinent durchzieht, in einem
wachsenden Bedürfnis nach Hoffnung besteht, um dem Leben und der Geschichte
einen Sinn geben und gemeinsam weitergehen zu können. Alle Überlegungen der
Synode waren darauf ausgerichtet, auf dieses Bedürfnis vom Geheimnis Christi
und vom trinitarischen Geheimnis her eine Antwort zu geben. Die
Synode wollte die Gestalt des in seiner Kirche lebenden Jesus neu vor Augen
führen: Er offenbart den Gott der Liebe, der die Gemeinschaft der drei
göttlichen Personen ist.
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