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Das Bild der Geheimen
Offenbarung
5. Ich freue
mich, durch das vorliegende nachsynodale Schreiben die Früchte dieser Zweiten
Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa mit der Kirche in Europa teilen
zu können. Auf diese Weise möchte ich dem Wunsch nachkommen, der zum Abschluß
der synodalen Versammlung zum Ausdruck kam, als die Bischöfe mir die Texte
ihrer Überlegungen mit der Bitte überreichten, der pilgernden Kirche in Europa
ein Dokument über eben dieses Thema der Synode zu schenken.13
»Wer Ohren hat, der höre, was
der Geist den Gemeinden sagt« (Offb 2, 7). Bei der Verkündigung des
Evangeliums der Hoffnung an Europa werde ich mich von der Apokalypse
oder Geheimen Offenbarung leiten lassen, der »prophetischen Offenbarung«
, die der gläubigen Gemeinde den verborgenen, tiefen Sinn dessen, was geschehen
muß (vgl. Offb 1, 1), erschließt. Die Geheime Offenbarung konfrontiert
uns mit einem Wort, das an die christlichen Gemeinden gerichtet ist, damit sie
ihre Einbindung in die Geschichte, mit ihren Fragen und ihren Leiden, im Lichte
des endgültigen Sieges des geopferten und auferstandenen Lammes zu deuten und
zu leben verstehen. Zugleich stehen wir einem Wort gegenüber, das uns
verpflichtet, in unserem Leben der immer wiederkehrenden Versuchung zu
entsagen, die Stadt der Menschen ohne Gott oder gegen ihn aufzubauen. Wenn
nämlich das einträte, würde gerade das menschliche Zusammenleben früher oder
später eine nicht wiedergutzumachende Niederlage erleiden.
Die Geheime Offenbarung enthält
eine Ermutigung an die Gläubigen: Jenseits allen äußeren Anscheins und auch
wenn die Wirkungen noch nicht zu sehen sind, ist der Sieg Christi bereits
eingetreten und endgültig. Daraus ergibt sich die Grundeinstellung, den
menschlichen Wechselfällen mit einer Haltung tiefer Zuversicht zu begegnen, die
aus dem Glauben an den in der Geschichte gegenwärtigen und wirkenden
Auferstandenen entspringt.
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