I. Herausforderungen und Zeichen
der Hoffnung für die Kirche in Europa
Die Trübung der Hoffnung
7. Dieses Wort
richtet sich heute auch an die Kirchen in Europa, die oft durch eine
Trübung der Hoffnung auf die Probe gestellt sind. Die Zeit, in der wir
leben, vermittelt mit den ihr eigenen Herausforderungen in der Tat den Anschein
des Verlorenseins. Viele Männer und Frauen scheinen desorientiert, unsicher und
ohne Hoffnung zu sein, und nicht wenige Christen teilen diesen Gemütszustand.
Zahlreiche besorgniserregende Zeichen zeigen sich zu Beginn des dritten
Jahrtausends bedrohlich am Horizont des europäischen Kontinents, der »zwar sehr
reich ist an außerordentlichen Glaubenszeugnissen und sich im Rahmen eines
zweifellos freieren und einmütigeren Zusammenlebens befindet, trotzdem aber die
ganze Zerrüttung spürt, die die ältere und jüngere Geschichte im tiefsten
Inneren seiner Völker verursacht hat, was oft zu Enttäuschungen führt«
.14
Unter den vielen, auch anläßlich
der Synode ausführlich erwähnten Aspekten 15 möchte ich den
Verlust des christlichen Gedächtnisses und Erbes anführen, der begleitet ist
von einer Art praktischem Agnostizismus und religiöser Gleichgültigkeit,
weshalb viele Europäer den Eindruck erwecken, als lebten sie ohne geistigen
Hintergrund und wie Erben, welche die ihnen von der Geschichte übergebene
Erbschaft verschleudert haben. Daher ist es nicht allzu verwunderlich, wenn
versucht wird, Europa ein Gesicht zu geben, indem man unter Ausschluß seines
religiösen Erbes und besonders seiner tief christlichen Seele das Fundament
legt für die Rechte der Völker, die Europa bilden, ohne sie auf den Stamm
aufzupfropfen, der vom Lebenssaft des Christentums durchströmt wird.
Auf dem europäischen Kontinent
fehlt es gewiß nicht an namhaften Symbolen für die Präsenz des Christentums,
doch mit der langsam voranschreitenden Überhandnahme des Säkularismus laufen
sie Gefahr, zu einem bloßen Relikt der Vergangenheit zu werden. Vielen gelingt
es nicht mehr, die Botschaft des Evangeliums in die Alltagserfahrung
einzubeziehen. In einem gesellschaftlichen und kulturellen Umfeld, wo dem
christlichen Lebensentwurf ständig Trotz und Bedrohung begegnen, wird es immer
schwieriger, seinen Glauben an Jesus zu leben. In vielen öffentlichen Bereichen
ist es einfacher, sich als Agnostiker denn als Gläubigen zu bezeichnen; man hat
den Eindruck, daß sich Nichtglauben von selbst versteht, während Glauben einer
gesellschaftlichen Legitimation bedarf, die weder selbstverständlich ist, noch
vorausgesetzt wird.
8. Mit diesem
Verlust des christlichen Gedächtnisses geht eine Art Zukunftsangst
einher. Das gemeinhin verbreitete Bild von der Zukunft stellt sich oft
als blaß und ungewiß heraus. Man hat eher Angst vor der Zukunft, als daß man
sie herbeiwünschte. Besorgniserregende Anzeichen dafür sind unter anderem die
innere Leere, die viele Menschen peinigt, und der Verlust des Lebenssinnes. Zu
den Zeichen und Auswirkungen dieser Existenzangst sind insbesondere der
dramatische Geburtenrückgang und die Abnahme der Priester- und Ordensberufe zu
zählen sowie die Schwierigkeit, wenn nicht sogar die Weigerung, endgültige
Lebensentscheidungen auch bezüglich der Ehe zu treffen.
Wir erleben eine verbreitete
Zersplitterung des Daseins; es überwiegt ein Gefühl der Vereinsamung;
Spaltungen und Gegensätze nehmen zu. Unter anderen Symptomen dieses Zustandes
erfährt das heutige Europa das ernste Phänomen einer Krise der Familie und des
Schwindens einer Konzeption von Familie überhaupt, die Fortdauer oder das
Wiederaufflammen ethnischer Konflikte, das Wiederaufleben gewisser
rassistischer Verhaltensweisen, die interreligiösen Spannungen, die Egozentrik,
die Einzelne und Gruppen in sich verschließt, die Zunahme einer allgemeinen
sittlichen Gleichgültigkeit und einer krampfhaften Sorge um die eigenen
Interessen und Privilegien. In den Augen vieler läuft die zunehmende Globalisierung
Gefahr, statt zu einer größeren Einheit der Menschheit zu führen, einer Logik
zu folgen, die die Schwächsten ausgrenzt und die Zahl der Armen auf der Erde
vermehrt.
Im Zusammenhang mit der
Ausbreitung des Individualismus ist eine zunehmende Schwächung der
Solidarität zwischen den Menschen festzustellen: Während die
Hilfseinrichtungen lobenswerte Arbeit leisten, beobachtet man ein Abnehmen des
Solidaritätsgefühls, so daß sich viele Menschen, auch wenn es ihnen nicht am
materiell Notwendigen fehlt, immer einsamer und sich selbst überlassen fühlen,
ohne das Netz einer gefühlsmäßigen Unterstützung.
9. Der Verlust
der Hoffnung hat seinen Grund in dem Versuch, eine Anthropologie ohne Gott
und ohne Christus durchzusetzen. Diese Denkart hat dazu geführt, den
Menschen »als absoluten Mittelpunkt allen Seins zu betrachten, indem man ihn
fälschlicherweise den Platz Gottes einnehmen ließ und dabei vergaß, daß nicht
der Mensch Gott erschafft, sondern Gott den Menschen erschafft.
Das Vergessen Gottes hat zum
Niedergang des Menschen geführt. [...] Es wundert daher nicht, daß in diesem
Kontext ein großer Freiraum für die Entwicklung des Nihilismus im
philosophischen Bereich, des Relativismus im erkenntnistheoretischen und
moralischen Bereich, des Pragmatismus und sogar des zynischen Hedonismus in der
Gestaltung des Alltagslebens entstanden ist« .16 Die
europäische Kultur erweckt den Eindruck einer »schweigenden Apostasie » seitens
des satten Menschen, der lebt, als ob es Gott nicht gäbe.
Vor diesem Horizont nehmen die
auch in letzter Zeit wieder auftauchenden Versuche Gestalt an, die europäische
Kultur losgekoppelt vom Beitrag des Christentums zu präsentieren, das ihre
historische Entwicklung und ihre universale Verbreitung geprägt hat. Wir sehen uns
dem Erscheinen einer neuen, großenteils von den Massenmedien
beeinflußten Kultur gegenüber, deren Merkmale und Inhalte oft im
Gegensatz zum Evangelium und zur Würde der menschlichen Person stehen. Zu
dieser Kultur gehört auch ein immer weiter verbreiteter religiöser
Agnostizismus, verbunden mit einem tieferen moralischen und rechtlichen
Relativismus, der seine Wurzeln im Verlust der Wahrheit vom Menschen als
Fundament der unveräußerlichen Rechte eines jeden hat. Die Zeichen eines
Schwindens der Hoffnung äußern sich mitunter durch erschreckende Formen dessen,
was man als eine »Kultur des Todes« bezeichnen kann.17
Die ununterdrückbare
Sehnsucht nach Hoffnung
10. Aber – so
haben die Synodenväter unterstrichen – »der Mensch kann nicht ohne Hoffnung
leben: sein Leben wäre der Bedeutungslosigkeit verschrieben und würde
unerträglich« .18 Im Bedürfnis nach Hoffnung meinen viele,
in kurzlebigen und brüchigen Realitäten Frieden finden zu können. Und so wird
die auf einen der Transzendenz verschlossenen innerweltlichen Raum eingeengte
Hoffnung zum Beispiel mit dem von Wissenschaft und Technik versprochenen
Paradies identifiziert oder mit verschiedenen Formen des Messianismus, mit dem
vom Konsumismus vermittelten Glück hedonistischer Natur oder mit jenem
imaginären, von Drogen künstlich ausgelösten Glücksgefühl, mit manchen Formen
des Chiliasmus, mit der Faszination orientalischer Philosophien, mit der Suche
nach Formen esoterischer Spiritualität und mit den verschiedenen Strömungen von
New Age.19
Das alles erweist sich freilich
als zutiefst illusorisch und ungeeignet, jenen Durst nach Glückseligkeit zu
stillen, den das Herz des Menschen in seinem Inneren weiterhin verspürt. Und so
bleiben und verschärfen sich die besorgniserregenden Zeichen des Schwindens der
Hoffnung, die sich manchmal auch in Formen von Aggressivität und Gewalt
äußern.20
Zeichen der Hoffnung
11. Kein Mensch
kann ohne Zukunftsperspektiven leben. Schon gar nicht die Kirche, die von der
Erwartung des Reiches lebt, das kommt und das bereits in dieser Welt
gegenwärtig ist. Es wäre ungerecht, die Zeichen für den Einfluß des
Evangeliums Christi auf das Leben der Gesellschaft nicht wahrzunehmen. Die
Synodenväter haben sie aufgespürt und hervorgehoben.
Unter diesen Zeichen müssen
genannt werden: die Wiedererlangung der Freiheit der Kirche im Osten Europas
mit den neuen Möglichkeiten für das pastorale Wirken, die sich ihr erschlossen
haben; der Umstand, daß sich die Kirche auf ihre geistliche Sendung
konzentriert und sich bemüht, den Vorrang der Evangelisierung auch in den
Beziehungen zur realen sozialen und politischen Welt zu leben; die gewachsene
Bewußtwerdung der besonderen Sendung aller Getauften in der Vielfältigkeit und
Komplementarität der Gaben und Aufgaben; die erhöhte Präsenz der Frau in den
Strukturen und Aufgabenbereichen der christlichen Gemeinschaft.
Eine Völkergemeinschaft
12. Blicken wir
auf Europa als bürgerliches Gemeinwesen, so fehlt es nicht an Zeichen, die
Anlaß geben zur Hoffnung: In ihnen können wir, wenngleich in den
Widersprüchlichkeiten der Geschichte, mit dem Blick des Glaubens die Gegenwart
des Geistes Gottes erfassen, der das Gesicht der Erde erneuert. Die
Synodenväter haben zum Abschluß ihrer Arbeiten diese Zeichen so beschrieben:
»Mit Freude stellen wir die zunehmende Öffnung der Völker aufeinander
hin fest, die Versöhnung zwischen Nationen, die lange Zeit verfeindet
waren, die fortschreitende Ausdehnung des Einigungsprozesses auf die
Länder Osteuropas. Es wachsen Anerkennung, Zusammenarbeit und Austausch
aller Art, so daß nach und nach eine europäische Kultur, ja ein europäisches
Bewußtsein entsteht, das hoffentlich, besonders bei den Jugendlichen, das
Gefühl der Brüderlichkeit und den Willen zum Teilen wachsen läßt. Als positiv
vermerken wir, daß dieser ganze Prozeß sich nach demokratischen
Spielregeln auf friedliche Weise und in einem Geist der Freiheit
vollzieht, der die berechtigte Vielfalt achtet und zur Geltung bringt und so
den Prozeß der Einigung Europas vorantreibt und unterstützt. Wir
begrüßen mit Genugtuung alles, was getan wurde, um die Bedingungen und
Modalitäten zur Achtung der Menschenrechte präzise darzulegen. Im
Zusammenhang mit der legitimen wirtschaftlichen und politischen Einheit Europas
erkennen wir schließlich einerseits die Zeichen der Hoffnung, die aus der
Bedeutung erwachsen, die dem Recht und der Lebensqualität zuerkannt
wird; auf der anderen Seite aber wünschen wir uns lebhaft, daß in einer
schöpferischen Treue zur humanistischen und christlichen Tradition unseres
Kontinents der Vorrang der ethischen und geistlichen Werte garantiert
werde« .21
Märtyrer und Glaubenszeugen
13. Aber ich
möchte die Aufmerksamkeit besonders auf einige Zeichen lenken, die im
eigentlich kirchlichen Leben sichtbar geworden sind. Vor allem will ich mit den
Synodenvätern jenes großartige Hoffnungszeichen, das von so vielen Zeugen
des christlichen Glaubens im letzten Jahrhundert in Ost und West gesetzt
worden ist, allen wieder vor Augen stellen, auf daß es niemals in Vergessenheit
gerate. Sie haben es in Situationen der Feindseligkeit und Verfolgung vermocht,
sich das Evangelium zu eigen zu machen, oft bis zum Blutvergießen als äußerster
Bewährung.
Diese Zeugen, besonders jene
unter ihnen, die das Martyrium auf sich genommen haben, sind ein beredtes,
großartiges Zeugnis, das verlangt, von uns betrachtet und nachgeahmt zu werden.
Sie beweisen uns die Lebenskraft der Kirche; sie erscheinen wie ein Licht für
die Kirche und für die Menschheit, weil sie in der Finsternis das Licht Christi
zum Leuchten gebracht haben; als Angehörige verschiedener christlicher
Konfessionen sind sie auch ein leuchtendes Hoffnungszeichen für den
ökumenischen Weg, da wir gewiß sein dürfen, daß ihr Blut »auch Lebenssaft der
Einheit für die Kirche ist« .22
Noch radikaler sagen sie uns, daß
das Martyrium die höchste Inkarnation des Evangeliums der Hoffnung ist:
»Die Märtyrer verkünden nämlich dieses Evangelium und legen dafür Zeugnis ab
durch die Hingabe ihres Lebens bis zum Blutvergießen, denn sie sind sicher, daß
sie ohne Christus nicht leben können, und bereit, für ihn zu sterben in der
Überzeugung, daß Jesus der Herr und der Erlöser des Menschen ist und daß
folglich der Mensch nur in ihm die wahre Fülle des Lebens findet. Auf diese
Weise sind sie bereit, der Mahnung des Apostels Petrus entsprechend, jedem Rede
und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die sie erfüllt (vgl. 1
Petr 3, 15). Darüber hinaus ,,zelebrieren'' die Märtyrer das ,,Evangelium
der Hoffnung'', denn die Hingabe ihres Lebens ist die radikalste und erhabenste
Manifestation jenes lebendigen und heiligen Opfers, das Gott gefällt und das
der wahre Gottesdienst ist (vgl. Röm 12, 1) – Ursprung, Seele und
Höhepunkt jeder christlichen Gottesdienstfeier. Und schließlich dienen sie dem
,,Evangelium der Hoffnung'', weil sie durch ihr Martyrium in höchstem Grad die
Liebe und den Dienst am Menschen ausdrücken, insofern sie zeigen, daß der
Gehorsam gegenüber dem Gesetz des Evangeliums ein moralisches Leben und ein
soziales Zusammenleben bewirkt, das die Würde und die Freiheit jeder Person
hochschätzt und fördert« .23
Die Heiligkeit vieler
14. Frucht der
vom Evangelium bewirkten Umkehr ist die Heiligkeit vieler Männer und
Frauen unserer Zeit. Das gilt nicht nur für diejenigen, die von der Kirche
offiziell zu Heiligen erklärt worden sind, sondern auch für jene, die mit
Bescheidenheit im Alltag ihres Daseins von ihrer Treue zu Christus Zeugnis
gegeben haben. Wie sollte man nicht an die unzähligen Söhne und Töchter der
Kirche denken, die im Laufe der Geschichte des europäischen Kontinents in der
Verborgenheit des Familien- und Berufslebens eine hochherzige und glaubwürdige
Heiligkeit gelebt haben? »Sie alle haben, als ,,lebendige Steine'' mit
Christus, dem ,,Eckstein'', verbunden, Europa als geistiges und moralisches
Bauwerk errichtet und den Nachkommen das kostbarste Erbe hinterlassen. Jesus,
der Herr, hatte es versprochen: ,,Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich
vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich
gehe zum Vater'' (Joh 14, 12). Die Heiligen sind der lebendige Beweis
dafür, daß dieses Versprechen in Erfüllung geht, und sie machen Mut zu glauben,
daß das auch in den schwierigsten Stunden der Geschichte möglich ist« .24
Die Pfarrei und die
kirchlichen Bewegungen
15. Das
Evangelium bringt weiter seine Früchte in den Pfarrgemeinden, unter den Personen
des geweihten Lebens, in den Laienverbänden, in den Gebets- und
Apostolatsgruppen, in verschiedenen Jugendgemeinschaften sowie auch durch das
Auftreten und die Verbreitung neuer Bewegungen und kirchlicher Körperschaften.
In jedem von ihnen vermag nämlich der Heilige Geist eine neue Hingabe an das
Evangelium, großzügige Dienstbereitschaft und ein christliches Leben
hervorzurufen, das von evangelischer Radikalität und von missionarischem
Schwung gekennzeichnet ist.
In Europa, und zwar in den
postkommunistischen Ländern ebenso wie im Westen, kommt der Pfarrei,
obschon sie ständiger Erneuerung bedarf,25 weiterhin eine
eigene unverzichtbare Aufgabe zu, die sie immer noch wahrnimmt und die im
pastoralen und kirchlichen Bereich von grosser Aktualität ist. Sie ist nach wie
vor in der Lage, den Gläubigen den Raum für eine wirklich christliche
Lebensführung zu bieten, und – sowohl in der für die modernen Großstädte
spezifischen Atmosphäre der Zersplitterung und Anonymität als auch in den
dünnbesiedelten ländlichen Gebieten – ein Ort echter Humanisierung und
Sozialisation zu sein.26
16. Während ich
meine große Wertschätzung für die Präsenz und das Wirken der verschiedenen
apostolischen Vereinigungen und Organisationen und im besonderen der
Katholischen Aktion zum Ausdruck bringe, möchte ich gemeinsam mit den
Synodenvätern gleichzeitig den besonderen Beitrag hervorheben, den – zusammen
mit den anderen kirchlichen Vereinigungen und niemals abgesondert von ihnen – die
neuen kirchlichen Bewegungen und Gemeinschaften leisten können. Letztere
helfen nämlich »den Christen, radikaler nach dem Evangelium zu leben; sie sind
eine Wiege verschiedener Berufungen und bringen neue Formen gottgeweihten
Lebens hervor. Sie fördern vor allem die Berufung der Laien und führen dazu,
daß sie in den verschiedenen Lebensbereichen zum Ausdruck kommt. Sie
begünstigen die Heiligkeit des Volkes; sie können Botschaft und Aufforderung
für diejenigen sein, die sonst der Kirche nicht begegnen. Häufig unterstützen
sie den ökumenischen Weg und eröffnen Möglichkeiten für den interreligiösen
Dialog; sie sind ein Gegenmittel gegen die Ausbreitung der Sekten; sie sind
sehr behilflich dabei, in der Kirche Lebendigkeit und Freude zu verbreiten«
.27
Der ökumenische Weg
17. Wir danken
dem Herrn für das große und tröstliche Zeichen der Hoffnung, das in den Fortschritten
zutage tritt, die auf dem ökumenischen Weg im Hinblick auf die Wahrheit,
die Liebe und die Versöhnung erreicht werden konnten. Es handelt sich um
eine der großen Gaben des Heiligen Geistes für einen Kontinent wie den
europäischen, von dem die schweren Spaltungen zwischen den Christen im zweiten
Jahrtausend ausgegangen sind und der noch immer sehr unter deren Folgen leidet.
Tief bewegt erinnere ich mich an
einige Momente großer Eindringlichkeit während der Arbeiten der Synode und an
die auch von den als Delegierte anwesenden Brüdern aus anderen Konfessionen zum
Ausdruck gebrachte, einmütige Überzeugung, daß dieser Weg – trotz der noch
andauernden und der neu entstehenden Probleme – nicht unterbrochen werden
dürfe, sondern mit erneuertem Eifer, mit äußerster Entschlossenheit und mit der
demütigen Bereitschaft aller zur gegenseitigen Vergebung weitergehen müsse.
Gerne mache ich mir die Worte der Synodenväter zu eigen, da »der Fortschritt im
ökumenischen Dialog, der sein tiefstes Fundament im Wort Gottes selbst hat, ein
Zeichen großer Hoffnung für die heutige Kirche darstellt: Die wachsende Einheit
zwischen den Christen stellt in der Tat eine gegenseitige Bereicherung für alle
dar« .28 Es gilt, »mit Freude auf die Fortschritte zu
blicken, die im Dialog sowohl mit den Brüdern der orthodoxen Kirchen als auch
mit den Mitgliedern der aus der Reformation hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften
bis jetzt erreicht worden sind, und in ihnen ein Zeichen für das Wirken des
Geistes zu erkennen, für das wir den Herrn loben und ihm danken wollen«
.29
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