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Johannes Paul II.
Ecclesia in Europa

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  • I. KAPITEL JESUS CHRISTUS IST UNSERE HOFFNUNG »Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige« (Offb 1, 17-18)
    • I. Herausforderungen und Zeichen der Hoffnung für die Kirche in Europa
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I. Herausforderungen und Zeichen
der Hoffnung für die Kirche in Europa

Die Trübung der Hoffnung

7. Dieses Wort richtet sich heute auch an die Kirchen in Europa, die oft durch eine Trübung der Hoffnung auf die Probe gestellt sind. Die Zeit, in der wir leben, vermittelt mit den ihr eigenen Herausforderungen in der Tat den Anschein des Verlorenseins. Viele Männer und Frauen scheinen desorientiert, unsicher und ohne Hoffnung zu sein, und nicht wenige Christen teilen diesen Gemütszustand. Zahlreiche besorgniserregende Zeichen zeigen sich zu Beginn des dritten Jahrtausends bedrohlich am Horizont des europäischen Kontinents, der »zwar sehr reich ist an außerordentlichen Glaubenszeugnissen und sich im Rahmen eines zweifellos freieren und einmütigeren Zusammenlebens befindet, trotzdem aber die ganze Zerrüttung spürt, die die ältere und jüngere Geschichte im tiefsten Inneren seiner Völker verursacht hat, was oft zu Enttäuschungen führt« .14

Unter den vielen, auch anläßlich der Synode ausführlich erwähnten Aspekten 15 möchte ich den Verlust des christlichen Gedächtnisses und Erbes anführen, der begleitet ist von einer Art praktischem Agnostizismus und religiöser Gleichgültigkeit, weshalb viele Europäer den Eindruck erwecken, als lebten sie ohne geistigen Hintergrund und wie Erben, welche die ihnen von der Geschichte übergebene Erbschaft verschleudert haben. Daher ist es nicht allzu verwunderlich, wenn versucht wird, Europa ein Gesicht zu geben, indem man unter Ausschluß seines religiösen Erbes und besonders seiner tief christlichen Seele das Fundament legt für die Rechte der Völker, die Europa bilden, ohne sie auf den Stamm aufzupfropfen, der vom Lebenssaft des Christentums durchströmt wird.

Auf dem europäischen Kontinent fehlt es gewiß nicht an namhaften Symbolen für die Präsenz des Christentums, doch mit der langsam voranschreitenden Überhandnahme des Säkularismus laufen sie Gefahr, zu einem bloßen Relikt der Vergangenheit zu werden. Vielen gelingt es nicht mehr, die Botschaft des Evangeliums in die Alltagserfahrung einzubeziehen. In einem gesellschaftlichen und kulturellen Umfeld, wo dem christlichen Lebensentwurf ständig Trotz und Bedrohung begegnen, wird es immer schwieriger, seinen Glauben an Jesus zu leben. In vielen öffentlichen Bereichen ist es einfacher, sich als Agnostiker denn als Gläubigen zu bezeichnen; man hat den Eindruck, daß sich Nichtglauben von selbst versteht, während Glauben einer gesellschaftlichen Legitimation bedarf, die weder selbstverständlich ist, noch vorausgesetzt wird.

8. Mit diesem Verlust des christlichen Gedächtnisses geht eine Art Zukunftsangst einher. Das gemeinhin verbreitete Bild von der Zukunft stellt sich oft als blaß und ungewiß heraus. Man hat eher Angst vor der Zukunft, als daß man sie herbeiwünschte. Besorgniserregende Anzeichen dafür sind unter anderem die innere Leere, die viele Menschen peinigt, und der Verlust des Lebenssinnes. Zu den Zeichen und Auswirkungen dieser Existenzangst sind insbesondere der dramatische Geburtenrückgang und die Abnahme der Priester- und Ordensberufe zu zählen sowie die Schwierigkeit, wenn nicht sogar die Weigerung, endgültige Lebensentscheidungen auch bezüglich der Ehe zu treffen.

Wir erleben eine verbreitete Zersplitterung des Daseins; es überwiegt ein Gefühl der Vereinsamung; Spaltungen und Gegensätze nehmen zu. Unter anderen Symptomen dieses Zustandes erfährt das heutige Europa das ernste Phänomen einer Krise der Familie und des Schwindens einer Konzeption von Familie überhaupt, die Fortdauer oder das Wiederaufflammen ethnischer Konflikte, das Wiederaufleben gewisser rassistischer Verhaltensweisen, die interreligiösen Spannungen, die Egozentrik, die Einzelne und Gruppen in sich verschließt, die Zunahme einer allgemeinen sittlichen Gleichgültigkeit und einer krampfhaften Sorge um die eigenen Interessen und Privilegien. In den Augen vieler läuft die zunehmende Globalisierung Gefahr, statt zu einer größeren Einheit der Menschheit zu führen, einer Logik zu folgen, die die Schwächsten ausgrenzt und die Zahl der Armen auf der Erde vermehrt.

Im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Individualismus ist eine zunehmende Schwächung der Solidarität zwischen den Menschen festzustellen: Während die Hilfseinrichtungen lobenswerte Arbeit leisten, beobachtet man ein Abnehmen des Solidaritätsgefühls, so daß sich viele Menschen, auch wenn es ihnen nicht am materiell Notwendigen fehlt, immer einsamer und sich selbst überlassen fühlen, ohne das Netz einer gefühlsmäßigen Unterstützung.

9. Der Verlust der Hoffnung hat seinen Grund in dem Versuch, eine Anthropologie ohne Gott und ohne Christus durchzusetzen. Diese Denkart hat dazu geführt, den Menschen »als absoluten Mittelpunkt allen Seins zu betrachten, indem man ihn fälschlicherweise den Platz Gottes einnehmen ließ und dabei vergaß, daß nicht der Mensch Gott erschafft, sondern Gott den Menschen erschafft.

Das Vergessen Gottes hat zum Niedergang des Menschen geführt. [...] Es wundert daher nicht, daß in diesem Kontext ein großer Freiraum für die Entwicklung des Nihilismus im philosophischen Bereich, des Relativismus im erkenntnistheoretischen und moralischen Bereich, des Pragmatismus und sogar des zynischen Hedonismus in der Gestaltung des Alltagslebens entstanden ist« .16 Die europäische Kultur erweckt den Eindruck einer »schweigenden Apostasie » seitens des satten Menschen, der lebt, als ob es Gott nicht gäbe.

Vor diesem Horizont nehmen die auch in letzter Zeit wieder auftauchenden Versuche Gestalt an, die europäische Kultur losgekoppelt vom Beitrag des Christentums zu präsentieren, das ihre historische Entwicklung und ihre universale Verbreitung geprägt hat. Wir sehen uns dem Erscheinen einer neuen, großenteils von den Massenmedien beeinflußten Kultur gegenüber, deren Merkmale und Inhalte oft im Gegensatz zum Evangelium und zur Würde der menschlichen Person stehen. Zu dieser Kultur gehört auch ein immer weiter verbreiteter religiöser Agnostizismus, verbunden mit einem tieferen moralischen und rechtlichen Relativismus, der seine Wurzeln im Verlust der Wahrheit vom Menschen als Fundament der unveräußerlichen Rechte eines jeden hat. Die Zeichen eines Schwindens der Hoffnung äußern sich mitunter durch erschreckende Formen dessen, was man als eine »Kultur des Todes« bezeichnen kann.17

 

Die ununterdrückbare Sehnsucht nach Hoffnung

10. Aber – so haben die Synodenväter unterstrichen – »der Mensch kann nicht ohne Hoffnung leben: sein Leben wäre der Bedeutungslosigkeit verschrieben und würde unerträglich« .18 Im Bedürfnis nach Hoffnung meinen viele, in kurzlebigen und brüchigen Realitäten Frieden finden zu können. Und so wird die auf einen der Transzendenz verschlossenen innerweltlichen Raum eingeengte Hoffnung zum Beispiel mit dem von Wissenschaft und Technik versprochenen Paradies identifiziert oder mit verschiedenen Formen des Messianismus, mit dem vom Konsumismus vermittelten Glück hedonistischer Natur oder mit jenem imaginären, von Drogen künstlich ausgelösten Glücksgefühl, mit manchen Formen des Chiliasmus, mit der Faszination orientalischer Philosophien, mit der Suche nach Formen esoterischer Spiritualität und mit den verschiedenen Strömungen von New Age.19

Das alles erweist sich freilich als zutiefst illusorisch und ungeeignet, jenen Durst nach Glückseligkeit zu stillen, den das Herz des Menschen in seinem Inneren weiterhin verspürt. Und so bleiben und verschärfen sich die besorgniserregenden Zeichen des Schwindens der Hoffnung, die sich manchmal auch in Formen von Aggressivität und Gewalt äußern.20

 

Zeichen der Hoffnung

11. Kein Mensch kann ohne Zukunftsperspektiven leben. Schon gar nicht die Kirche, die von der Erwartung des Reiches lebt, das kommt und das bereits in dieser Welt gegenwärtig ist. Es wäre ungerecht, die Zeichen für den Einfluß des Evangeliums Christi auf das Leben der Gesellschaft nicht wahrzunehmen. Die Synodenväter haben sie aufgespürt und hervorgehoben.

Unter diesen Zeichen müssen genannt werden: die Wiedererlangung der Freiheit der Kirche im Osten Europas mit den neuen Möglichkeiten für das pastorale Wirken, die sich ihr erschlossen haben; der Umstand, daß sich die Kirche auf ihre geistliche Sendung konzentriert und sich bemüht, den Vorrang der Evangelisierung auch in den Beziehungen zur realen sozialen und politischen Welt zu leben; die gewachsene Bewußtwerdung der besonderen Sendung aller Getauften in der Vielfältigkeit und Komplementarität der Gaben und Aufgaben; die erhöhte Präsenz der Frau in den Strukturen und Aufgabenbereichen der christlichen Gemeinschaft.

 

Eine Völkergemeinschaft

12. Blicken wir auf Europa als bürgerliches Gemeinwesen, so fehlt es nicht an Zeichen, die Anlaß geben zur Hoffnung: In ihnen können wir, wenngleich in den Widersprüchlichkeiten der Geschichte, mit dem Blick des Glaubens die Gegenwart des Geistes Gottes erfassen, der das Gesicht der Erde erneuert. Die Synodenväter haben zum Abschluß ihrer Arbeiten diese Zeichen so beschrieben: »Mit Freude stellen wir die zunehmende Öffnung der Völker aufeinander hin fest, die Versöhnung zwischen Nationen, die lange Zeit verfeindet waren, die fortschreitende Ausdehnung des Einigungsprozesses auf die Länder Osteuropas. Es wachsen Anerkennung, Zusammenarbeit und Austausch aller Art, so daß nach und nach eine europäische Kultur, ja ein europäisches Bewußtsein entsteht, das hoffentlich, besonders bei den Jugendlichen, das Gefühl der Brüderlichkeit und den Willen zum Teilen wachsen läßt. Als positiv vermerken wir, daß dieser ganze Prozeß sich nach demokratischen Spielregeln auf friedliche Weise und in einem Geist der Freiheit vollzieht, der die berechtigte Vielfalt achtet und zur Geltung bringt und so den Prozeß der Einigung Europas vorantreibt und unterstützt. Wir begrüßen mit Genugtuung alles, was getan wurde, um die Bedingungen und Modalitäten zur Achtung der Menschenrechte präzise darzulegen. Im Zusammenhang mit der legitimen wirtschaftlichen und politischen Einheit Europas erkennen wir schließlich einerseits die Zeichen der Hoffnung, die aus der Bedeutung erwachsen, die dem Recht und der Lebensqualität zuerkannt wird; auf der anderen Seite aber wünschen wir uns lebhaft, daß in einer schöpferischen Treue zur humanistischen und christlichen Tradition unseres Kontinents der Vorrang der ethischen und geistlichen Werte garantiert werde« .21

 

Märtyrer und Glaubenszeugen

13. Aber ich möchte die Aufmerksamkeit besonders auf einige Zeichen lenken, die im eigentlich kirchlichen Leben sichtbar geworden sind. Vor allem will ich mit den Synodenvätern jenes großartige Hoffnungszeichen, das von so vielen Zeugen des christlichen Glaubens im letzten Jahrhundert in Ost und West gesetzt worden ist, allen wieder vor Augen stellen, auf daß es niemals in Vergessenheit gerate. Sie haben es in Situationen der Feindseligkeit und Verfolgung vermocht, sich das Evangelium zu eigen zu machen, oft bis zum Blutvergießen als äußerster Bewährung.

Diese Zeugen, besonders jene unter ihnen, die das Martyrium auf sich genommen haben, sind ein beredtes, großartiges Zeugnis, das verlangt, von uns betrachtet und nachgeahmt zu werden. Sie beweisen uns die Lebenskraft der Kirche; sie erscheinen wie ein Licht für die Kirche und für die Menschheit, weil sie in der Finsternis das Licht Christi zum Leuchten gebracht haben; als Angehörige verschiedener christlicher Konfessionen sind sie auch ein leuchtendes Hoffnungszeichen für den ökumenischen Weg, da wir gewiß sein dürfen, daß ihr Blut »auch Lebenssaft der Einheit für die Kirche ist« .22

Noch radikaler sagen sie uns, daß das Martyrium die höchste Inkarnation des Evangeliums der Hoffnung ist: »Die Märtyrer verkünden nämlich dieses Evangelium und legen dafür Zeugnis ab durch die Hingabe ihres Lebens bis zum Blutvergießen, denn sie sind sicher, daß sie ohne Christus nicht leben können, und bereit, für ihn zu sterben in der Überzeugung, daß Jesus der Herr und der Erlöser des Menschen ist und daß folglich der Mensch nur in ihm die wahre Fülle des Lebens findet. Auf diese Weise sind sie bereit, der Mahnung des Apostels Petrus entsprechend, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die sie erfüllt (vgl. 1 Petr 3, 15). Darüber hinaus ,,zelebrieren'' die Märtyrer das ,,Evangelium der Hoffnung'', denn die Hingabe ihres Lebens ist die radikalste und erhabenste Manifestation jenes lebendigen und heiligen Opfers, das Gott gefällt und das der wahre Gottesdienst ist (vgl. Röm 12, 1) – Ursprung, Seele und Höhepunkt jeder christlichen Gottesdienstfeier. Und schließlich dienen sie dem ,,Evangelium der Hoffnung'', weil sie durch ihr Martyrium in höchstem Grad die Liebe und den Dienst am Menschen ausdrücken, insofern sie zeigen, daß der Gehorsam gegenüber dem Gesetz des Evangeliums ein moralisches Leben und ein soziales Zusammenleben bewirkt, das die Würde und die Freiheit jeder Person hochschätzt und fördert« .23

 

Die Heiligkeit vieler

14. Frucht der vom Evangelium bewirkten Umkehr ist die Heiligkeit vieler Männer und Frauen unserer Zeit. Das gilt nicht nur für diejenigen, die von der Kirche offiziell zu Heiligen erklärt worden sind, sondern auch für jene, die mit Bescheidenheit im Alltag ihres Daseins von ihrer Treue zu Christus Zeugnis gegeben haben. Wie sollte man nicht an die unzähligen Söhne und Töchter der Kirche denken, die im Laufe der Geschichte des europäischen Kontinents in der Verborgenheit des Familien- und Berufslebens eine hochherzige und glaubwürdige Heiligkeit gelebt haben? »Sie alle haben, als ,,lebendige Steine'' mit Christus, dem ,,Eckstein'', verbunden, Europa als geistiges und moralisches Bauwerk errichtet und den Nachkommen das kostbarste Erbe hinterlassen. Jesus, der Herr, hatte es versprochen: ,,Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater'' (Joh 14, 12). Die Heiligen sind der lebendige Beweis dafür, daß dieses Versprechen in Erfüllung geht, und sie machen Mut zu glauben, daß das auch in den schwierigsten Stunden der Geschichte möglich ist« .24

 

Die Pfarrei und die kirchlichen Bewegungen

15. Das Evangelium bringt weiter seine Früchte in den Pfarrgemeinden, unter den Personen des geweihten Lebens, in den Laienverbänden, in den Gebets- und Apostolatsgruppen, in verschiedenen Jugendgemeinschaften sowie auch durch das Auftreten und die Verbreitung neuer Bewegungen und kirchlicher Körperschaften. In jedem von ihnen vermag nämlich der Heilige Geist eine neue Hingabe an das Evangelium, großzügige Dienstbereitschaft und ein christliches Leben hervorzurufen, das von evangelischer Radikalität und von missionarischem Schwung gekennzeichnet ist.

In Europa, und zwar in den postkommunistischen Ländern ebenso wie im Westen, kommt der Pfarrei, obschon sie ständiger Erneuerung bedarf,25 weiterhin eine eigene unverzichtbare Aufgabe zu, die sie immer noch wahrnimmt und die im pastoralen und kirchlichen Bereich von grosser Aktualität ist. Sie ist nach wie vor in der Lage, den Gläubigen den Raum für eine wirklich christliche Lebensführung zu bieten, und – sowohl in der für die modernen Großstädte spezifischen Atmosphäre der Zersplitterung und Anonymität als auch in den dünnbesiedelten ländlichen Gebieten – ein Ort echter Humanisierung und Sozialisation zu sein.26

16. Während ich meine große Wertschätzung für die Präsenz und das Wirken der verschiedenen apostolischen Vereinigungen und Organisationen und im besonderen der Katholischen Aktion zum Ausdruck bringe, möchte ich gemeinsam mit den Synodenvätern gleichzeitig den besonderen Beitrag hervorheben, den – zusammen mit den anderen kirchlichen Vereinigungen und niemals abgesondert von ihnen – die neuen kirchlichen Bewegungen und Gemeinschaften leisten können. Letztere helfen nämlich »den Christen, radikaler nach dem Evangelium zu leben; sie sind eine Wiege verschiedener Berufungen und bringen neue Formen gottgeweihten Lebens hervor. Sie fördern vor allem die Berufung der Laien und führen dazu, daß sie in den verschiedenen Lebensbereichen zum Ausdruck kommt. Sie begünstigen die Heiligkeit des Volkes; sie können Botschaft und Aufforderung für diejenigen sein, die sonst der Kirche nicht begegnen. Häufig unterstützen sie den ökumenischen Weg und eröffnen Möglichkeiten für den interreligiösen Dialog; sie sind ein Gegenmittel gegen die Ausbreitung der Sekten; sie sind sehr behilflich dabei, in der Kirche Lebendigkeit und Freude zu verbreiten« .27

 

Der ökumenische Weg

17. Wir danken dem Herrn für das große und tröstliche Zeichen der Hoffnung, das in den Fortschritten zutage tritt, die auf dem ökumenischen Weg im Hinblick auf die Wahrheit, die Liebe und die Versöhnung erreicht werden konnten. Es handelt sich um eine der großen Gaben des Heiligen Geistes für einen Kontinent wie den europäischen, von dem die schweren Spaltungen zwischen den Christen im zweiten Jahrtausend ausgegangen sind und der noch immer sehr unter deren Folgen leidet.

Tief bewegt erinnere ich mich an einige Momente großer Eindringlichkeit während der Arbeiten der Synode und an die auch von den als Delegierte anwesenden Brüdern aus anderen Konfessionen zum Ausdruck gebrachte, einmütige Überzeugung, daß dieser Wegtrotz der noch andauernden und der neu entstehenden Probleme – nicht unterbrochen werden dürfe, sondern mit erneuertem Eifer, mit äußerster Entschlossenheit und mit der demütigen Bereitschaft aller zur gegenseitigen Vergebung weitergehen müsse. Gerne mache ich mir die Worte der Synodenväter zu eigen, da »der Fortschritt im ökumenischen Dialog, der sein tiefstes Fundament im Wort Gottes selbst hat, ein Zeichen großer Hoffnung für die heutige Kirche darstellt: Die wachsende Einheit zwischen den Christen stellt in der Tat eine gegenseitige Bereicherung für alle dar« .28 Es gilt, »mit Freude auf die Fortschritte zu blicken, die im Dialog sowohl mit den Brüdern der orthodoxen Kirchen als auch mit den Mitgliedern der aus der Reformation hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften bis jetzt erreicht worden sind, und in ihnen ein Zeichen für das Wirken des Geistes zu erkennen, für das wir den Herrn loben und ihm danken wollen« .29

 




14 Zweite Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa, Instrumentum laboris, Nr. 2: L'Osservatore Romano, 6. August 1999 - Suppl., S. 2-3.



15 Vgl. ebd., Nr. 12-13.16-19; a.a.O., S. 4-6; Idem, Relatio ante disceptationem, I: L'Osservatore Romano, 3. Oktober 1999, S. 6-7; Idem, Relatio post disceptationem, II, A: L'Osservatore Romano, 11./12. Oktober 1999, S. 10.



16 Zweite Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa, Relatio ante disceptationem, I, 1.2: L'Osservatore Romano, 3. Oktober 1999, S. 6.



17 Vgl. Propositio 5a.



18 Zweite Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa, Schlußbotschaft, Nr. 1: L'Osservatore Romano, 23. Oktober 1999, S. 5.



19 Vgl. Propositio 5a; Pontificial Council for Culture and Pontificial Council for Interreligious Dialogue, Jesus Christthe bearer of the water of life. A Christian reflection on the ''New Age''. Vatican City 2003.



20 Vgl. Propositio 5a.



21 Zweite Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa, Schlußbotschaft, Nr. 6: L'Osservatore Romano, 23. Oktober 1999, S. 5.



22 Johannes Paul II., Ansprache beim Angelus (25. August 1996), 2: Insegnamenti XX/2 (1997), 237; vgl. Propositio 9.



23 Zweite Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa, Instrumentum laboris, Nr. 88: L'Osservatore Romano, 6. August 1999 - Suppl., S. 17.



24 Johannes Paul II., Predigt bei der Eucharistiefeier zum Abschluß der Zweiten Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa (23. Oktober 1999), 4: AAS 92 (2000), 179.



25 Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Christifideles laici (30. Dezember 1988), 26: AAS 81 (1989), 439.



26 Vgl. Propositio 21.



27 Ebd.



28 Propositio 9.



29 Ebd.






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