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DRITTER
AKT
(Ödes, rings geschlossenes Felsenthal. Es is Nacht. Heiling steigt mühsam
und verstört über die Felsen.)
Heiling (sprechend):
Ich bin am Ziel. Hier ruht ihr müden Gleider,
Zu Ende ist nun eire Erdenfahrt. O rasende
Verblendung, die mich trieb das Glüuck der Erde
Neidenswerrt zu finden.
Der Mensch allein kann Erdenglück genießen,
Weil dem beschränkten Stumpfsinn es genügt.
Des höhern Geistes mächtiges Verlangen
Kann nur getäuscht an seinem Schimmer hangen.
Und was ist diese mächt'ge Weibesliebe,
Der Lebenspuls von allem Menschentreiben?
Haha! Haha! O Unsinn darauf zu bauen!
Ein einz'ger Blick, ein
buhlerisches Wort,
Ein einz'ger Tanz, un Lieb' und Treu'
Sind fort un die wir Alles hingeopfert.
Still! Der Erde Täuschung
liegt weit
Hinter mir, Ich habe mich gerächt-
Ihr Buhl' ist tot!
Mag sie verderben nun in Gram und Not.
(Er singt):
O Mutter, hätt'ich dir
gegkaubt,
Uns beiden espart'ich dann das herbe Leiden.
Doch kehr' ich wieder Mutter, und auf immer!
Weil von mir stoss'ich die unwüd'ge Schwächte,
Weit von mir jedes menschliche Gefühl!
Zum Geisterkönig wurde ich geboren
Und meiner Abkunft Stoltz ist nicht verloren!
Herauf ihr Geister aus Höhl' und Kluft,
Herauf, der Meister, der König ruft!
(Die Erdgeister steigen
aus dem Boden.)
Chor der Geister:
Wer rief uns? Wer beschwört der Tiefe Geister,
Wer ist so kühn und nennt sich ihren Meister?
Heiling:
Ich bin's! Erkennet mich, meine Brüder!
Der Erde müde, kehr' ich wieder,
Ich hab'auf ewig ihr entsagt.
Chor der Geister (höhnisch):
Hast du nun an uns gedacht,
Da dein Mädchen dich verlacht?
Heiling:
Das Lachen hat sich schnell gewandt;
Ihr Buhle fiel von meiner Hand!
Chor der Geister:
Ha, ha, ha! Seht doch an!
Wie Meister Heiling prahlen kann!
Der Jäger ist frisch,
Gesund wie ein Fisch!
Heiling:
Er lebt, sagt Ihr?
Chor der Geister:
Du trafst ihn schlecht,
Er lebt und sitzet
Warm in seines Liebschens Arm!
Heiling:
So wär' ich nicht gerächt, nicht?
Chor der Geister:
Dein Schätzchen ist des Jägers Braut,
Und morgen wird's ihm angetraut!
Heiling:
So rächet ihr denn eures Königs Schmach,
Zur Hochzeit gehen wir, mir nach!
Chor der Geister:
Hast dich ja von uns losgesagt,
Geh'hin, und prüfe deine Macht!
Heiling:
Sprecht ihr eurem König Hohn?
Nieder mir zu Füßen,
Euren Trotz zu büßen!
Chor der Geister:
Wo ist deine Krone,
Wo deine Herrscherstab?
Sag' wo ist dein Buch,
Dessen Zauberspruch
Uns in Fesseln schlug?
Heiling (Seiner Hilflosigkeit inne
werdend):
Mein Buch, Mein Hort,
Meine Krone fort!
Chor der Geister:
Hi hi hi hi hi hi!
Willst dich überheben
Auf der Erde leben,
Nur gemach,
Die Reu' folgt nach!
Heiling (verzweifelnd):
Ha! Das Geisterreich stößt mich zurück,
Und hin ist all'mein Erdenglück!
Alles, alles ist verloren.
O des Toren.
(Er stürzt nieder, Die
Geister umgeben ihn, die Hände über ihn streckend.)
Chor der Geister:
Jetzt ist er unser auf immerdar!
Jetzt eilig hin, zur Königin!
(Die Zwerge huschen fort und kehren mit dem Zepter zurück. Zu
Heiling):
Hör' uns an, verzweifle
nicht!
Ob auch der Menschen Treue bricht,
Die Geister halten streng am Pflicht!
Wills du wieder uns gehören,
Dich uns ganz zu eigen schwören
Soll dieser Zepter wieder dein,
Und unsre Macht dir dienstbar sein!
Heiling:
Alles, alles will ich euch versprechen,
Laßt mich meine Schmach nur rächen,
Rache, Rache, nur will ich!
Chor der Geister (Ihm den Zepter reichend):
So nimm ihn hin!
Wir rächen dich!
Heiling:
Habt Dank, habt Dank, ihr Brüder!
Jetzt, jetzt bin ich König wieder!
Es nahet die Rache.
Wehe euch beiden,
Ihr triumphieret nicht!
Wenn ihr beim Feste
im Taumel der Freuden
Dann halte ich Gericht.
Chor der Geister:
Es nahet die Rache,
Wehe euch beiden,
Ihr triumphieret nicht!
Heiling und Chor der
Geister:
Wenn ihr beim Feste
im Taumel der Freuden
Dann, ja dann halte ich/wir Gericht!
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