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Eduard Devrient
Hans Heiling

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  • ERSTER AKT
    • Szene I. Königin, Geisterchor, Heiling, Anna, Gertrude
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ERSTER AKT

 

Szene I. Königin, Geisterchor, Heiling, Anna, Gertrude

 

(Das Innere von Heilings Wohnung)

Königin (unsichtbar)
O Bleib' bei mir!

Geisterchor (unsichtbar)
O bleib' bei uns,
die Geister dienen
[mit/auf] Wort un Mienen
willig dir.

(Man sieht Heiling aus einem unterirdischen Gange heraufsteigen, das Schmuckkästchen in der Hand. Er blickt den Gang hinab, der sich schließt.)

Heiling
Auf ewig schließe dich, du dunkler Gang,
ich will dich nicht mehr gehen.
(Er tritt zu dem aufgeschlagenen Zauberbuch an den Tisch.)
Ihr mächt'gen Zeichen, durch deren Spruch
ich alle Geister [zwinge/banne], verstummt auf immerdar.
(Er schlägt das Buch zu und schließt die Klammern.)
Umfange mich mit Liebesarmen nun,
du reiche Erde und halte Wort mir,
ganz bin ich nun dien.
(Er legt den Schmuck weg, schürt die Glut des Feuers, usw.)

Gertrude (außen an der Tür pochend)
Meister Heiling!

Heiling (stutzt)
Wer ruft?

Anna
Meister Heiling, guten Morgen!

Heiling (entzückt):
Sie ist es! Sie!
( Er eilt die stark verriegelte Türe zu öffnen und führt Anna und Gertrude herein.)

Willkommen mir auf dieser Stelle,
den Himmel trägst du über meine Schwelle,
zum erstenmale unter meinem Dach,
darf ich zum Gruße diese Hände faßen.

Anna (unbefangen):
Und gestern habt den ganzen Tag
Ihr wieder Euch nicht sehen laßen.

Gertrude:
Es hat uns recht um Euch gebangt...

Heiling (zu Anna):
So hat dein Herz nach mir verlangt?

Anna:
Ei ja! Ei ja, es hat mich recht verdroßen,
daß Ihr Euch abermals verschloßen,
was, ja was habt gestern Ihr gemacht?

Heiling:
Nur an dich! ja nur an dich hab' ich gedacht;
doch nun soll uns nichts mehr scheiden,
nie will ich dich wieder meiden.

|Anna:
|Recht so, laßt die Heimlichkeit
|die ja keinen Menschen freut,
|stellt das düstre Grübein ein,
|lernet froh und lustig sein!
|
|Gertrude:
|Wie an solcher Zärtlichkeit
|sich mein Mutterherz erfreut,
|ja, in solchen Glückes Schein
|wird mein Alter sorglos sein.
|
|Heiling:
|Ja, ich tu' mit Freudkeit,
|was dein holder Mund gebeut,
|nenn' ich dich erst Teure mein,
|werd' ich fröhlich, selig sein.

(Heiling trifft Anstalten, Gertrude und Anna das Haus zu zeigen. Gertrude redet ihrer Tochter zu, einen so reichen und gelehrten Mann zu erhören, muß sie in drei Tagen Heiling heiraten. Sie tritt an den Tisch, wo Heilings Zauberbuch liegt, und versucht es zu öffnen.)

Anna (In das Zauberbuch blickend):
Ha, welche Zeichen,
so glänzend und schön,
wie sie nahen und weichen,
wie ich['s] nie gesehn.
Wirre Gestalten
treiben und walten,
schwellen wie Wellen,
wie sie sich verschlingen,
mächtig auf mich dringen.

(Die Blätter schlangen sich von selbst um.)
[Immer mehr! Immer mehr!
Sie schwindeln und drehn, die Sinne mir vergehn,
Entsetzlich! Entsetzlich! Was hab' ich gesehn?]

Heiling (Tritt heftig herbei):
Unselige! Unselige!
Was hast du getan?

(Er schlägt das Buch zu, und stößt Annas Hand vonsich. Anna sinkt in Gertrudes Arme.)

Welch' toller Wahnsinn
trieb dich an?
Hinweg! Vermeßene!

Gertrude:
Was ist dir? O mein kind!

Anna:
Wehe mir!

Heiling (sich besinnend, zu Anna):
Verzeihe mir!

Gertrude:
Ach mein Kind!

Heiling (Er will Anna liebkosend in den Arm nehmen):
Erhole dich, laß deine Angst mich stillen.

Anna (reißt sich los):
Nein, um aller Heil'gen willen,
vernichtet das Buch, schafft['s zur/mir] Ruh'!

Heiling:
Anna, was verlangest du?

Anna:
Fort das Buch, hört auf mein Flehn,
wollt Ihr mich je heiter sehn!
[Hat mein Bitten keine Kraft,
Ist Eure Liebe schon dahin?
Aus Erbarmen willigt ein,
Ich vergeh' vor Pein!]

Heiling:
Anna, was verlangest du?

Anna:
Hört auf mein Flehn,
wollt Ihr mich wieder heiter sehn!
Hat mein Bitten keine Kraft,
ist Eure Liebe schon dahin?
Aus Erbarmen willigt ein,
ich vergeh' vor Pein!

Heiling (für sich):
Meine hohe Wißenschaft,
meinen Stoltz und meine Kraft,
gäb' ich dahin!
Soll ich die Geister ganz befrein,
fürder machtlos sein?

Anna (Immer drängender):
Fort das Buch, hört auf mein Flehn,
wollt Ihr mich je heiter sehn.
Hört auf mein Flehn,
wollt Ihr mich wieder heiter sehn!
Hat mein Bitten keine Kraft,
ist Eure Liebe schon dahin?
Aus Erbarmen willigt ein,
ich vergeh' vor Pein!

(Sie schmeigt sich ängstlich an Heiling.)

Heiling:
Alles muß ich dir gewähren!
(Er faßt das Buch mit beiden Händen.)
Mag die Flamme dich verzehren!
(Er schleudert es auf den Herd, eine lohende Flamme schlägt auf und verschlingt das Buch. Es donnert dumpf. Heiling tritt zu Anna.)

Heiling:
Machtlos, arm steh'ich nun hier,
all mein Glück liegt nun in dir!

Gertrude:
Den Heil'gen Dank!

Anna:
O tausend, tausend Dank!

Heiling:
Sei mir nicht bang...
| Sei mir nicht bang!
| O mein ganzes Leben
| Muß ich dir ja geben,
| Nichts ist mir f&uumlr dich zu teuer!
|
| Anna:
| O tausend Dank!
| Ihr habt neues Leben
| Mit zurückgegeben.
| Bub atm'ich wieder freier.
|
| Gertrude:
| Den Heil'gen Dank!
| Er hat nachgegeben,
| Kann nicht widerstreben,
| Das ist ein gefäll'ger Freier.

(Anna und Gertrude danken ihm. Anna bemerkt die Goldkette, die Heiling trägt, und die er ihr nun umlegt.)

Heiling:
An jenem Tag, da du mir Treue versprochen,
als ich in Wonn' und Schmerz zu deinen Füßen rang,
da, ja da, ist in meiner Brust der Morgen angebrochen,
gestillt zum erstenmal war meiner Seele Drang.
Aus trüber, freudenloser Nacht
Bin ich zum hellen Leben da erwacht.
Du, ja du, hast üverschwenglich selig mich gemacht!

(innig, doch mit heimlicher Drohung)

O laß die Treue niemals wanken,
halt fest die Liebe in deinem Herzen,
In dir nur lebe ich!
Ich liebe dich so ohne Schranken,
Ich liebe dich mit tausend Schmerzen,
mit Höllenqualen lieb' ich dich!

Könntest du je von mir laßen,
Könnte je dein Herz erkalten,
Weh! uns beiden dann!
Schon bei dem Gedanken faßen
mich die finstern Gewalten,
treiben zu gräßlicher Rache mich an!

Ich liebe dich mit blutendem Herzen,
Ich liebe dich mit enlosen Schmerzen,
mit Argwohn und Bangen,
mit rasendem Verlangen!

(Er wirft sich Anna zu Füßeb und verbirgt sein Gesicht in ihrer Kleidung. Anna richtet ihn auf und beruhigt ihn. In drei Tagen sollen sie heiraten, aber an dem Tag wird das Fest des heliegen Florian gefeiert, und Anna möchte gern an deb Festlichkeiten im Dorf teilnehmen, Falls sie gehen, besteht Heiling darauf, daß Anna nicht tanzen darf.)

Wohlan! Wohlan!
So laßt uns gehen!

Anna:
| O herrlich, o prächtig,
| das ist schön!
| O herrlich, das ist schön,
| Daß wir nun doch zum Feste gehn.
|
| Gertrude:
| Seht, Meister Heiling, das ist schön,
| Daß Ihr sie laßt zum Feste gehn.
|
| Gertrude:
| Seht, Meister Heiling, daß ist schön,
| Daß Ihr sie laßt zum Feste gehn.

Anna (mit der Kette spielend und unherhüpfend):
Nun macht das Gechmeide
mir erst rechts Freude,
Denn heimlich und allein
Kann mich nichts erfreuen.
Die Mädchen und Frauen
wie werden die schauen.
Manche wird freundlicher grüßen,
Manche auch wird es verdrießen!
Ha ha! Welchen Spaß gibt es da!

Gertrude: Seht nur, das närrisch junge Blut
wie es so kindisch tut.

Anna:
Ach Heiling, wie bin ich Euch so gut
daß Ihr mir den Gefallen thut!

Gertrude:
Seht nur, das närrisch junge Blut
wie es so kindisch tut.

Heiling:
Auch der törichte Übermut,
wie steht er Euch so gut!

Annd und Gertrude:
So laßt uns fort!

Heiling:
Mit Widerstreben
hab'ich der Bitte nachgegeben.
Doch gilt es dir ein Liebeszeichen,
so muß mein Widerwille weichen.

Annd und Gertrude:
So laßt uns gehn.
O laßt das Wort Euch nicht gereu'n,
Gewiß, das Fest wird Euch erfreu'n.

Heiling:
Wirst du mir stets zur Seite sein,
so soll es nimmer mich gereu'n.

 




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