Szene II. Gertrude, Konrad, Anna, Heiling
(Gemach in Gertrudes Hütte. Es is dunkel, eine brennende Lampe steht auf
dem Tish. Feuer auf dem Herd. Der
Wind heult. Gertrude sitzt mit dem Rocken in der
Tiefe.)
Gertrude (sprechend):
Wo nur Ännchen bleibt, es ist finstre Nacht
Und der Wind heult kalt über die Heide.
Wüßt' ich nicht, daß sie die Wege kennt,
Mir wäre bange um sie.
(Sie geht ans Fenster)
Es ist
auch kein Sternchen am Himmel.
Heihei, das stümt ja,
Als wäre das wilde Heer los.
(Sie macht das Fenster
zu und fängt wieder an zu spinnen.)
Wäre nur Anna erst da!
Ich sagte es gleich,
Es wäre heute schon zu spät
Zur Base zu geh'n, der Weg ist zu weit,
Es hätte ja morgen sin können.
(Sie
singt.)
Des
Nachts wohl auf der Heide
Da brennt ein Flämmchen blau.
(sprechend):
Wenn sie nur ohne
Anfechtung
Durch den Wald gekommen ist.
(singend
wieder):
Ein geiziger, hartherziger
Mann,
Den Schatz zu heben kommt er an.
(sprechend):
Wie die Hunde in den Sturm
heulen.
's ist schaurig kalt.
(Sie
schüttelt sich. Singend):
Und wie er gräbt, da steigt
empor,
ein bleiches Totengeripp!
(sprechend):
Still, raschelt es nicht an der Tür?
(Sie horcht)
Nein, sie ist es noch nicht.
(Sie
singt.)
Auf der Heide,
Da brennt ein Flämmchen blau.
Du hörst nicht auf der Armen Not,
Drum würge ich dich jetzt zu Tod.
Des Nachts wohl auf der Heide,
Da brennt ein Flämmchen.
(sprechend):
Wer kommt
da?
(Konrad
trägt Anna herein.)
All'ihr Heiligen, was ist gescheh'n?
Konrad:
Erschreckt nicht, Mutter Gertrude.
Es ist ihr kein Leid gescheh'n.
(Gertrude ist mit Anna beschättigt. Konrad beschwört sie, die Hochzeit
zu verhindern.)
Konrad:
Ihr hört es!
Schon sein Nam' ist ihr ein Abscheu,
Und Ihr wollt sie zu solchem Bündis zwingen?
O sagt mir, Anna, wird in Eurem Busen
Für keinen Andern eine Stimme laut
Und könntet Ihr ein Herz voll unbegrenzter
Treu' und Zärtlichkeit verwerfen?
Anna:
Konrad, ach schonet mein,
Ich bin ein armes unglücksel'ges Mädchen!
Konrad:
Gönne mir ein Wort der Liebe,
Ein einzig Wort der Liebe,
Und ewig, ewig bin ich dein.
Dann soll dir kein
Tag mehr trübe
Keiner, keiner leidvoll sein.
Sorgsam will ich alle Freuden
Dir auf deinem Pfad vereinen,
Und in Leiden für dich käpfen,
Mit dir weiden!
Nur die Lieb' in deinen Blicken
Sei mein Leben, mein Entzücken,
Nur die Freud; in deinen Blicken
Sei mein Leben, mein Entzücken!
(zu Gertrude)
Lasset Gewährung mich hoffen!
(zu Anna):
Willst du die Meine sein?
Anna! Willst du die Meine sein?
Lasset Gewährung mich hoffen!
Willst du die Mein sein?
Dann ist der Himmel mir offen,
Wonne der Seligen mein!
Willst du die Meine sein?
|Gertrude:
|Ei, Kunz, wo denkt Ihr hin!
|Was kommt Euch in den Sinn?
|Wollt' ich auf Eure Worte hören,
|Was würde Meister Heiling sagen?
|
|Konrad:
|O wollt Eurer Kinder Glück gewähren,
|Ihr sollt es nimmermehr beklagen!
|Ihr sollt es nimmermehr bereuen!
|
|Anna (schüchtern):
|Darf ich wohl freud'ge Hoffnung nähren?
|Ich muß an allem Glück verzagen!
(Heiling
tritt unbemerkt herein und bleibt beobachtend im Hintergrund. Anna erblickt
Heiling. Entsetzt.)
Anna:
Da ist er!
Heiling:
Nimmermehr hätt'ich geglaubt,
Daß du so mich kränken könntest,
Mir so ungehorsam sein.
Doch will es dir verzeih'n,
Bald bist du mein Weib und wehe dem,
Der zwischen uns sich stellt!
Schön geschmückt sind Haus und Hof
Ihre Herrin zu empfangen.
(Heiling öffnet das
Schmuckkästchen und läßt Juwelen und goldne Ketten hervornblitzen, die Gertrude
von ferne anstaunt.)
Nimm demnach als Leibgedinge
Diesen Schmuck, den ich dir bringe.
(Heiling
reicht Anna den Schmuck hin. Anna schauder zusammen und senkt den Blick,
die Hände zusammen pressend. Konrad steht mit verschränkten
Armen finstern Blicks beobachtend.)
Gertrude:
Heil'ge Jungfrau! Welch'ein Glanz,
Er verblendet mich noch ganz.
Heiling:
Wllst du mein Geschenk verschmäh'n,
Deinen Brautschmuck gar nicht seh'n?
(Er naht sich Anna
damit.)
Anna (entsetzt):
Fort, hinweg mit dem Geschenk!
Nichts, o nichts will ich von Euch!
Gertrude:
Ei, Kind, bedenk'!
Konrad (für sich, mit unterdrücktem
Zorn):
Gelüstet es dem Frechen
Ein hartes Wort zu sprechen.
Heiling (für sich):
Welch trotziges Erfrechen,
Nur er lehrt sie so sprechen,
Sein Verderben soll es rächen!
Gertrude (zu Anna):
Mein Kind, du mußt zur Sühne sprechen,
sonst wird der Friede brechen!
Konrad (für sich):
Gelüstet es dem Frechen
Ein hartes Wort zu sprechen,
Soll dieser Arm es rächen!
Heiling (zu Anna):
Nicht bedacht hast du dein Wort,
Fremder Eifer riss dich fort;
's ist dein Leibgedinge
Was ich bringe,
Ich, der Bräutigam deiner Wahl,
Bald dein Herr und dein Gemahl!
(Er faßt ihre Hand. Anna reisst sich los und flieht.)
Anna (zu Konrad, auf Heiling deutend):
Wenn du mich liebst so schütze mich!
Er ist ein Erdgeist!
Heiling (stürzt zusammen):
Ha!
Konrad:
Was höre ich!
Anna:
Glaubt mir doch, das war es ja,
Was ich vorhin im Walde sah,
Er stammt aus dem Reich der Zwerge,
's ist ein Geisterfürst der Berge!
Konrad (zu Heiling):
Beim heil'gen Hubert beschwör' ich dich,
Hebe dich hinweg von hier,
Sonst, bei Gott, versuche ich
Den blanken Stahl an dir!
Heiling:
Alles dahin!
|Konrad (zu Anna):
|Frei bist du, frei,
|Trotz seinem tück'schen Droh'n!
|Frei, bist du, frei,
|Ich lach' des Kobolds Wut!
|
|Anna und Gertrude:
|Gott steh' uns bei!
|Stille das feindliche Droh'n!
|Der Rache flammende Wut!
|
|Heiling:
|Hei hei! Wie sie droh'n
|Welch lustiger Hohn!
(Er sticht plötzlich
nach Konrad und stürzt lachend ab.)
Hei hei! hei hei!
Anna (stürzt sich auf Konrad):
Konrad, Geliebter!
Vorhang
Ende des Zweiter Akt.
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