I. NATUR UND UNVERZICHTBARE
MERKMALE DER EHE
2.
Die Lehre der Kirche über die Ehe und die Komplementarität der Geschlechter
legt eine Wahrheit vor, die der rechten Vernunft einsichtig ist und als solche
von allen großen Kulturen der Welt anerkannt wird. Die Ehe ist nicht eine
beliebige Gemeinschaft von menschlichen Personen. Sie wurde vom Schöpfer mit
einer eigenen Natur sowie eigenen Wesenseigenschaften und Zielen
begründet.3 Keine Ideologie kann dem menschlichen Geist die Gewissheit
nehmen, dass es eine Ehe nur zwischen zwei Personen verschiedenen Geschlechts
gibt, die durch die gegenseitige personale Hingabe, die ihnen eigen und
ausschließlich ist, nach der Gemeinschaft ihrer Personen streben. Auf diese
Weise vervollkommnen sie sich gegenseitig und wirken mit Gott an der Zeugung
und an der Erziehung neuen Lebens mit.
3.
Die natürliche Wahrheit über die Ehe wurde durch die Offenbarung bekräftigt,
die in den biblischen Schöpfungsberichten enthalten ist und auch die
ursprüngliche menschliche Weisheit zum Ausdruck bringt, in der sich die Stimme
der Natur selbst Gehör verschafft. Das Buch Genesis spricht von drei
grundlegenden Aspekten des Schöpferplanes über die Ehe.
Zum einen wurde
der Mensch, das Abbild Gottes, « als Mann und Frau » geschaffen (Gen
1,27). Als Personen sind Mann und Frau einander gleich, in ihrem Mann- und
Frausein ergänzen sie einander. Die Sexualität gehört einerseits zur
biologischen Sphäre, wird aber andererseits im menschlichen Geschöpf auf eine
neue, und zwar auf die personale Ebene erhoben, wo Natur und Geist sich
miteinander verbinden.
Zum anderen
wurde die Ehe vom Schöpfer als die Lebensform gegründet, in der sich jene
Gemeinschaft unter Personen verwirklicht, die die Ausübung der
Geschlechtlichkeit einbezieht. « Darum verlässt der Mann Vater und Mutter
und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch » (Gen 2,24).
Schließlich
wollte Gott der Einheit von Mann und Frau eine besondere Teilhabe an seinem
Schöpfungswerk geben. Deshalb segnete er den Mann und die Frau mit den Worten:
« Seid fruchtbar, und vermehrt euch » (Gen 1,28). Nach dem
Plan des Schöpfers gehören also die Komplementarität der Geschlechter und die
Fruchtbarkeit zum Wesen der ehelichen Institution.
Darüber hinaus
ist die eheliche Gemeinschaft zwischen Mann und Frau von Christus zur Würde
eines Sakramentes erhoben worden. Die Kirche lehrt, dass die christliche Ehe
ein wirksames Zeichen des Bundes zwischen Christus und der Kirche ist (vgl.
Eph 5,32). Diese christliche Bedeutung der Ehe schmälert keineswegs den
tief menschlichen Wert der ehelichen Verbindung von Mann und Frau, sondern
bestätigt und bekräftigt ihn (vgl. Mt 19,3-12; Mk 10,6-9).
4.
Es gibt keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen
Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien
herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn. Die Ehe ist heilig, während
die homosexuellen Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen. Denn
bei den homosexuellen Handlungen bleibt « die Weitergabe des Lebens [...]
beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren
affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem
Fall zu billigen ».4
Homosexuelle
Beziehungen werden « in der Heiligen Schrift als schwere Verirrungen
verurteilt... (vgl. Röm 1,24-27; 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10).
Dieses Urteil der Heiligen Schrift erlaubt zwar nicht den Schluss, dass alle,
die an dieser Anomalie leiden, persönlich dafür verantwortlich sind, bezeugt
aber, dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind
».5 Dieses moralische Urteil, das man bei vielen kirchlichen
Schriftstellern der ersten Jahrhunderte6 findet, wurde von der
katholischen Tradition einmütig angenommen.
Nach der Lehre
der Kirche ist den Männern und Frauen mit homosexuellen Tendenzen « mit Achtung,
Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht
zurückzusetzen ».7 Diese Personen sind wie die anderen Christen
gerufen, ein keusches Leben zu führen.8 Aber die homosexuelle Neigung
ist « objektiv ungeordnet »,9 und homosexuelle Praktiken
gehören « zu den Sünden, die schwer gegen die Keuschheit verstoßen
».10
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