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Der christlichen Lehre und
dem höheren Zweck der genannten Erfindungen widerspricht jedoch die Einstellung
derer, welche dieselben nur in den Dienst der Politik und ihrer Propaganda oder
der Wirtschaft stellen wollen, die also diesen hochwertigen Gegenstand rein
geschäftsmäßig behandeln.
Gleicherweise kann die
Anschauung derer nicht gebilligt werden, die einer Freiheit das Wort reden, auf
einer Freiheit bestehen, daß man alles darstellen und verbreiten dürfe, obwohl
es doch offen zutage liegt, welch großes Verderbnis für Leib und Seele in den
vergangenen Jahren aus solcher Voraussetzung erwachsen ist; hier handelt es
sich nämlich nicht um die echte Freiheit, von der wir oben gesprochen haben,
vielmehr um zügellose Ungebundenheit, die schrankenlos alles an alle
weitergibt, auch wenn es gegen die guten Sitten verstößt und zu schwerer Gefahr
für die Seelen werden kann.
Die Kirche, die alles
pflegt und fördert, was Geist und Herz wahrhaft veredelt und bereichert - ist
sie doch Patronin und Pflegerin von Wissenschaft und Kunst - kann nicht
zugeben, daß jene Grundvoraussetzung angetastet werde, die den Menschen auf
Gott als höchstes Ziel hinweist und hinführt. Niemand soll sich deshalb
wundern, wenn sie auch in dieser Frage, in der viel Vorsicht geboten ist, besonnen und umsichtig vorangeht nach dem Wort des
Apostels: "Prüfet alles; was gut ist, behaltet. Von jeder Art Bösem haltet
euch fern"20.
Zweifelsohne sind deshalb
jene zu tadeln, die im Ernst behaupten, man müsse auch jene Verbreitung dieser Dinge
pflegen, ja auf ihr bestehen, die sich gegen die sittlichen Vorschriften
richte, wenn sie nur den Gesetzen der Kunst und Technik entspreche. Wir haben
aus Anlaß der Fünfhundertjahrfeier des Todes von Fra Angelico unseren Zuhörern
kurz ins Gedächtnis gerufen: "Gewiß ist es nicht
verlangt, daß die Kunst als solche eine ethische oder religiöse Sendung habe.
Wenn jedoch die Kunstform, ob Wort oder Ton oder Bild, sich trügerischen,
nichtssagenden und trüben Weisen angliche, die dem Plan des Schöpfers nicht
entsprechen; wenn sie gar, statt in Geist und Herz edle Empfindungen zu wecken,
eher niedere Begierden hervorriefe, dann könnte es sein, daß sie die Menschen
anzöge wenigstens um ihrer Neuheit willen, die nicht immer einen Wert
darstellt, oder jenes dürftigen Wahrheitsgehaltes wegen, der aus jedem Ding
aufscheint; aber eine derartige Kunst wird von ihrer Höhe herabsteigen, von
ihrem ersten und notwendigen Ausgangspunkt weit abirren, also auch nicht
allgemeingültig und überzeitlich sein können, wie es der Menschengeist ist, an
den sie sich richtet"21.
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