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Mit nicht geringerer
Beunruhigung wollen wir euch, Ehrwürdigen Brüdern, die Besorgnis darlegen, die
uns wegen eines anderen Mediums bedrückt, das aus der gleichen Zeit stammt wie
der Film, nämlich der Rundfunk.
Obwohl der Rundfunk weder
über den Reichtum der vielfältigen Darstellungsmittel noch über den Vorteil der
Umweltelemente verfügt wie der Film, besitzt er doch andere Möglichkeiten, die
bis jetzt noch nicht alle ausgeschöpft sind.
"Der Rundfunk
hat" - so führten wir vor der Belegschaft einer Rundfunkgesellschaft aus -
"den großen Vorzug, daß er ohne Fessel ist und völlig frei hinsichtlich
der Umstände von Ort und Zeit, die alle übrigen menschlichen Nachrichtenmittel
hemmen und verlangsamen. Mit Schwingen viel schneller als Schallwellen, rasch
wie die Lichtgeschwindigkeit, trägt er die ihm anvertrauten Nachrichten in
einem Augenblick über alle Grenzen hinweg"45.
Durch immer neue
Erfindungen fast unübertrefflich vervollkommnet leistet der Rundfunk auf
verschiedenen Feldern der Technik überaus nützliche Dienste; werden doch durch
seine Strahlen sogar ganze Maschinen ohne Pilot an den
vorausbestimmten Ort ferngesteuert. Wir glauben aber nicht zu Unrecht, daß die
größte Aufgabe, auf die der Rundfunk hinzurichten ist, darin liegt, die
Menschen zu erleuchten und zu erziehen, Herz und Gemüt immer mehr zum Geistigen
und Übersinnlichen zu erheben.
Nun aber entspricht es
einem innersten Streben des Menschen, auch innerhalb der eigenen Wände andere
zu hören, ferne Ereignisse mitzuverfolgen und an den Veranstaltungen des
sozialen und kulturellen Lebens teilzunehmen.
Es ist daher nicht
verwunderlich, wenn viele Heime schnell mit Funkgeräten versehen wurden, durch
die sich gleichsam ein geheimnisvolles Fenster in die weite Welt auftut und Tag
und Nacht mit dem bewegten Leben von Menschen verschiedener Kultur, verschiedener
Sprache und Rasse in Berührung bringt; das geschieht durch unzählige
Sendereihen des Rundfunks, die Neuigkeiten, Zwiesprachen, Reden, wissenswerte
und anregende Dinge, Kunst, Gesang und Musik umfassen.
"Welches Vorrecht und
welche Verantwortung ist es" - so haben wir vor einiger Zeit ausgeführt -
"für die Menschen unseres Jahrhunderts, und welcher Unterschied zwischen
jenen fernliegenden Tagen, da die Lehre der Wahrheit, das Gebot brüderlicher
Liebe und die Verheißung der ewigen Seligkeit den langsamen Schritt der Apostel
auf den rauhen Pfaden der alten Welt einhielten und heute, wo der Ruf Gottes im
selben Augenblick Millionen von Menschen erreichen kann!"46.
Es ist darum gut, daß die
Gläubigen von dieser Errungenschaft unserer Zeit Gebrauch machen und an den
Gaben, die ihnen in Bezug auf Bildung, Erholung, Kunst und das Wort Gottes über
die Rundfunkwellen zukommen, sich bereichern, um so ihr Wissen zu vermehren und
ihren Blickwinkel zu erweitern.
Allen ist geläufig, wieviel
erzieherische Kraft in sittlich guten Rundfunksendungen von Wort und Ton liegt;
doch wächst aus dem Gebrauch dieses Gerätes genau wie bei den übrigen
technischen Errungenschaften Verantwortung, da es zum Guten oder zum Schlechten
verwandt werden kann. Darum lassen sich auf den Rundfunk die Worte der heiligen
Schrift anwenden: "In ihm preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihm
verfluchen wir die Menschen, die nach Gottes Ebenbild geschaffen sind. Ausein-
und demselben Mund kommen Segen und Fluch"47.
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