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Pius XII
Miranda prorsus

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    • 2 - Der Funk
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2 - Der Funk

 

Mit nicht geringerer Beunruhigung wollen wir euch, Ehrwürdigen Brüdern, die Besorgnis darlegen, die uns wegen eines anderen Mediums bedrückt, das aus der gleichen Zeit stammt wie der Film, nämlich der Rundfunk.

Obwohl der Rundfunk weder über den Reichtum der vielfältigen Darstellungsmittel noch über den Vorteil der Umweltelemente verfügt wie der Film, besitzt er doch andere Möglichkeiten, die bis jetzt noch nicht alle ausgeschöpft sind.

"Der Rundfunk hat" - so führten wir vor der Belegschaft einer Rundfunkgesellschaft aus - "den großen Vorzug, daß er ohne Fessel ist und völlig frei hinsichtlich der Umstände von Ort und Zeit, die alle übrigen menschlichen Nachrichtenmittel hemmen und verlangsamen. Mit Schwingen viel schneller als Schallwellen, rasch wie die Lichtgeschwindigkeit, trägt er die ihm anvertrauten Nachrichten in einem Augenblick über alle Grenzen hinweg"45.

Durch immer neue Erfindungen fast unübertrefflich vervollkommnet leistet der Rundfunk auf verschiedenen Feldern der Technik überaus nützliche Dienste; werden doch durch seine Strahlen sogar ganze Maschinen ohne Pilot an den vorausbestimmten Ort ferngesteuert. Wir glauben aber nicht zu Unrecht, daß die größte Aufgabe, auf die der Rundfunk hinzurichten ist, darin liegt, die Menschen zu erleuchten und zu erziehen, Herz und Gemüt immer mehr zum Geistigen und Übersinnlichen zu erheben.

Nun aber entspricht es einem innersten Streben des Menschen, auch innerhalb der eigenen Wände andere zu hören, ferne Ereignisse mitzuverfolgen und an den Veranstaltungen des sozialen und kulturellen Lebens teilzunehmen.

Es ist daher nicht verwunderlich, wenn viele Heime schnell mit Funkgeräten versehen wurden, durch die sich gleichsam ein geheimnisvolles Fenster in die weite Welt auftut und Tag und Nacht mit dem bewegten Leben von Menschen verschiedener Kultur, verschiedener Sprache und Rasse in Berührung bringt; das geschieht durch unzählige Sendereihen des Rundfunks, die Neuigkeiten, Zwiesprachen, Reden, wissenswerte und anregende Dinge, Kunst, Gesang und Musik umfassen.

"Welches Vorrecht und welche Verantwortung ist es" - so haben wir vor einiger Zeit ausgeführt - "für die Menschen unseres Jahrhunderts, und welcher Unterschied zwischen jenen fernliegenden Tagen, da die Lehre der Wahrheit, das Gebot brüderlicher Liebe und die Verheißung der ewigen Seligkeit den langsamen Schritt der Apostel auf den rauhen Pfaden der alten Welt einhielten und heute, wo der Ruf Gottes im selben Augenblick Millionen von Menschen erreichen kann!"46.

Es ist darum gut, daß die Gläubigen von dieser Errungenschaft unserer Zeit Gebrauch machen und an den Gaben, die ihnen in Bezug auf Bildung, Erholung, Kunst und das Wort Gottes über die Rundfunkwellen zukommen, sich bereichern, um so ihr Wissen zu vermehren und ihren Blickwinkel zu erweitern.

Allen ist geläufig, wieviel erzieherische Kraft in sittlich guten Rundfunksendungen von Wort und Ton liegt; doch wächst aus dem Gebrauch dieses Gerätes genau wie bei den übrigen technischen Errungenschaften Verantwortung, da es zum Guten oder zum Schlechten verwandt werden kann. Darum lassen sich auf den Rundfunk die Worte der heiligen Schrift anwenden: "In ihm preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihm verfluchen wir die Menschen, die nach Gottes Ebenbild geschaffen sind. Ausein- und demselben Mund kommen Segen und Fluch"47.




45 Vgl.Sermo d. 3 Decembris, a. 1944 habitus: Discorsi e Radiomessaggi di S. S. Pio XII, vol. VI, pag. 209.



46 Vgl.Nuntius radiophonicus ad eos qui interfuerunt tertio generali conventui de communicationibus inter cives et nationes, sexagesimo volvente anno a radiotelegraphia inventa, Genuae habito: AAS., vol. XLVII, 1955, pag. 736.



47 IAC. III, 9-10.






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