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Das Fernsehen hat aber
außer dem, was ihm mit den beiden von uns bereits behandelten Aussagemitteln
gemeinsam ist, auch noch seine eigene Kraft und
Wirksamkeit. Es erreicht, daß die Zuschauer Ereignisse, die sich in weiter
Entfernung abspielen, im Augenblick ihres Geschehens hören und sehen und so
unter ihren Bann geraten, wie wenn sie persönlich zugegen wären; und das Gefühl
der unmittelbaren Nähe wird durch die häusliche Atmosphäre noch verstärkt.
Diese besondere
Anziehungskraft, die das Fernsehen für das Heiligtum der Familie besitzt, ist
sicher hoch in Rechnung zu stellen, da sie viel beiträgt zum religiösen Leben,
zu Bildung und guter Sitte der Familienmitglieder, besonders der Kinder, auf
die der Zauber dieser neuen Erfindung zweifellos seine Wirkung haben und
behalten wird. Wenn jedoch das Wort, "ein wenig Sauerteig verdirbt die
ganze Masse"53, der Wahrheit entspricht, und ein ansteckender Keim
im Körper des jungen Menschen seine Entwicklung zur vollen Reife verhindern kann,
so vermag noch viel mehr ein erzieherisch schlechter Grundstoff die Kräfte des
religiösen Lebens zu ersticken und die normale sittliche Entwicklung
aufzuhalten. Es steht übrigens fest, daß Kinder häufig
draußen nicht angesteckt werden, dem Krankheitskeim im Hause aber nicht
entrinnen können.
Ein Frevel ist es, die Heiligkeit des Familienlebens auf irgendeine
Weise zu gefährden. Darum kämpft die Kirche, wie es ihr Recht und ihre Pflicht ist, immer mit allen Kräften dafür, daß unter keinen
Umständen schlechte Fernsehsendungen jenes Heiligtum entweihen.
Da das Fernsehen unter
anderem auch den sicher heilsamen Vorteil mit sich bringt, daß Jung und Alt
eher geneigt sind zu Hause zu bleiben, trägt es viel zur Festigung des Bandes
der Liebe und Treue in der häuslichen Gemeinschaft bei, aber doch nur für den
Fall, daß nichts einführt wird, was mit den Tugenden der Treue und reinen Liebe
nicht übereinstimmen würde.
Es fehlt jedoch nicht an solchen Momenten, welche die Möglichkeit, diese hohen
Forderungen zu verwirklichen, wenigstens für den Augenblick schlechthin in
Abrede stellen. Die den Teilnehmern am Fernsehen gegebene Zusicherung lasse
nicht zu, so sagen sie, die angesagten Sendezeiten nicht ganz auszufüllen; die
Notwendigkeit weiterhin, ständig mehrere Sendeprogramme bereit zu haben, zwinge
außerdem bisweilen zu Darbietungen, die anfangs nur für die öffentlichen
Schauspielhäuser bestimmt waren; das Fernsehen sei schließlich nicht nur für
die Jugend, sondern auch für die Erwachsenen da. Wir stellen nicht in Abrede,
daß hier wirklich Schwierigkeiten liegen; doch ist ihre Lösung nicht auf
spätere Zeit zu verschieben, bis die Durchführung der Sendungen ohne die
hemmenden Zügel weiser Vorsicht den einzelnen wie der Gemeinschaft bereits
schwersten Schaden zugefügt haben wird, Schäden, die man heute freilich noch
kaum richtig abzuschätzen vermag.
Damit aber die Lösung
dieser Schwierigkeiten mit dem schnellen Anwachsen des Fernsehens in den
einzelnen Völkern gleichen Schritt halte, ist zunächst größte Sorgfalt auf die
Vorbereitung der verschiedenen Sendungen zu verwenden, die den sittlichen,
psychologischen und technischen Anforderungen des Fernsehens entsprechen
sollen.
Väterlich laden wir darum
für Kultur, Wissenschaft und Kunst zuständige Katholiken -besonders den Welt
und Ordensklerus - ein, der neuen Erfindung ihre Aufmerksamkeit und Mitarbeit
zu schenken, damit die Güter, welche die vergangenen Zeiten und der wahre
Fortschritt zur Kultur der Seele beigesteuert haben, dem Fernsehen zu Nutz und
Frommen gereichen.
Weiterhin müssen die, für
die Fernsehdarbietungen Verantwortlichen, die religiösen und sittlichen
Grundsätze wahren und ebenso gewissenhaft auf die Gefahr achten, in die junge
Menschen infolge ihrer Teilnahme an Sendungen für Erwachsene geraten könnten.
Für die verwandten Arten von Darbietungen in Kinos und öffentlichen Theatern
ist bei den meisten gebildeten Völkern durch wohlüberlegte und zum Besten der
Gemeinschaft erlassene Maßnahmen Vorsorge getroffen, daß junge Menschen von
unsittlichen Darbietungen ferngehalten werden. Es ist
aber für jeden klar, daß auch das Fernsehen, ja noch viel mehr, des Vorteils
und Schutzes sorgender Wachsamkeit bedarf. Sollte aber, wie das in mehreren
Ländern lobenswerterweise ausgeschlossen ist, das
Fernsehen irgendwo den Jugendlichen untersagte Darbietungen zulassen, dann sind
wenigstens bestimmte Vorsichtsmaßnahmen unbedingt notwendig.
Es wäre ein Irrtum zu
glauben, die guten Vorsätze und die rechte Berufsauffassung der Fachleute für
Fernsehen genügten, um all das Gute herauszuholen, das aus der kleinen weißen
Scheibe dieses technischen Wunderwerks erfließen kann, und jedwede Gefahr zu
bannen.
Darum ist
hierin die umsichtige Kontrolle der Benützer des Fernsehgeräts unbedingt
erfordert. Das Maßhalten beim Fernsehen, die vorsichtige, dem jeweiligen Alter
entsprechende Zulassung der Kinder, die reife Beurteilung der bereits gesehenen
Darbietungen, endlich der Ausschluß der Kinder von weniger passenden Sendungen:
dies alles sind Pflichten, die auf Eltern und Erziehern schwer lasten.
Wir wissen wohl, daß zumal
der an letzter Stelle berührte Punkt da und dort zu großen Schwierigkeiten und
Unzuträglichkeiten führen kann, denn gerade das Bewußtsein der
Erziehungspflicht wird nicht selten von den Eltern verlangen, den Kindern ein Beispiel
zu geben und selbst unter persönlichem Opfer auf einladende Sendungen zu
verzichten. Welches Gebot könnte aber für Eltern eine zu große Belastung sein,
wenn es sich im höchsten Grad um Wohl und Wehe der Kinder handelt!
Unter diesen Umständen ist
es "dringend notwendig", wie wir an die Bischöfe Italiens schrieben,
daß "in den Gläubigen ein richtiges Gewissen über die Pflichten des
Christen im Gebrauch des Fernsehens gebildet werde"54, und zwar so, daß diese Erfindung nicht dem Irrtum und
nicht den Lockerungen des Lasters diene, sondern vielmehr "ein Mittel
werde der Unterrichtung, der Bildung und der Besserung"55.
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