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2 - Sonderprobleme des Fernsehens
Das Fernsehen hat aber außer dem, was ihm mit den beiden von uns bereits behandelten Aussagemitteln gemeinsam ist, auch noch seine eigene Kraft und Wirksamkeit. Es erreicht, daß die Zuschauer Ereignisse, die sich in weiter Entfernung abspielen, im Augenblick ihres Geschehens hören und sehen und so unter ihren Bann geraten, wie wenn sie persönlich zugegen wären; und das Gefühl der unmittelbaren Nähe wird durch die häusliche Atmosphäre noch verstärkt. Diese besondere Anziehungskraft, die das Fernsehen für das Heiligtum der Familie besitzt, ist sicher hoch in Rechnung zu stellen, da sie viel beiträgt zum religiösen Leben, zu Bildung und guter Sitte der Familienmitglieder, besonders der Kinder, auf die der Zauber dieser neuen Erfindung zweifellos seine Wirkung haben und behalten wird. Wenn jedoch das Wort, "ein wenig Sauerteig verdirbt die ganze Masse"53, der Wahrheit entspricht, und ein ansteckender Keim im Körper des jungen Menschen seine Entwicklung zur vollen Reife verhindern kann, so vermag noch viel mehr ein erzieherisch schlechter Grundstoff die Kräfte des religiösen Lebens zu ersticken und die normale sittliche Entwicklung aufzuhalten. Es steht übrigens fest, daß Kinder häufig draußen nicht angesteckt werden, dem Krankheitskeim im Hause aber nicht entrinnen können. Ein Frevel ist es, die Heiligkeit des Familienlebens auf irgendeine Weise zu gefährden. Darum kämpft die Kirche, wie es ihr Recht und ihre Pflicht ist, immer mit allen Kräften dafür, daß unter keinen Umständen schlechte Fernsehsendungen jenes Heiligtum entweihen. Da das Fernsehen unter anderem auch den sicher heilsamen Vorteil mit sich bringt, daß Jung und Alt eher geneigt sind zu Hause zu bleiben, trägt es viel zur Festigung des Bandes der Liebe und Treue in der häuslichen Gemeinschaft bei, aber doch nur für den Fall, daß nichts einführt wird, was mit den Tugenden der Treue und reinen Liebe nicht übereinstimmen würde. Es fehlt jedoch nicht an solchen Momenten, welche die Möglichkeit, diese hohen Forderungen zu verwirklichen, wenigstens für den Augenblick schlechthin in Abrede stellen. Die den Teilnehmern am Fernsehen gegebene Zusicherung lasse nicht zu, so sagen sie, die angesagten Sendezeiten nicht ganz auszufüllen; die Notwendigkeit weiterhin, ständig mehrere Sendeprogramme bereit zu haben, zwinge außerdem bisweilen zu Darbietungen, die anfangs nur für die öffentlichen Schauspielhäuser bestimmt waren; das Fernsehen sei schließlich nicht nur für die Jugend, sondern auch für die Erwachsenen da. Wir stellen nicht in Abrede, daß hier wirklich Schwierigkeiten liegen; doch ist ihre Lösung nicht auf spätere Zeit zu verschieben, bis die Durchführung der Sendungen ohne die hemmenden Zügel weiser Vorsicht den einzelnen wie der Gemeinschaft bereits schwersten Schaden zugefügt haben wird, Schäden, die man heute freilich noch kaum richtig abzuschätzen vermag. Damit aber die Lösung dieser Schwierigkeiten mit dem schnellen Anwachsen des Fernsehens in den einzelnen Völkern gleichen Schritt halte, ist zunächst größte Sorgfalt auf die Vorbereitung der verschiedenen Sendungen zu verwenden, die den sittlichen, psychologischen und technischen Anforderungen des Fernsehens entsprechen sollen. Väterlich laden wir darum für Kultur, Wissenschaft und Kunst zuständige Katholiken -besonders den Welt und Ordensklerus - ein, der neuen Erfindung ihre Aufmerksamkeit und Mitarbeit zu schenken, damit die Güter, welche die vergangenen Zeiten und der wahre Fortschritt zur Kultur der Seele beigesteuert haben, dem Fernsehen zu Nutz und Frommen gereichen. Weiterhin müssen die, für die Fernsehdarbietungen Verantwortlichen, die religiösen und sittlichen Grundsätze wahren und ebenso gewissenhaft auf die Gefahr achten, in die junge Menschen infolge ihrer Teilnahme an Sendungen für Erwachsene geraten könnten. Für die verwandten Arten von Darbietungen in Kinos und öffentlichen Theatern ist bei den meisten gebildeten Völkern durch wohlüberlegte und zum Besten der Gemeinschaft erlassene Maßnahmen Vorsorge getroffen, daß junge Menschen von unsittlichen Darbietungen ferngehalten werden. Es ist aber für jeden klar, daß auch das Fernsehen, ja noch viel mehr, des Vorteils und Schutzes sorgender Wachsamkeit bedarf. Sollte aber, wie das in mehreren Ländern lobenswerterweise ausgeschlossen ist, das Fernsehen irgendwo den Jugendlichen untersagte Darbietungen zulassen, dann sind wenigstens bestimmte Vorsichtsmaßnahmen unbedingt notwendig. Es wäre ein Irrtum zu glauben, die guten Vorsätze und die rechte Berufsauffassung der Fachleute für Fernsehen genügten, um all das Gute herauszuholen, das aus der kleinen weißen Scheibe dieses technischen Wunderwerks erfließen kann, und jedwede Gefahr zu bannen. Darum ist hierin die umsichtige Kontrolle der Benützer des Fernsehgeräts unbedingt erfordert. Das Maßhalten beim Fernsehen, die vorsichtige, dem jeweiligen Alter entsprechende Zulassung der Kinder, die reife Beurteilung der bereits gesehenen Darbietungen, endlich der Ausschluß der Kinder von weniger passenden Sendungen: dies alles sind Pflichten, die auf Eltern und Erziehern schwer lasten. Wir wissen wohl, daß zumal der an letzter Stelle berührte Punkt da und dort zu großen Schwierigkeiten und Unzuträglichkeiten führen kann, denn gerade das Bewußtsein der Erziehungspflicht wird nicht selten von den Eltern verlangen, den Kindern ein Beispiel zu geben und selbst unter persönlichem Opfer auf einladende Sendungen zu verzichten. Welches Gebot könnte aber für Eltern eine zu große Belastung sein, wenn es sich im höchsten Grad um Wohl und Wehe der Kinder handelt! Unter diesen Umständen ist es "dringend notwendig", wie wir an die Bischöfe Italiens schrieben, daß "in den Gläubigen ein richtiges Gewissen über die Pflichten des Christen im Gebrauch des Fernsehens gebildet werde"54, und zwar so, daß diese Erfindung nicht dem Irrtum und nicht den Lockerungen des Lasters diene, sondern vielmehr "ein Mittel werde der Unterrichtung, der Bildung und der Besserung"55.
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53 Gal.V, 9. 54 Vgl.Adhortatio Apostolica, de televisione, d. 1 Ianuarii, a. 1954: AAS., vol. XLVI, 1954, pag. 23. 55 Vgl.Sermo de gravi televisionis momento, d. 21 Octobris, a. 1905: A. A. S a vol. XLVII, 1955, pag. 777. |
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