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II. Die Verkennung der göttlichen Institution der Ehe
1. Die zahlreichen Methoden der Herabwürdigung der Ehe
Wenn Wir so, Ehrwürdige Brüder, die ganze Erhabenheit der
reinen Ehe erwägen, dann muß sich Unser Schmerz um so mehr steigern, als Wir
sehen, wie diese göttliche Einrichtung gegenwärtig der Verachtung und
Erniedrigung preisgegeben ist.
Nicht mehr bloß im Geheimen und Dunkeln, sondern vor
aller Öffentlichkeit, ohne jedes Schamgefühl, in Wort und Schrift, in
Schauspielen jeder Art, in Romanen, Liebesgeschichten und Satiren, in
Kinodarstellungen, in Rundfunkvorträgen, kurz, mit allen Erfindungen der
Neuzeit wird die Heiligkeit der Ehe in den Staub gezogen oder der
Lächerlichkeit preisgegeben. Ehescheidungen, Ehebruch und die schimpflichsten
Laster werden verherrlicht oder wenigstens in schillernden Farben dargestellt,
als ob sie von jeglicher Schuld und Schande frei wären. Es fehlt auch nicht an
Büchern, die in Wirklichkeit nicht selten nur den äußeren Schein der
Wissenschaft haben, die man aber ungescheut als wissenschaftlich anpreist,
damit sie um so leichter Eingang finden. Die darin vertretenen Lehren werden
als die höchsten Errungenschaften des modernen Geistes angepriesen, jenes
Geistes, der, einzig auf die Wahrheit bedacht, sich von allen angeblichen
Vorurteilen der Alten frei gemacht habe und der dann unter diese veralteten
Anschauungen auch die ererbte christliche Lehre von der Ehe rechnet und sie
dahin verweist.
Diese Lehren träufeln sie allen Menschenklassen ein,
Reichen und Armen, Arbeitnehmern und Arbeitgebern, Gebildeten und Ungebildeten,
Ledigen und Verheirateten, Gottesfürchtigen und Gotteshassern, Erwachsenen und
Jugendlichen, ja den Jugendlichen an erster Stelle; denn da sie sich in ihrer
Unerfahrenheit am leichtesten umgarnen lassen, werden gerade ihnen die
verfänglichsten Schlingen gelegt.
Zwar lassen sich nicht alle Vertreter der neuen Lehren
zu den letzten Folgerungen einer ungezügelten Leidenschaft fortreißen. Einige
suchen gleichsam auf halbem Weg stehen zu bleiben und meinen, nur in gewissen
Punkten des Gesetzes Gottes und der Natur müsse man der heutigen Zeit einige
Zugeständnisse machen. Aber auch sie sind, mehr oder weniger bewußt, Sendlinge
jenes unerbittlichen Feindes, der Unkraut unter den Weizen zu säen
sucht.45Wir, die der Hausvater zu Wächtern seines Ackers bestellt hat mit dem heiligen und
dringenden Auftrag, zu verhüten, daß der gute Same von giftigem Unkraut
erstickt werde, Wir glauben jene ernsten Worte vom Heiligen Geist an Uns
gerichtet, mit denen der Apostel Paulus seinen geliebten Jünger Timotheus
ermahnte: „Du aber sei wachsam ... Tue, was deines Amtes ist! ... Predige das
Wort, dringe darauf, es komme gelegen oder ungelegen, halte die Wahrheit vor,
beschwöre, strafe in aller Geduld und Unterweisung.“46
Um aber die Fallstricke des bösen Feindes meiden zu können, ist es zunächst
nötig und nützlich, sie den Harmlosen aufzudecken und aufzuweisen. Obwohl Wir diese
Dinge nicht einmal nennen möchten, wie es sich für die Heiligen
geziemt47so können Wir sie doch um des Heiles und Nutzens der Seele willen nicht völlig
mit Schweigen übergehen.
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