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Verantwortliche Elternschaft
10. Deshalb fordert die Liebe von den
Ehegatten, daß sie ihre Aufgabe verantwortlicher Elternschaft richtig erkennen.
Diese Aufgabe, auf die man heute mit gutem Recht ganz besonderen Wert legt, muß
darum richtig verstanden werden. Sie muß aber unter verschiedenen,
berechtigten, miteinander zusammenhängenden Gesichtspunkten betrachtet werden.
Was zunächst die biologischen Vorgänge angeht, bedeutet
verantwortungsbewußte Elternschaft die Kenntnis und die Beachtung der mit ihnen
zusammenhängenden Funktionen. So vermag der Mensch in seinen
Fortpflanzungskräften die biologischen Gesetze zu entdecken, die zur
menschlichen Person gehören9.
Was dann psychologisch Trieb und Leidenschaft betrifft,
so meint verantwortungsbewußte Elternschaft ihre erforderliche Beherrschung
durch Vernunft und Willen.
Im Hinblick schließlich auf die gesundheitliche,
wirtschaftliche, seelische und soziale Situation bedeutet verantwortungsbewußte
Elternschaft, daß man entweder, nach klug abwägender Überlegung, sich hochherzig
zu einem größeren Kinderreichtum entschließt, oder bei ernsten Gründen und
unter Beobachtung des Sittengesetzes zur Entscheidung kommt, zeitweise oder
dauernd auf weitere Kinder zu verzichten.
Endlich und vor allem hat verantwortungsbewußte Elternschaft
einen inneren Bezug zur sogenannten objektiven sittlichen Ordnung, die auf Gott
zurückzuführen ist, und deren Deuterin das rechte Gewissen ist. Die Aufgabe
verantwortungsbewußter Elternschaft verlangt von den Gatten, daß sie in Wahrung
der rechten Güter- und Wertordnung ihre Pflichten gegenüber Gott, sich selbst,
gegenüber ihrer Familie und der menschlichen Gesellschaft anerkennen.
Daraus folgt, daß sie bei der Aufgabe, das Leben
weiterzugeben, keineswegs ihrer Willkür folgen dürfen, gleichsam als hinge die
Bestimmung der sittlich gangbaren Wege von ihrem eigenen und freien Ermessen
ab. Sie sind vielmehr verpflichtet, ihr Verhalten auf den göttlichen
Schöpfungsplan auszurichten, der einerseits im Wesen der Ehe selbst und ihrer
Akte zum Ausdruck kommt, den anderseits die beständige Lehre der Kirche
kundtut10.
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