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Appell an die staatlichen Behörden
23. Daher richten Wir das Wort an die
Regierungen, denen vor allem die Verantwortung für den Schutz des Gemeinwohls
obliegt und die soviel zur Wahrung der guten Sitten beitragen können: Duldet
niemals, daß die guten Sitten eurer Völker untergraben werden; verhindert unter
allen Umständen, daß durch Gesetze in die Familie, die Keimzelle des Staates,
Praktiken eindringen, die zum natürlichen und göttlichen Gesetz im Widerspruch
stehen. Um das Problem des Bevölkerungszuwachses zu lösen, kann und muß die
staatliche Gewalt einen anderen Weg gehen: den einer weisen und vorausschauenden
Familien- und Bildungspolitik, die das Sittengesetz und die Freiheit der Bürger
sicherstellt.
Wir wissen sehr wohl um die Schwierigkeiten, die hier die
Regierungen haben, zumal in den Entwicklungsländern. Unser Verständnis für
diese begründeten Sorgen beweist Unsere Enzyklika "Populorum
progressio". Hier aber wiederholen Wir mit Unserem Vorgänger Johannes
XXIII.: "Bei Behandlung und Lösung dieser Fragen darf der Mensch weder
Wege gehen noch Mittel anwenden, die im Widerspruch zu seiner Würde stehen, wie
sie von jenen ungescheut angeboten werden, die vom Menschen und seinem Leben
rein materialistisch denken. Unserer Überzeugung nach läßt sich die Frage nur
lösen, wenn beim wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt sowohl der
einzelnen wie des ganzen Menschheitsgeschlechtes die echt menschlichen Güter
und Werte geachtet und gemehrt werden26."
Sehr zu Unrecht würde man die göttliche Vorsehung für das
verantwortlich machen, was im Gegenteil eine Folge kurzsichtiger Politik ist,
mangelnden Sinns für soziale Gerechtigkeit, selbstsüchtiger Bereicherung,
schließlich fauler Nachlässigkeit in der Übernahme von Anstrengungen, die ein
Volk mit all seinen Bürgern zu höherem Lebensstandard führen könnten27.
Möchten doch alle Verantwortlichen, auf die es ankommt - wie es einige schon
ausgezeichnet tun -, immer wieder mit allen Kräften ans Werk gehen. Man darf
nicht nachlassen im Eifer, sich innerhalb der großen Menschenfamilie
gegenseitig zu helfen; hier öffnet sich, meinen Wir, ein schier unbegrenztes
Betätigungsfeld für die großen überstaatlichen Einrichtungen.
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