| Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek |
| Pius XII Mediator Dei IntraText CT - Text |
II. Der eucharistische Kult
265. Höhe- und gewissermaßen Mittelpunkt der christlichen Religion ist das Geheimnis der heiligsten Eucharistie, die der Hohepriester Christus einstens eingesetzt hat und die er durch seine Diener in der Kirche immerdar erneuern läßt. Da es sich hier um den Höhepunkt der heiligen Liturgie handelt, scheint es Uns angebracht, ein wenig dabei zu verweilen und eure Aufmerksamkeit, ehrwürdige Brüder, auf diesen überaus wichtigen Gegenstand hinzulenken.
Christus der Herr, Priester von Ewigkeit nach der Ordnung des Melchisedech56wollte, da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte57beim Letzten Abendmahle, in der Nacht, da er verraten wurde, seiner geliebten Braut, der Kirche, ein sichtbares, einer Forderung der Menschennatur entsprechendes Opfer hinterlassen; dadurch sollte das blutige, am Kreuze zu vollziehende Opfer vergegenwärtigt, das Andenken daran bis zum Ende der Zeiten bewahrt und uns seine heilbringende Kraft zur Vergebung unserer täglichen Sünden zugewendet werden. Seinen Leib und sein Blut brachte er Gott dem Vater dar unter den Gestalten von Brot und Wein, reichte sie den Aposteln, die er damals zu Priestern des Neuen Bundes bestellte, unter denselben Zeichen zum Empfang und befahl ihnen und ihren Nachfolgern im Priestertum, dieses Opfer darzubringen“58
266. Das hochheilige Opfer des Altares ist also kein bloßes und einfaches Gedächtnis des Leidens und Todes Jesu Christi, sondern eine wahre und eigentliche Opferhandlung, bei welcher der göttliche Hohepriester durch seine unblutige Hinopferung das tut, was er schon am Kreuze getan, sich selbst dem ewigen Vater als wohlgefälligste Opfergabe darbringend. „Es ist ein . . . und dieselbe Opfergabe und es ist derselbe, den jetzt durch seinen Dienst der Priester opfert und der sich selbst damals am Kreuze darbrachte, nur die Opferweise ist verschieden“59
267. Es ist demnach der gleiche Priester, Christus Jesus, dessen heilige Person sein geweihter Diener vertritt. Durch die Priesterweihe dem Hohenpriester angeglichen, besitzt er die Vollmacht, mittels der Kraft und an Stelle der Person Christi selbst zu handeln60Durch seine priesterliche Handlung leiht „er also Christus gleichsam seine Zunge und reicht ihm seine Hand“61
268. Es ist auch die gleiche Opfergabe, nämlich der göttliche Erlöser nach seiner menschlichen Natur und in der Wirklichkeit seines Leibes und Blutes. Verschieden jedoch ist die Art und Weise, wie Christus sich opfert: Am Kreuze hat er ganz sich selbst und seine Leiden Gott dargebracht, und die Hinopferung der Opfergabe geschah durch den blutigen Tod, den er mit freiem Willen auf sich nahm. Auf dem Altare aber hat, infolge des verklärten Zustandes seiner menschlichen Natur, der Tod keine Macht mehr über ihn62und darum ist das Vergießen seines Blutes nicht mehr möglich; auf Beschluß der göttlichen Weisheit wird jedoch die Hinopferung unseres Erlösers durch äußere Zeichen, die Sinnbilder des Todes sind, in wunderbarer Weise deutlich gemacht. Durch die Wesensverwandlung des Brotes in den Leib und des Weines in das Blut Christi ist nämlich sein Leib ebenso gegenwärtig wie sein Blut; die eucharistischen Gestalten aber, unter denen er gegenwärtig ist, versinnbilden die gewaltsame Trennung des Leibes und des Blutes. So wird das Gedächtnis seines Todes, der sich auf Kalvaria wirklich vollzogen hat, in jedem Opfer des Altares neu begangen, insofern durch deutliche Sinnbilder Jesus Christus im Opferzustand dargestellt und gezeigt wird.
269. Ferner sind es die gleichen Opferzwecke, deren erster die Ehrung des himmlischen Vaters ist. Von der Geburt bis zum Tode war Jesus Christus vom Eifer für die Ehre Gottes beseelt, und vom Kreuze stieg die Hinopferung seines Blutes mit lieblichem Wohlgeruch zum Himmel empor. Damit nun diese Huldigung niemals unterbrochen werde, vereinigen sich im eucharistischen Opfer die Glieder mit ihrem göttlichen Haupt und bringen zugleich mit ihm und mit den Engeln und Erzengeln Gott immerwährenden Lobpreis dar63indem sie dem allmächtigen Vater alle Ehre und Verherrlichung zuteil werden lassen64
270. Der zweite Opferzweck ist die Gott geschuldete Danksagung. Nur der göttliche Erlöser kannte als des ewigen Vaters vielgeliebter Sohn dessen unermeßliche Liebe und war imstande, ihm eine würdige Huldigung des Dankes zu entbieten. Das beabsichtigte und das wollte er, als er beim letzten Abendmahle Dank sagte65Davon ließ er nicht ab, als er am Kreuze hing, und davon läßt er nicht ab im hochheiligen Opfer des Altares, das ja „Eucharistische Handlung“, d.h. Danksagung bedeutet; und das ist ja auch „wahrhaft würdig und recht, billig und heilsam“66
271. Der dritte Zweck ist Sühne, Genugtuung und Versöhnung. Zweifellos konnte kein anderer als Christus dem allmächtigen Gott für die Schuld der ganzen Menschheit volle Genugtuung leisten; darum wollte er am Kreuze geopfert werden als Sühnopfer für unsere Sünden, und nicht nur für die unsrigen, sondern auch für die der ganzen Welt67Ebenso opfert er sich auf den Altären täglich für unsere Erlösung, damit wir vor der ewigen Verdammnis bewahrt und in die Schar der Auserwählten eingereiht werden. Und dies nicht allein für uns, die wir uns in diesem sterblichen Leben befinden, sondern auch „für alle in Christus Ruhenden, die uns mit dem Zeichen des Glaubens vorangegangen und im Frieden entschlafen sind“68denn ob wir leben oder sterben, „wir trennen uns doch nicht von dem einen Christus“69
272. Der vierte Zweck schließlich ist die demütige Bitte. Als verlorener Sohn hat der Mensch alle vom himmlischen Vater empfangenen Güter vertan und vergeudet und ist daher in äußerste Bedürftigkeit und tiefstes Elend geraten. Doch vom Kreuze aus brachte Christus Gebet und Flehen unter lautem Rufen und Weinen vor . . . und fand wegen seiner Gottesfurcht Erhörung70Desgleichen ist er auf den heiligen Altären in derselben wirksamen Weise unser Mittler bei Gott, auf daß wir mit jeglicher Segnung und Gnade erfüllt werden.
Man versteht also, warum die heilige Kirchenversammlung von Trient versichert, daß durch das eucharistische Opfer die heilbringende Kraft des Kreuzes uns zugewendet wird zur Vergebung unserer täglichen Sünden71
273. Der Völkerapostel aber verkündet die reiche Fülle und Vollkommenheit des Kreuzesopfers, wenn er erklärt, daß Christus mit dem einen Opfer für immer jene vollendet hat, die sich heiligen lassen72Da nämlich die Verdienste dieses Opfers einfachhin unendlich und unermeßlich sind, kennen sie keine Grenzen; sie erstrecken sich auf die Gesamtheit der Menschen aller Zeiten und Zonen, und dies insofern der Gottmensch dessen Priester und Opfergabe ist; insofern seine Hinopferung wie seine Willfährigkeit gegenüber dem Willen des ewigen Vaters ganz vollkommen war, und insofern er selbst den Tod auf sich nehmen wollte als das Haupt der ganzen Menschheit: „Betrachte den Vollzug unseres Loskaufs; Christus hängt am Kreuzesholz; schau, um welch hohen Preis er kaufte; ... sein Blut vergoß er, mit seinem Blute hat er erkauft, mit dem Blute des makellosen Lammes, mit dem Blute des einzigen Sohnes Gottes hat er erkauft. . . Der Käufer ist Christus, der Kaufpreis ist sein Blut, der erworbene Besitz ist der Erdkreis73
274. Dieser Loskauf hat jedoch nicht sofort seine volle Wirkung: Christus muß nämlich, nachdem er um den hohen Preis seiner selbst die Welt erlöst hat, erst wirklich in den wahren Besitz der Menschenseele gelangen. Damit also ihre Erlösung und Rettung für jeden einzelnen Menschen und für alle bis ans Ende der Zeiten aufeinanderfolgenden Menschengeschlechter sich verwirkliche und von Gott angenommen werde, ist es unerläßlich, daß jeder einzelne Mensch in lebendige Berührung mit dem Kreuzesopfer komme, und daß ihnen also die aus jenem Opfer fließenden Verdienste zuteil werden. Man kann gewissermaßen sagen, daß Christus auf Kalvaria ein Bad der Versöhnung und Heilung errichtet hat, das er mit seinem vergossenen Herzblut füllte; wenn indes die Menschen nicht in dessen Fluten untertauchen und dort nicht die Makel ihrer Sünden abwaschen, können sie sicher nicht gereinigt und gerettet werden.
275. Damit also die einzelnen Sünder im Blute des Lammes reingewaschen werden, bedarf es der Mitwirkung der Christgläubigen. Denn wenn auch Christus, allgemein gesprochen, die gesamte Menschheit durch seinen blutigen Tod mit dem Vater ausgesöhnt hat, so war es doch sein Wille, daß alle, insbesondere durch die Sakramente und das eucharistische Opfer, zu seinem Kreuze hinzutreten und hingeführt werden sollten, um die von ihm am Kreuze erworbenen Heilsfrüchte zu erlangen. Wie durch diese tätige und persönliche Teilnahme die Glieder immer mehr ihrem göttlichen Haupte angeglichen werden, ebenso wird auch das vom Haupt herabströmende Heil den Gliedern zuteil, so daß auch wir die Worte des heiligen Paulus wiederholen können: Mit Christus bin ich gekreuzigt. Ich lebe, aber nicht mehr ich; Christus lebt in mir74Wie Wir nämlich schon bei anderer Gelegenheit eingehend und ausdrücklich darlegten, hat Christus Jesus, „während er am Kreuze starb, den unermeßlichen Schatz der Erlösung seiner Kirche vermacht, ohne daß sie ihrerseits dazu beitrug. Wo es sich aber darum handelt, den Schatz auszuteilen, läßt er an diesem Werke der Heiligung seine unbefleckte Braut nicht nur teilnehmen, sondern will, daß dies sogar in gewissem Sinn durch ihre Tätigkeit bewirkt werde“75
276. Das hochheilige Opfer des Altares ist sozusagen das überaus kostbare Werkzeug, wodurch die vom Kreuz des göttlichen Erlösers stammenden Verdienste an die Gläubigen ausgeteilt werden: „Sooft die Gedächtnisfeier dieses Opfers begangen wird, vollzieht sich das Werk unserer Erlösung“76Ohne jedoch die Würde des blutigen Opfers im geringsten zu beeinträchtigen, hebt es vielmehr dessen Größe und Notwendigkeit noch stärker und klarer hervor, wie das Konzil von Trient betont77Durch die tägliche Darbringung erinnert es uns daran, daß es kein anderes Heil gibt als im Kreuze unseres Herrn Jesus Christus78und daß Gott selbst die Fortdauer seines Opfers vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang79 gesichert wissen will, damit der Lobpreis der Verherrlichung und Danksagung niemals unterbrochen werde, den die Menschen ihrem Schöpfer schulden, weil sie ständig seiner Hilfe und des Blutes des göttlichen Erlösers bedürfen zur Tilgung der Sünden, die seine Gerechtigkeit herausfordern.
277. Es sollen also, ehrwürdige Brüder, alle Gläubigen bedenken, daß es eine ganz hohe Pflicht und große Würde für sie bedeutet, teilzunehmen am eucharistischen Opfer, und zwar nicht müßigen und gleichgültigen Geistes, der zerstreut anderen Dingen nachgeht, sondern so innerlich und selbsttätig, daß sie aufs engste mit dem Hohenpriester sich verbinden, gemäß dem Worte des Apostels Seid so gesinnt wie Christus Jesus80zusammen mit ihm und durch ihn sollen sie jenes Opfer darbringen und zugleich mit ihm sich selbst aufopfern.
Gewiß ist Christus Priester, aber Priester für uns, nicht für sich, denn er bringt Gabe und Verehrung im Namen der gesamten Menschheit seinem himmlischen Vater dar; er ist auch Opfergabe, aber für uns, da er selbst die Stelle des schuldbeladenen Menschen vertritt. Nun verlangt aber jenes Wort des Apostels: Seid so gesinnt wie Christus Jesus, von allen Christen, daß sie, soweit dies dem Menschen möglich ist, jene Gesinnung in sich erwecken, von der die Seele des göttlichen Erlösers erfüllt war, als er das Opfer seiner selbst vollzog daß sie also demütige Unterordnung des Geistes, Anbetung der höchsten Majestät Gottes, Ehrung, Lobpreis und Danksagung erzeigen. Es verlangt außerdem von ihnen, daß sie in gewissem Sinne sich selbst zur Opfergabe machen, gemäß den Vorschriften des Evangeliums sich selbst verleugnen, gern und freiwillig sich der Buße unterziehen, daß jeder seine Sünden verabscheue und sühne. Es verlangt endlich, daß wir alle mit Christus den mystischen Tod am Kreuze auf uns nehmen, so daß wir den Ausspruch des heiligen Paulus auf uns anwenden können: Mit Christus bin ich ans Kreuz geheftet81
278. Wenn jedoch die Gläubigen am eucharistischen Opfer teilnehmen, so haben sie deshalb nicht auch die priesterliche Vollmacht. Das müßt ihr euren Gläubigen ganz klar vor Augen stellen.
279. Es gibt nämlich Leute, ehrwürdige Brüder, die heute bereits verurteilte Irrtümer streifen82indem sie lehren, im Neuen Testament gebe es nur jenes Priestertum, das sich auf alle Getauften erstrecke; jenes Gebot ferner, womit Jesus Christus beim letzten Abendmahl den Aposteln das zu tun auftrug, was er selbst getan hatte, gehe unmittelbar die gesamte Kirche der Gläubigen an; erst daraus sei dann in der Folge das hierarchische Priestertum entstanden. Somit behaupten sie, das Volk besitze wahre priesterliche Gewalt, der Priester dagegen handle nur kraft des von der Gemeinschaft erhaltenen Auftrages. Daher halten sie das eucharistische Opfer für ein wahres „Mitzelebrieren“ (Conzelebration) und meinen, es sei besser, wenn die Priester zusammen mit dem anwesenden Volk „mitzelebrieren“, als daß sie in Abwesenheit des Volkes das Opfer privat darbringen.
280. Es erübrigt sich auseinanderzusetzen, wie sehr solche verfängliche Irrtümer den Wahrheiten widersprechen, die Wir weiter oben dargelegt haben, als Wir von der Stellung handelten, die der Priester im Mystischen Leibe Christi einnimmt. An folgendes aber glauben Wir erinnern zu müssen: Der Priester handelt nur deshalb an Stelle des Volkes, weil er die Person unseres Herrn Jesus Christus vertritt, insofern dieser das Haupt aller Glieder ist und sich selbst für sie opfert; er tritt folglich an den Altar als Diener Christi, niedriger gestellt als Christus, aber höher als das Volk83Das Volk aber, das unter keiner Rücksicht die Person des göttlichen Erlösers darstellt, noch Mittler ist zwischen sich selbst und Gott, darf in keiner Weise priesterliche Rechte beanspruchen.
281. Das alles ist durch den Glauben gesichert; außerdem aber gilt, daß auch die Gläubigen, jedoch in anderer Weise, die göttliche Opfergabe darbringen.
Dies haben schon eine Reihe Unserer Vorgänger und mehrere Kirchenlehrer ganz klar ausgesprochen. So sagt Innozenz III. unsterblichen Andenkens: „Nicht nur die Priester bringen das Opfer dar, sondern auch die Gläubigen insgesamt; denn was in besonderer Art durch den Dienst der Priester ausgeführt wird, das geschieht allgemein durch die Absicht der Gläubigen“84Von mehreren diesbezüglichen Äußerungen des heiligen Robert Bellarmin soll wenigstens die eine angeführt werden: „Das Opfer“, so sagt er, „wird hauptsächlich in der Person Christi dargebracht. Daher ist jene Darbringung, die auf die Wandlung folgt, eine Art Bezeugung, daß die ganze Kirche in die von Christus vollzogene Darbringung einwilligt und zugleich mit ihm opfert“85
282. Auch die Riten und Gebete des eucharistischen Opfers bringen nicht weniger klar zum Ausdruck, daß die Darbringung des Opfers durch die Priester zusammen mit dem Volke geschieht. So wendet sich nach der Opferung des Brotes und Weines der Diener des Heiligtums zum Volke hin und sagt ausdrücklich: „Betet, Brüder, daß mein und euer Opfer wohlgefällig werde bei Gott, dem allmächtigen Vater“86außerdem werden die Gebete, mit denen die göttliche Opfergabe Gott dargeboten wird, meist in der Mehrzahl gesprochen; mehr als einmal ist darin angedeutet, daß auch das Volk teilnimmt an diesem hochheiligen Opfer, insofern es dasselbe darbringt. So heißt es z. B.: „Für sie bringen wir Dir dar, und sie selbst opfern es Dir . . . So nimm denn, Herr, wir bitten Dich, diese Opfergabe huldvoll an, die wir, Deine Diener und Deine ganze Gemeinde Dir darbringen . . . Wir, Deine Diener, aber auch Dein heiliges Volk . . . bringen Deiner erhabenen Majestät von Deinen Geschenken und Gaben ein reines Opfer dar, ein heiliges Opfer, ein makelloses Opfer“87
283. Es ist auch nicht verwunderlich, daß die Christgläubigen zu solcher Würde erhoben sind. Durch das Sakrament der Taufe werden ja die. Christen in einem allgemeinen Sinn Glieder am Mystischen Leibe des Priesters Christus, und durch den ihrer Seele gleichsam eingemeißelten «Taufcharakter »werden sie zur Gottesverehrung bestellt; insofern nehmen sie, ihrem Stande entsprechend, am Priestertum Christi selbst teil.
284. In der katholischen Kirche hat zu jeder Zeit die vom Glauben erleuchtete Vernunft sich bemüht, nach Möglichkeit zu einem größeren Verständnis der göttlichen Dinge zu gelangen. So ist es natürlich, daß auch das christliche Volk ehrfürchtig zu begreifen sucht, in welchem Sinn die Canonworte des eucharistischen Opfers zu verstehen seien, es bringe selber auch das Opfer dar. Um diesem frommen Verlangen Genüge zu tun, wollen Wir die Frage hier kurz und klar erläutern.
Zunächst sind es Gründe, die dem Wesen der Sache ferner liegen, insofern es nämlich nicht selten vorkommt, daß die Gläubigen bei der Teilnahme an der heiligen Feier ihre Gebete mit denen des Priesters abwechselnd sprechen; sodann bringen die Gläubigen manchmal - und das geschah in früheren Zeiten häufiger - den Dienern des Altares Brot und Wein, damit sie zum Leib und Blut Christi werden; endlich weil sie Almosen geben, damit der Priester das göttliche Opfer für sie darbringe.
285. Es besteht aber auch ein innerer Grund, weshalb man von allen Christen, besonders von denen, die am Meßopfer teilnehmen, sagen kann, daß sie das Opfer darbringen.
Damit in dieser wichtigen Frage nicht ein verhängnisvoller Irrtum entstehe, müssen Wir den Ausdruck „Darbringung des Opfers“ in seiner eigentlichen Bedeutung genau abgrenzen. Die unblutige Hinopferung, wobei kraft der Wandlungsworte Christus im Zustand des Opferlammes auf dem Altare gegenwärtig wird, ist das Werk des Priesters allein, insofern er die Person Christi vertritt, nicht aber insofern er die Person der Gläubigen darstellt. Dadurch aber, daß der Priester das göttliche Opferlamm auf den Altar legt, bringt er es Gott dem Vater als Opfergabe dar zur Ehre der Heiligsten Dreifaltigkeit und zum Wohl der ganzen Kirche. An dieser Opferdarbringung im strengen Sinne nehmen die Gläubigen auf ihre Art und in zweifacher Hinsicht teil: sie bringen nämlich das Opfer dar, nicht nur durch die Hände des Priesters, sondern gewissermaßen zusammen mit ihm; durch diese Teilnahme wird auch die Darbringung des Volkes in den liturgischen Kult selbst einbezogen.
286. Daß die Gläubigen das Opfer durch die Hände des Priesters darbringen, geht aus folgendem hervor: Der Diener des Altares vertritt die Person Christi als Haupt, das im Namen aller Glieder opfert; deshalb kann man auch mit Recht sagen, die gesamte Kirche vollziehe durch Christus die Darbringung der Opfergabe. Die Behauptung aber, das Volk bringe zugleich mit dem Priester das Opfer dar, hat nicht etwa den Sinn, als ob die Glieder der Kirche ebenso wie der Priester selbst die sichtbare liturgische Handlung vollzögen, denn das ist ausschließlich Aufgabe des von Gott dazu berufenen Dieners; das bedeutet vielmehr, daß das Volk seine Gesinnungen des Lobes, der Bitte, der Sühne und der Danksagung mit den Gesinnungen oder der inneren Meinung des Priesters, ja des Hohenpriesters selbst, zu dem Zwecke vereinigt, daß sie in der eigentlichen Opferdarbringung auch durch den äußeren Ritus des Priesters Gott dem Vater entboten werden. Der äußere Opferritus muß nämlich seiner Natur nach den inneren Kult zum Ausdruck bringen: Das Opfer des Neuen Bundes stellt aber jene höchste Huldigung dar, in welcher der hauptsächlich Darbringende, nämlich Christus, und zusammen mit ihm sowie durch ihn alle seine mystischen Glieder Gott verherrlichen durch den ihm gebührenden Ehrenerweis.
287. Mit großer Freude haben Wir vernommen, daß diese Lehre zumal in der neuesten Zeit durch zahlreiche eifrige Studien auf dem Gebiet der Liturgie in das gebührende Licht gestellt wurde. Wir können aber nicht umhin, die Überspitzungen und Verzerrungen der Wahrheit, die mit den echten Weisungen der Kirche nicht übereinstimmen, sehr zu beklagen.
Manche verwerfen nämlich kurzerhand die heiligen Messen, die privat und ohne Anwesenheit des Volkes gelesen werden, als ob sie von der ursprünglichen Opferpraxis abwichen. Es fehlt auch nicht an Leuten, die behaupten, es dürften nicht Priester gleichzeitig an mehreren Altären das heilige Opfer feiern, weil sie damit die Gemeinschaft lockerten und deren Einheit in Gefahr brächten. Man stellt sogar die überspitzte Behauptung auf, das Volk müsse das Opfer bestätigen und genehmigen, um ihm Geltung und Wirksamkeit zu verleihen.
288. Zu Unrecht beruft man sich dabei auf den sozialen Charakter des eucharistischen Opfers. Sooft nämlich der Priester das erneuert, was der göttliche Erlöser beim letzten Mahle tat, wird in Wahrheit das heilige Opfer vollzogen; dieses Opfer hat aber immer und überall und zwar notwendigerweise und vermöge seines Wesens einen öffentlichen und sozialen Charakter; denn derjenige, der es darbringt, handelt im Namen Christi und der Gläubigen, deren Haupt der göttliche Erlöser ist, und er bringt es Gott dar für die heilige katholische Kirche sowie für die Lebenden und die Verstorbenen88Das geschieht aber zweifellos, ob nun Gläubige anwesend - und Wir wünschen und empfehlen, daß sie in großer Zahl und Andacht beiwohnen -, oder ob keine da sind; denn es ist keineswegs erforderlich, daß das Volk bestätige, was der Diener des Heiligtums vollzieht.
289. Wenn sich nun auch aus dem eben Gesagten klar ergibt, daß das eucharistische Opfer im Namen Christi und der Kirche dargebracht wird, und daß es auch seiner sozialen Früchte nicht verlustig geht, selbst wenn es ohne Altardiener vom Priester gefeiert würde, so wollen und betonen Wir dennoch - was übrigens die Mutter Kirche immer vorgeschrieben hat -, daß kein Priester an den Altar trete ohne einen Ministranten, der ihm diene und antworte, gemäß Canon 813.
290. Damit aber jene Darbringung, wodurch die Gläubigen in diesem Opfer die göttliche Opfergabe dem himmlischen Vater darbieten, ihre volle Wirkung erziele, müssen sie noch etwas anderes hinzufügen, nämlich sich selbst als Opfergabe darbringen.
Diese Selbstaufopferung ist aber nicht auf das liturgische Opfer beschränkt. Der Apostelfürst will, daß wir als heiliges Priestertum geistige, Gott wohlgefällige Opfer durch Jesus Christus darbringen89können gerade dadurch, daß wir als lebendige Bausteine auf Christus aufgebaut sind. Der Apostel Paulus ermahnt ferner die Gläubigen aller Zeiten mit den Worten: Ich beschwöre euch . . ., bringt euren Leib als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer dar. So verrichtet ihr einen geistigen Gottesdienst90Wenn aber gerade die Christgläubigen der liturgischen Handlung so andächtig und gesammelt beiwohnen, daß man wirklich von ihnen sagen kann: „deren Glauben und Hingabe du kennst“91dann ist es unausbleiblich, daß auch der Glaube eines jeden sich durch die Liebe eifriger auswirke, die Frömmigkeit erstarke und sich entflamme, alle und jeder sich ganz der Förderung der Ehre Gottes weihen und im lebendigen Verlangen nach engster Angleichung an Jesus Christus, den Dulder bitterster Leiden, sich mit ihm, dem Hohenpriester und durch ihn als geistige Opfergabe darbringen.
291. Das lehren auch jene Ermahnungen, die der Bischof im Namen der Kirche den Dienern des Altares an ihrem Weihetag zuruft: „Beachtet, was ihr tut, und ahmt nach, was ihr vollzieht. Da ihr das Geheimnis des Todes Unseres Herrn begeht, sollt ihr danach trachten, eure Glieder den Sünden und Begierden ersterben zu lassen“92Fast in derselben Weise werden in den liturgischen Büchern die Christen, die sich zur Teilnahme an den heiligen Geheimnissen dem Altare nahen, ermahnt: „Es walte auf diesem ... Altare der Kult der Unschuld, es werde hingeopfert der Hochmut, erstickt der Zornmut, niedergeschlagen die Ausschweifung und jede Begierlichkeit, es werde statt der Turteltauben dargebracht das Opfer der Keuschheit und statt der jungen Tauben das der Schuldlosigkeit“93Während wir also um den Altar versammelt sind, sollen wir unser Inneres derart umformen, daß alles, was Sünde in ihm ist, völlig ausgelöscht, alles jedoch mit Eifer gepflegt und gestärkt werde, was durch Christus das übernatürliche Leben nährt, so daß wir zusammen mit der makellosen Opferhostie ein dem ewigen Vater wohlgefälliges Opfer werden.
292. Die Kirche bemüht sich in jeder Weise, durch die liturgischen Vorschriften dieses heilige Vorhaben nach bestem Vermögen zu verwirklichen. Diesem Ziele dienen nicht allein die Lesungen, die Schrifterklärungen und die übrigen Predigten der Diener des Heiligtums sowie der gesamte Kreislauf der Geheimnisse, wie sie uns im Laufe des Jahres vor Augen gestellt werden; dem gleichen Zwecke dienen auch die heiligen Gewänder und Zeremonien, wie deren äußere Zubehör. Das alles hat den Zweck, „die erhabene Würde dieses großen Opfers zum Bewußtsein zu bringen und die Herzen der Gläubigen mittels der sichtbaren Zeichen der Gottesverehrung und Andacht zur Betrachtung der hohen Werte, die in diesem Opfer verborgen liegen, aufzurufen“94
293. Alle Elemente der Liturgie zielen also darauf hin, daß unsere Seele durch das Geheimnis des Kreuzes das Bild des göttlichen Erlösers in sich auspräge gemäß dem Worte des Apostels: Mit Christus bin ich gekreuzigt. Ich lebe, doch nicht mehr ich; Christus lebt in mir95So werden wir gleichsam eine einzige Opfergabe mit Christus zur größeren Ehre des ewigen Vaters.
Sooft also die Gläubigen beim eucharistischen Opfer die göttliche Opfergabe darbringen, sollen sie ihren Sinn auf dieses Ziel richten und zu ihm erheben. Wenn nämlich, wie der heilige Augustinus schreibt, unser Geheimnis auf dem Tische des Herrn ruht96d. h. Christus der Herr selber als Haupt und Sinnbild jenes Organismus, durch den wir der Leib Christi sind97und Glieder seines Leibes98wenn der heilige Robert Bellarmin im Sinne des Kirchenlehrers von Hippo sagt, im Opfer des Altares werde das allgemeine Opfer versinnbildet, durch das der gesamte Mystische Leib Christi, d. h. die ganze erlöste Gemeinschaft, Gott dargebracht wird durch den Hohenpriester Christus99so ist nichts schicklicher und billiger, als daß wir alle zusammen mit unserem Haupte, das für uns gelitten hat, auch uns selbst dem ewigen Vater aufopfern. Wie Augustinus wiederum sagt, wird im Altarssakrament der Kirche kundgetan, daß in dem Opfer, das sie darbringt, auch sie selbst geopfert wird100
294. Die Gläubigen mögen also bedenken, zu welcher Würde sie das heilige Bad der Taufe erhoben hat; und sie sollen sich nicht damit zufrieden geben, am eucharistischen Opfer mit der allgemeinen, den Gliedern Christi und Kindern der Kirche geziemenden Absicht teilzunehmen; im Geiste der heiligen Liturgie sollen sie darüber hinaus, aufs innigste verbunden mit dem Hohenpriester und seinem Diener auf Erden, sich dann in besonderer Weise ihm anschließen, wenn die Wandlung der göttlichen Opfergabe vollzogen wird; sie sollen dieselbe zusammen mit ihm aufopfern, wenn die feierlichen Worte ausgesprochen werden: „Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm wird Dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Ehre und Verherrlichung durch alle Ewigkeit“101worauf das Volk antwortet: „Amen“. Und die Gläubigen sollen nicht vergessen, sich selbst und ihre Sorgen, Leiden und Ängste, ihr Elend und ihre Nöte zugleich mit dem ans Kreuz geschlagenen göttlichen Haupt aufzuopfern.
295. Demnach verdienen jene Anerkennung, die, um dem christlichen Volk die Teilnahme am eucharistischen Opfer leichter und heilbringender zu machen, bei passender Gelegenheit den Leuten das „Römische Meßbuch“ in die Hand zu geben suchen, so daß die Gläubigen, dem Priester verbunden, mit denselben Worten wie er und in derselben Gesinnung wie die Kirche mitbeten. Ebenso gebührt auch jenen Lob, die sich darum mühen, daß die Liturgie auch nach außen hin eine heilige Handlung werde, an der tatsächlich alle Umstehenden teilnehmen. Das kann auf mehrfache Weise geschehen, indem nämlich das ganze Volk nach den liturgischen Regeln auf die Worte des Priesters in gehöriger Weise antwortet, oder auch zu den verschiedenen Teilen des Opfers passende Lieder singt, oder beides verbindet, oder schließlich indem es im feierlichen Hochamt auf die Gebete des Dieners Jesu Christi antwortet und zugleich die liturgischen Gesänge singt.
296. Diese verschiedenen Formen der Teilnahme am Opfer sind jedoch nur dann zu loben und zu empfehlen, wenn sie sich getreu an die rituellen Vorschriften und Normen halten. Diese haben vor allem den Zweck, die Frömmigkeit der Christen und ihre innige Verbindung mit Christus sowie mit dessen sichtbarem Vertreter zu nähren und zu fördern, ferner jene Gesinnung und Seelenhaltung anzuregen, durch die wir dem Hohenpriester des Neuen Bundes angeglichen werden sollen. Sie zeigen auch nach außen, daß das Opfer, da es vom Mittler zwischen Gott und den Menschen102dargebracht wird, seiner Natur nach als Werk des ganzen Mystischen Leibes Christi anzusehen ist; dennoch sind sie aber keineswegs notwendig, um ihm den Öffentlichkeits- und Gemeinschaftscharakter zu verleihen. Außerdem kann eine heilige Messe mit abwechselnd gesprochenen Gebeten nicht die festliche Opferfeier ersetzen; selbst wenn diese nur in Anwesenheit der Altardiener gefeiert würde, wäre ihr doch wegen der Erhabenheit der Riten und der Pracht der Zeremonien eine besondere Würde eigen, deren Glanz und Feierlichkeit allerdings sehr gesteigert wird, wenn, wie die Kirche es wünscht, das Volk zahlreich und mit gläubiger Gesinnung daran teilnimmt.
297. Ferner ist folgendes zu bemerken: Von der Wahrheit und vom geraden Wege der Vernunft weichen auch jene ab, die von irrigen Ansichten verleitet jene Nebensachen so hoch einschätzen, daß sie sich zur Behauptung versteigen, ohne sie könne die heilige Handlung das ihr gesteckte Ziel nicht erreichen.
Eine nicht geringe Zahl der Gläubigen ist ja nicht einmal imstande, sich des „Römischen Meßbuches“ zu bedienen, selbst wenn es in ihre Muttersprache übersetzt ist; es sind auch nicht alle fähig, die liturgischen Riten und Formeln recht und gebührend zu verstehen. Geist, Charakter und Anlage der Menschen sind so verschieden und mannigfaltig, daß nicht alle in gleicher Weise beeinflußt und geleitet werden können durch gemeinsam verrichtete Gebete, Gesänge und heilige Handlungen. Außerdem sind die seelischen Bedürfnisse und Anliegen nicht bei allen dieselben, noch bleiben sie bei jedem einzelnen immer die gleichen. Wer möchte darum aus einem solchen Vorurteil heraus behaupten, daß all diese Christen nicht am eucharistischen Opfer teilnehmen noch dessen Segnungen erfahren können? Sie können es fürwahr auf andere Weise, die manchen leichter fällt, z. B. durch frommes Nachdenken über die Geheimnisse Jesu Christi oder durch andere Andachtsübungen und mit anderen Gebeten, die, obgleich in der Form verschieden von den heiligen Riten, ihrem Wesen nach doch damit übereinstimmen.
298. Deshalb ermahnen Wir euch, ehrwürdige Brüder, daß jeder in seiner Diözese oder in seinem kirchlichen Sprengel die Teilnahme des Volkes an der liturgischen Handlung gemäß den Normen, die das „Missale“ aufstellt, und nach den von der Ritenkongregation und dem kirchlichen Gesetzbuch erlassenen Vorschriften leite und ordne. So soll alles in rechter Ordnung und Würde ausgeführt werden, ohne daß der Einzelne, auch wenn er Priester ist, das Recht habe, die heiligen Stätten nach seinem Belieben gleichsam zu Versuchen zu gebrauchen. Zu diesem Zweck ist es auch Unser Wunsch, daß in den einzelnen Diözesen - ähnlich wie schon eine Beratungsstelle für Fragen der Musik und Kunst besteht - ein Rat zur Förderung des liturgischen Apostolates eingesetzt werde, damit sich unter eurer wachsamen Obhut alles gemäß den Vorschriften des Apostolischen Stuhles vollziehe.
299. In den Ordensgemeinschaften aber soll alles genau eingehalten werden, was die eigenen Konstitutionen diesbezüglich bestimmen, und es sollen keine Neuerungen eingeführt werden, welche die Oberen der betreffenden Gemeinschaften nicht vorher gebilligt haben.
300. Zwar können die äußeren Verhältnisse und Umstände, unter denen das christliche Volk am eucharistischen Opfer und an den übrigen liturgischen Handlungen teilnimmt, sehr mannigfaltig und verschieden sein; deshalb soll man sich aber stets nur um so eifriger dafür einsetzen, daß die Seelen der Teilnehmer sich möglichst eng mit dem göttlichen Erlöser verbinden, damit ihr Leben mit täglich wachsender Heiligkeit erfüllt und die Ehre des himmlischen Vaters täglich mehr gefördert werde.
301. Das hochheilige Opfer des Altares wird mit der Teilnahme am göttlichen Mahl beschlossen. Wie alle wissen, gehört aber nur die Kommunion des Priesters zur Vollständigkeit des Meßopfers; es ist hingegen nicht erfordert, daß auch das Volk zum Tische des Herrn gehe, wiewohl das höchst wünschenswert ist.
Diesbezüglich möchten Wir die Bemerkungen wiederholen, die Unser Vorgänger Benedikt XIV. zu den Bestimmungen des Trienter Konzils macht: „Zunächst müssen Wir sagen, daß niemand unter den Gläubigen auf den Gedanken kommen darf, die privaten Messen. in denen der Priester allein die heilige Eucharistie empfängt, würden dadurch die Eigenschaft des wahren, vollkommenen und vollständigen, von Christus dem Herrn eingesetzten unblutigen Opfers verlieren und seien deshalb als unerlaubt anzusehen. Die Gläubigen wissen nämlich oder können wenigstens leicht darüber belehrt werden, daß das Trienter Konzil auf Grund der von der kirchlichen Überlieferung aller Zeiten bewahrten Lehre die ihr entgegengesetzte, neue und falsche Meinung Luthers verurteilt hat“103
Wer sagt, die Messen, in denen der Priester allein sakramental kommuniziert, seien unerlaubt und deshalb abzuschaffen, der sei ausgeschlossen“104
302. Es weicht also vom Weg der Wahrheit ab, wer das heilige Opfer nur feiern will, wenn das christliche Volk zum Tische des Herrn hinzutritt; noch mehr ist im Irrtum, wer um es als unbedingte Notwendigkeit hinzustellen, daß die Gläubigen zusammen mit dem Priester das eucharistische Mahl empfangen - arglistig behauptet, es handle sich hier nicht nur um ein Opfer, sondern zugleich um ein Opfer und ein Mahl der brüderlichen Gemeinschaft, und es sei die gemeinschaftlich empfangene Kommunion sozusagen der Höhepunkt der ganzen Opferfeier.
303. Es muß immer wieder betont werden: Das eucharistische Opfer ist seiner Natur nach eine unblutige Hinopferung des göttlichen Opferlammes, was auf geheimnisvolle Weise durch die Trennung der heiligen Gestalten und durch ihre Darbringung an den ewigen Vater zum Ausdruck kommt. Die heilige Kommunion gehört zu dessen Vollständigkeit und zur Teilnahme daran mittels der hochheiligen sakramentalen Vereinigung; während diese für den opfernden Priester unbedingt erfordert ist, wird sie den Gläubigen nur dringend empfohlen.
304. Wie aber die Kirche als Lehrerin der Wahrheit die Unversehrtheit des katholischen Glaubens nach Kräften zu schützen sucht, so ermahnt sie als besorgte Mutter ihre Kinder eindringlich, sich eifrig und häufig dieser überaus großen Wohltat unserer Religion teilhaftig zu machen.
Sie wünscht vor allem, daß die Christen - besonders wenn sie die eucharistische Speise nicht leicht in Wirklichkeit empfangen können - sie wenigstens geistigerweise empfangen und zwar so, daß sie durch lebendigen Glauben, durch demütige und ehrfürchtige Hingabe an den Willen des göttlichen Erlösers in möglichst innigem Liebeseifer sich mit ihm verbinden.
305. Doch das genügt der Kirche noch nicht. Da wir nämlich, wie oben gesagt, durch den Empfang des Engelsbrotes auch in „sakramentaler“ Kommunion des Opfers teilhaftig werden können, will die Kirche, daß wir wirksamer „die Frucht der Erlösung dauernd in uns erfahren“105und sie wiederholt ihren Kindern, einzeln und insgesamt, die Einladung Christi des Herrn: Nehmet hin und esset . . . Tut dies zu meinem Andenken106Darum hat das Konzil von Trient die Wünsche Jesu Christi und seiner makellosen Braut gleichsam erneut ausgesprochen und nachdrücklich ermahnt, „daß die anwesenden Gläubigen an jeder einzelnen Messe nicht nur mit geistigem Verlangen, sondern auch durch den sakramentalen Empfang der Eucharistie teilnehmen, auf daß in ihnen um so reichere Früchte dieses hochheiligen Opfers gezeitigt werden“107Damit noch mehr und klarer offenbar werde, daß die Gläubigen durch den Empfang der heiligen Eucharistie am göttlichen Opfer selbst teilnehmen, lobt Unser Vorgänger unsterblichen Andenkens Benedikt XIV. den frommen Sinn derer, die bei der heiligen Messe nicht bloß mit der himmlischen Speise genährt zu werden verlangen, sondern es überdies vorziehen, mit den in der gleichen heiligen Messe konsekrierten Hostien gespeist zu werden, obgleich, wie er selbst erklärt, man wahrhaft und wirklich am Opfer teilhat, auch wenn es sich um eucharistisches Brot handelt, dessen Verwandlung schon früher ordnungsgemäß vollzogen wurde. Er schreibt nämlich: „Außer jenen Gläubigen, denen vom zelebrierenden Priester in seiner Messe selbst ein Anteil an der von ihm dargebrachten Opfergabe dargereicht wird, nehmen zwar auch diejenigen am gleichen Opfer teil, denen der Priester die gewohnheitsgemäß aufbewahrte Eucharistie austeilt; dennoch hat die Kirche nie verboten, noch verbietet sie jetzt, daß der Priester der Frömmigkeit und der gerechten Bitte derer willfahre, die bei der heiligen Messe zur Teilnahme an dem gleichen Opfer zugelassen werden wollen, das sie ja auch selbst in der ihnen zustehenden Weise darbringen; die Kirche billigt und wünscht sogar, daß dies nicht unterlassen werde, und sie würde jene Priester tadeln, durch deren Schuld und Nachlässigkeit den Gläubigen eine solche Anteilnahme verweigert würde“108
306. Gebe Gott, daß alle willig und gern diesen dringlichen Einladungen der Kirche nachkommen! Gebe Gott, daß die Gläubigen, wenn sie es können, sogar täglich am göttlichen Opfer nicht nur in geistiger Weise teilnehmen, sondern auch durch die Anteilnahme am hochheiligen Sakramente, indem sie den Leib Jesu Christi empfangen, der für alte dem ewigen Vater dargebracht wurde! Erweckt, ehrwürdige Brüder, in den Seelen derer, die eurer Hirtensorge anvertraut sind, einen sehnlichen, gleichsam unersättlichen Hunger nach Jesus Christus! Dank eurer Unterweisung mögen die Altäre dicht umdrängt sein von Kindern und jungen Menschen, die sich selbst, ihre Unschuld und ihre jugendliche Begeisterung dem göttlichen Erlöser darbieten! In Scharen mögen hinzutreten die Eheleute, damit sie am heiligen Tische Kraft holen, um die ihnen anvertraute Nachkommenschaft in den Gesinnungen und in der Liebe Jesu Christi heranzubilden. Es sollen die Arbeiter dorthin gerufen werden, um jene Speise zu empfangen, die, weil stark und unversieglich, ihre Kräfte erneuern und für ihre Arbeiten den immerwährenden Lohn im Himmel vorbereiten möge. Ruft, mit einem Wort, alle Menschen jeden Standes und drängt sie, herbeizukommen109denn dies ist das Brot des Lebens, dessen alle bedürfen. Die Kirche Jesu Christi besitzt nur dieses eine Brot, um damit das Sehnen und Wünschen unserer Herzen zu stillen, sie aufs engste mit Jesus Christus zu verbinden, damit sie schließlich ein Leib110werden und damit untereinander, Brüdern gleich, alle jene vereint seien, die an der gleichen Tafel sich einfinden, um im Brechen des einen Brotes das Heilmittel zur Unsterblichkeit zu empfangen111
307. Es ist jedoch sehr angebracht und übrigens von der Liturgie vorgesehen, daß das Volk zur heiligen Kommunion hinzutrete, nachdem der Priester die göttliche Speise am Altar genossen hat. Wie Wir oben geschrieben haben, sind auch jene zu loben, welche die im gleichen Opfer, dem sie beiwohnen, konsekrierten Hostien empfangen, so daß wirklich zutrifft, „daß alle, die wir gemeinsam von diesem Altare das hochheilige Fleisch und Blut Deines Sohnes empfangen, mitallem Gnadensegen des Himmels erfüllt werden“112
308. Dennoch gibt es zuweilen Gründe, ja sie sind nicht selten weswegen das eucharistische Brot vor oder nach dem Opfer selbst ausgeteilt werden soll und weshalb - auch wenn die Kommunionausteilung gleich nach der Kommunion des Priesters erfolgt - dies mit Hostien geschehen muß, die schor länger konsekriert sind. Wie Wir schon oben andeuteten nimmt das Volk auch unter diesen Umständen ordnungsgemäß am eucharistischen Opfer teil, und es ist ihm dann oft leichter, dem Tisch des ewigen Lebens zu nahen. Wenn auch die Kirche in ihrem mütterlichen Wohlwollen den geistlichen Bedürfnissen ihrer Kinder entgegenzukommen sucht, so sollen sie dennoch ihrerseits nicht leichthin vernachlässigen, was die heilige Liturgie anrät, und sooft kein nennenswerter Grund vorliegt, sollen sie sich an alles halten, wodurch die lebendige Einheit des Mystischen Leibes am Altare deutlicher zum Ausdruck kommt.
309. Ist die heilige, von besonderen Normen der Liturgie geregelte Handlung beendet, so entbindet dies den nicht von der Danksagung, der die himmlische Speise genossen hat; es ist im Gegenteil sehr angebracht, daß er sich nach Genuß de eucharistischen Mahles und nach Abschluß der öffentlichen Zeremonien sammle und, innig dem göttlichen Meister verbunden, mit ihm, soweit die Umstände es gestatten, traute und heilsame Zwiesprache halte. Es entfernen sich also jene vom geraden Pfade der Wahrheit, die mehr auf das Wort als auf den Sinn achten und behaupten, man brauche nach Vollendung des heiligen Opfers keine derartige Danksagung anzusetzen, nicht bloß weil das Opfer des Altares selbst an sich schon Danksagung sei, sondern auch weil dies Sache der privaten und persönlichen Frömmigkeit jedes einzelnen, nicht aber des Wohles der Gemeinschaft sei.
310. Ganz im Gegenteil verlangt gerade die Natur des Sakramentes, daß sein Empfang reiche Früchte christlicher Heiligkeit zeitige. Wohl löste sich die öffentliche Zusammenkunft der Gemeinschaft auf, aber jeder einzelne, eng mit Christus verbunden, soll das Loblied in seinem Herzen nicht unterlassen, allzeit Gott dem Vater für alles dankend im Namen unseres Herrn Jesus Christus113Auch die heilige Liturgie des eucharistischen Opfers fordert uns dazu auf, wenn sie uns mit den Worten beten läßt: „Gib, wir bitten dich darum, daß wir immer in Danksagung verharren114und von deinem Lobe niemals ablassen“115Wenn wir daher zu jeder Zeit Gott Dank sagen müssen und niemals von seinem Lobe ablassen dürfen, wer möchte da die Kirche zu tadeln oder zu mißbilligen wagen, wenn sie ihren Priestern116und den Gläubigen rät, nach der heiligen Kommunion wenigstens eine Weile mit dem göttlichen Erlöser Zwiesprache zu halten, und wenn sie in die liturgischen Bücher geeignete, mit Ablässen versehene Gebete aufgenommen hat, damit so die Diener des Altares sich auf die heilige Messe und Kommunion entsprechend vorbereiten und nach der Feier der heiligen Geheimnisse Gott ihren Dank bekunden? Weit entfernt davon, die innersten Gesinnungen der einzelnen Christen zu unterdrücken, regt und spornt die heilige Liturgie diese vielmehr an, daß sie sich Jesus Christus angleichen und durch ihn zum himmlischen Vater hingeführt werden. Deshalb fordert sie, daß jeder, der am Altare das heilige Brot empfangen hat, Gott auch den gebührenden Dank darbringe. Es gefällt dem göttlichen Erlöser, unsere Bitten anzuhören, eine innige Zwiesprache mit uns zu pflegen und uns in seinem flammenden Herzen Zuflucht zu bieten.
311. Ja, solch persönliche Akte jedes einzelnen sind sogar unbedingt notwendig, damit wir alle in reicherem Maße die himmlischen, in der heiligen Eucharistie verborgenen Schätze empfangen und, je nach Möglichkeit, an andere weiterleiten, auf daß Christus der Herr in allen Seelen zur Fülle seiner Kraft gelange.
312. Warum, ehrwürdige Brüder, sollten wir also nicht jenen Lob spenden, die nach Genuß des eucharistischen Mahles und auch nachdem die öffentliche Versammlung der Gläubigen aufgelöst ist, noch mit dem göttlichen Erlöser in tiefster Verbundenheit verweilen, nicht bloß um sich mit ihm hebend zu besprechen, sondern auch um ihm Dank zu sagen, den gebührenden Lobpreis darzubringen und besonders, um die Kraft zu erbitten, alles aus der eigenen Seele zu entfernen, was die Wirksamkeit des Sakramentes vermindern könnte, und um ihrerseits alles zu tun, was das tiefinnere Wirken Jesu Christi zu begünstigen imstande ist? Wir ermahnen sie, das mit besonderer Sorgfalt zu tun, indem sie sowohl die gefaßten Vorsätze ausführen und die christlichen Tugenden üben, als auch auf ihre Verhältnisse anwenden, was sie von seiner himmlischen Freigebigkeit bekommen haben. Ganz im Sinne der Vorschriften und im Geiste der Liturgie spricht der Verfasser des goldenen Büchleins „Von der Nachfolge Christi“, wenn er dem, der die heilige Kommunion empfangen hat, empfiehlt: „Bleibe still für dich und genieße deinen Gott; denn du besitzest den, welchen dir die ganze Welt nicht nehmen kann“117
313. Innigst vereint mit Christus, wollen wir daher alle danach trachten, uns gleichsam in sein heiligstes Herz zu versenken und so mit ihm zusammenzuwachsen, um teilzunehmen an jenen Anmutungen, mit denen er die hochheilige Dreieinigkeit mit dankbarer und wohlgefälliger Huldigung anbetet; mit denen er dem ewigen Vater erhabensten Dank und Lobpreis darbringt, wovon Himmel und Erde einmütig widerhallen, gemäß dem Wort: Preiset den Herrn, all ihr Werke des Herrn!118 mit den Anmutungen endlich, mit denen vereint wir himmlischen Beistand gerade in dem Augenblick erflehen, der mehr als jeder andere geeignet ist, um im Namen Christi119Hilfe zu erbitten und zu erlangen, und wodurch wir uns vor allem als Opfergabe darbringen, wenn wir sprechen: „Laß uns selbst dir zur vollendeten ewigen Weihegabe werden“120
Unablässig wiederholt der göttliche Erlöser seine dringende Aufforderung: Bleibt in mir!121 Durch das Sakrament der Eucharistie aber verweilt Christus in uns und wir in ihm; und wie Christus, in uns verbleibend, lebt und wirkt, so müssen auch wir, in Christus verbleibend, durch ihn leben und wirken.
314. Die eucharistische Speise enthält, wie bekannt, „wahrhaft, wirklich und wesentlich den Leib und das Blut zugleich mit der Seele und mit der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus“122Darum ist es nicht zu verwundern, wenn die Kirche von Anfang an den Leib Christi unter den Gestalten des Brotes angebetet hat, wie das schon aus den Riten des hochheiligen Opfers selbst hervorgeht; diese schreiben nämlich den Verwaltern der heiligen Geheimnisse vor, daß sie durch Kniebeugungen oder tiefe Verneigungen das heiligste Sakrament anbeten.
Die heiligen Konzilien lehren als Überlieferung der Kirche von ihren Anfängen an, daß sie „mit einer Anbetung das fleischgewordene Wort Gottes samt seinem Fleische“123verehrt; auch der heilige Augustinus beteuert: „Niemand ißt von diesem Fleische, ohne es vorher angebetet zu haben“, und er fügt hinzu, daß wir nicht bloß keine Sünde begehen, wenn wir es anbeten, sondern daß wir vielmehr sündigen, wenn wir es nicht anbeten124
315. Entstanden aus diesen Lehrgrundsätzen, hat sich der eucharistische Anbetungskult, der von der heiligen Opferfeier zu unterscheiden ist, nach und nach entwickelt. Die Aufbewahrung der heiligen Gestalten für die Kranken und alle jene, die in Todesgefahr geraten können, führte zum löblichen Brauche, dieses himmlische, in den Kirchen aufbewahrte Brot anzubeten. Dieser Kult der Anbetung beruht auf einem starken und festen Grunde. Die Eucharistie ist ja sowohl Opfer wie auch Sakrament und unterscheidet sich von den anderen Sakramenten dadurch, daß sie nicht bloß die Gnade mitteilt, sondern den Urheber der Gnade selbst in fortdauernder Weise enthält. Wenn uns also die Kirche gebietet, den unter den Schleiern der Eucharistie verborgenen Christus anzubeten und von ihm jene himmlischen und irdischen Gaben zu erbitten, deren wir unaufhörlich bedürfen, so bringt sie damit den lebendigen Glauben zum Ausdruck, kraft dessen sie ihren göttlichen Bräutigam unter diesen Schleiern gegenwärtig weiß, ihm ihre Dankbarkeit bezeugt und sich der innigsten Vertrautheit mit ihm erfreut.
316. Im Laufe der Zeit hat die Kirche verschiedene, gewiß immer schönere und heilbringendere Formen eingeführt, so z. B. fromme und tägliche Besuchungen beim heiligen Tabernakel, den rituellen Segen mit dem heiligsten Sakrament, feierliche Prozessionen durch Städte und Dörfer, besonders anläßlich der eucharistischen Kongresse, und die Anbetung vor dem öffentlich ausgesetzten Allerheiligsten. Diese öffentliche Anbetung erstreckt sich zuweilen auf kurze Zeit, manchmal ist sie auf Stunden und auch auf vierzig Stunden ausgedehnt; mancherorts wird sie abwechselnd in den einzelnen Kirchen das ganze Jahr hindurch fortgesetzt, anderswo bei Tag und auch bei Nacht durch religiöse Genossenschaften immerwährend durchgeführt und nicht selten nehmen auch die Gläubigen daran teil.
317. Diese Übungen der Frömmigkeit leisteten einen wirksamen Beitrag zum Glauben und zum übernatürlichen Leben der streitenden Kirche auf Erden, die auf diese Weise gewissermaßen ein Echo gibt auf den Lobeshymnus, den die triumphierende Kirche immerdar singt vor Gott und dem Lamme, das geschlachtet wurde125Daher hat die Kirche diese im Lauf der Jahrhunderte überall verbreiteten Andachten nicht nur gebilligt, sondern sich zu eigen gemacht und mit ihrer Autorität bestätigt126Sie entstammen dem Geiste der heiligen Liturgie und tragen zweifellos sehr viel bei zum liturgischen Leben, sofern sie mit gebührender Würde und in jener Gesinnung des Glaubens und der Frömmigkeit gehalten werden, wie sie die heiligen Riten und Vorschriften der Kirche fordern.
318. Man kann auch nicht behaupten, daß durch diesen eucharistischen Kult der historische Christus, wie man sagt, der einst auf Erden lebte und der im heiligsten Altarssakrament gegenwärtig ist, mit dem glorreich im Himmel triumphierenden und gnadenspendenden Christus verwechselt und vermischt werde; man muß im Gegenteil betonen, daß auf diese Weise die Christen den Glauben der Kirche bezeugen und feierlich bekennen, wonach das göttliche Wort und der Sohn der Jungfrau Maria, der am Kreuz gelitten hat, der in der Eucharistie verborgen gegenwärtig ist und der im Himmel droben herrscht, ein und derselbe Christus ist. So sagt der heilige Johannes Chrysostomus: „Wenn du dies (den Leib Christi) dir vorgestellt siehst, so sag zu dir selbst: Diesem Leibe verdanke ich es, daß ich nicht mehr Erde und Asche bin, nicht mehr gefangen, sondern frei; um dessentwillen hoffe ich, den Himmel und die dort mir hinterlegten Güter zu erlangen, nämlich das unsterbliche Leben, das Lob der Engel, den Umgang mit Christus; dieser Leib, von Nägeln durchbohrt, mit Geißeln zerschlagen, ward nicht Beute des Todes; es ist jener Leib, der blutentstellt war, von der Lanze durchstochen, aus dem zwei heilbringende Quellen strömten Blut und Wasser ... Diesen Leib schenkte er uns, daß wir ihn halten und daß wir ihn essen: ein Werk tiefster Liebe“127
319. Besonders lobenswert ist die Gepflogenheit, daß viele beim christlichen Volke eingebürgerte Andachten ihren Abschluß finden mit dem Ritus des eucharistischen Segens. Es ist ein herrlicher und segensreicher Brauch, daß der Priester, während die Menge der Christen sich tief verneigt, das Brot der Engel zum Himmel hebt, nach der Vorschrift ein Kreuz zeichnet und dabei den himmlischen Vater anfleht, er möge gnädig niederschauen auf seinen aus Liebe zu uns gekreuzigten Sohn und um seinetwillen und durch ihn, der unser Erlöser und Bruder werden wollte, seine himmlischen Gaben auf jene herabströmen lassen, die das makellose Blut des Lammes erlöst hat128
320. Trachtet also, ehrwürdige Brüder, mit der höchsten euch kennzeichnenden Sorgfalt danach, daß die Kirchen, die durch den Glauben und die Frömmigkeit der christlichen Generationen im Laufe der Jahrhunderte erbaut wurden, wie ein immerwährender Hymnus der Huldigung an den allmächtigen Gott und als ehrwürdige Wohnung unseres unter den eucharistischen Gestalten verborgenen Erlösers, nun auch möglichst zahlreichen Gläubigen offen stehen, die, zu Füßen unseres Heilandes versammelt, seine traute Einladung vernehmen Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken129Mögen es wirklich Gotteshäuser sein, wo alle, die bittend eintreten, sich der Gewährung aller erbetenen Wohltaten erfreuen130und himmlischen Trost erlangen.
Nur so wird es geschehen können, daß die gesamte Menschheitsfamilie endlich zu Ordnung und Frieden komme, und daß sie einmütigen Geistes und Herzens das Lied der Hoffnung und der Liebe singe: „Guter Hirt, du wahres Brot, - Jesus, erbarm' dich unsrer Not! - Weide uns, sei uns Behüter, - zeig' uns deine ewigen Güter - im Lande der Lebendigen“131
8. Vgl. Konzil von Trient, Sess. XIII, can. 6; Pius VI., Konstit. Auctorem fidei, n. 61.