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IM MESSOPFER WIRD CHRISTUS SAKRAMENTAL GEGENWÄRTIG
Die kurzen Ausführungen zum Meßopfer veranlassen Uns, auch einiges über das
Sakrament der Eucharistie anzuführen, denn beides, Opfer und Sakrament, gehören
zum selben Mysterium; das eine kann nicht vom anderen getrennt werden. Der Herr
wird ja dann im Meßopfer - in welchem das Kreuzesopfer vergegenwärtigt und
dessen heilbringende ,Kraft zugewendet wird - unblutig geopfert, wenn er kraft
der Wandlungsworte beginnt, sakramental gegenwärtig zu sein, gleichsam als
geistige Speise der Gläubigen, unter den Gestalten von Brot und Wein.
Wir wissen alle wohl, daß es nicht nur eine einzige Weise gibt, in der
Christus seiner Kirche gegenwärtig ist. Es ist nützlich, die beglückende
Tatsache, die die Konstitution über die heilige Liturgie kurz dargelegt
hat30, etwas weiter auszuführen. Gegenwärtig ist Christus seiner
Kirche, wenn sie betet, da er selbst es ist, der ,,für uns betet und in uns
betet, zu dem wir beten; er betet für uns als unser Priester, er betet in uns
als unser Haupt, und wir beten zu ihm als unserem Gott“ 31. Er selbst
hat ja versprochen: ,,Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin
ich mitten unter ihnen“ 32. Gegenwärtig ist er in seiner Kirche, wenn
sie Werke der Barmherzigkeit ausübt, nicht nur weil wir, wenn wir einem seiner
geringsten Brüder Gutes tun, dieses Christus selbst tun33, sondern auch
weil Christus es ist, der durch die Kirche diese Werke tut, indem er beständig
dem Menschen mit seiner göttlichen Liebe zu Hilfe kommt. Gegenwärtig ist er
seiner Kirche, die auf der Pilgerfahrt ist und zum Hafen des ewigen Lebens zu
gelangen strebt, da er selbst durch den Glauben in unseren Herzen
wohnt34 und in ihr die Liebe ausgießt durch den Heiligen Geist, den er
uns gibt. 35
Auf eine andere Weise zwar, aber ganz wirklich ist er seiner Kirche
gegenwärtig, wenn sie predigt, da das Evangelium, das verkündet wird, das Wort
Gottes ist, und nur im Namen und in der Autorität Christi, des
fleischgewordenen Wortes Gottes, unter seinem Beistand, verkündet wird, damit
,,eine Herde sicher geborgen unter einem Hirten sei“ 36.
Gegenwärtig ist er seiner Kirche, wenn sie das Volk Gottes regiert und
leitet, da die heilige Vollmacht von Christus ist, und den Hirten, die sie
ausüben, Christus beisteht, ,,der Hirt der Hirten“ 37, gemäß seinem
Versprechen an die Apostel.
Darüber hinaus - und zwar auf eine höherwertige Weise - ist Christus seiner
Kirche gegenwärtig, wenn sie das Meßopfer in seinem Namen darbringt; und er ist
bei ihr, wenn sie die Sakramente spendet. Bezüglich der Gegenwart Christi bei
der Darbringung des Meßopfers möchte man an das erinnern, was der heilige
Chrysostomus voll Bewunderung trefflich gesagt hat: ,,Ich möchte etwas ganz
Erstaunliches anführen, aber erschreckt nicht und beunruhigt euch nicht. Was
ist das? Die Opfergabe ist dieselbe, wer auch immer opfert, sei es Paulus, sei
es Petrus; es ist dieselbe, die Christus den Jüngern gab und die nun die Priester
darbringen; diese Opfergabe ist um nichts geringer, da nicht Menschen sie
heiligen, sondern er selbst es ist, der sie geheiligt hat. Wie nämlich die
Worte, die Gott gesprochen hat, dieselben sind wie die, die nun der Priester
sagt, so ist auch die Opferung dieselbe“ 38. Daß aber die Sakramente
Taten Christi sind, der sie durch Menschen spendet, weiß jeder. Und deshalb
sind die Sakramente aus sich selbst heilig und gießen durch die Kraft Christi
dem Herzen Gnade ein, während sie zeichenhaft vollzogen werden. Diese
verschiedenen Weisen der Gegenwart erfüllen den Geist mit Staunen und führen
zur Betrachtung des Geheimnisses der Kirche. Aber ein anderer, ganz besonderer
Grund ist es, warum Christus seiner Kirche gegenwärtig ist im Sakrament der
Eucharistie und weswegen dieses Sakrament im Vergleich zu den anderen
Sakramenten ,,inniger an Andacht, schöner in seinem Sinngehalt, heiliger in
seinem Wesen ist“ 39: es enthält nämlich Christus selbst und ist
,,gewissermaßen die Vollendung des geistlichen Lebens und das Ziel aller
Sakramente“ 40.
Diese Gegenwart wird ,,wirklich“ genannt, nicht im ausschließenden Sinn,
als ob die anderen nicht ,,wirklich“ wären, sondern in einem hervorhebenden
Sinn, weil sie wesentlich ist, wodurch der ganze und unversehrte Christus, Gott
und Mensch, gegenwärtig wird. 41 Falsch würde also jemand diese Weise
der Gegenwart durch eine angebliche, sogenannte ,,pneumatische“ allgegenwärtige
Natur des glorreichen Leibes Christi erklären oder wenn er sie auf ein
symbolisches Verständnis einengt, als ob dieses erhabenste Sakrament nichts
anderes sei als ein wirksames Zeichen ,,für die geistige Gegenwart Christi und
seiner innigsten Verbindung mit den gläubigen Gliedern im mystischen Leib“
42. Freilich haben über den symbolischen Sinn der Eucharistie -
besonders hinsichtlich der Einheit der Kirche - die Väter und die Lehrer der
Scholastik viel gehandelt; das Konzil von Trient hat bei der Zusammenfassung
ihrer Lehre erklärt, daß unser Erlöser in seiner Kirche die Eucharistie
hinterlassen hat ,,gleichsam als Symbol ... ihrer Einheit und Liebe, durch die
er alle Christen unter sich verbunden und geeint wissen wollte“, und zwar ,,als
Symbol jenes einen Leibes, dessen Haupt er selbst ist“ 43.
Schon zu Beginn der frühen christlichen Literatur schrieb der unbekannte
Autor der ,,Didache oder Zwölf-Apostel-Lehre“ hierzu: ,,Was die Eucharistie
angeht, so sagt so Dank: ... Wie dieses gebrochene Brot über die Berge
zerstreut war und gesammelt zu einem geworden ist, so soll deine Kirche von den
Enden der Erde in dein Reich zusammengeführt werden“ 44. Ebenso sagt
der heilige Cyprian bei seinem Drängen auf die Einheit der Kirche gegen das
Schisma: ,,Endlich erklären auch die Herrenopfer selbst die Einmütigkeit der
Christen, die mit fester und unzertrennlicher Liebe verbunden sind; denn wenn
der Herr seinen Leib ein Brot nennt, das durch die Vereinigung vieler Körner
geworden ist, bezeichnet er unser Volk, das er aufrechterhält, als ein
geeintes, und wenn er sein Blut Wein nennt, der aus vielen Trauben und Beeren
ausgepreßt in eins gebracht ist, bezeichnet er ebenso unsere Herde, die durch
die Mischung einer vereinigten Vielheit verbunden ist“ 45.
Übrigens ging allen bereits der Apostel vorauf, wenn er an die Korinther
schrieb: ,,Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben
teil an dem einen Brot“ 46.
Aber wenn uns auch der symbolische Sinn der Eucharistie zum Verständnis der
diesem Sakrament eigenen Wirkung, die die Einheit des mystischen Leibes ist, in
geeigneter Weise hinführt, so erklärt er doch nicht das Wesen des Sakramentes,
wodurch es sich von anderen unterscheidet, noch drückt er es aus. Denn die
Unterweisung, die die katholische Kirche zu allen Zeiten den Katechumenen
gegeben hat, das Empfinden des christlichen Volkes, die vom Trienter Konzil
definierte Lehre und die Worte Christi selbst, mit denen er die heilige
Eucharistie eingesetzt hat, verpflichten uns zu dem Bekenntnis, daß die
,,Eucharistie das Fleisch unseres Heilandes Jesus Christus ist, das für unsere
Sünden gelitten hat und das der Vater in seiner Güte auferweckt hat“
47. Diesen Worten des heiligen Ignatius von Antiochien kann man
hinzufügen, was Theodor von Mopsuestia - in diesem Punkt ein treuer Zeuge des
Glaubens der Kirche - dem Volke sagte: ,,Denn der Herr sagte nicht: das ist ein
Symbol meines Leibes, und das ist ein Symbol meines Blutes, sondern: ,Das ist
mein Leib und mein Blut.‘ Er lehrt uns, nicht auf die Natur des vorliegenden
sinnenfälligen Gegenstandes zu achten, denn diese ist durch die Danksagung und
die Worte, die über sie gesprochen wurden, in das Fleisch und Blut verwandelt
worden“ 48.
Gestützt auf diesen Glauben der Kirche, erklärte die Synode von Trient
,,offen und eindeutig, daß in dem erhabenen Sakrament der Eucharistie nach der
Konsekration von Brot und Wein unser Herr Jesus Christus als wahrer Gott und
Mensch wahrhaft, wesentlich und wirklich unter der Gestalt jener sichtbaren
Dinge gegenwärtig ist“. Deswegen ist unser Erlöser nach seiner Menschheit
gegenwärtig nicht nur zur Rechten des Vaters, nach der natürlichen
Existenzweise, sondern zugleich auch im Sakrament der Eucharistie, ,,in einer
Daseinsweise, die wir zwar kaum in Worten auszudrücken vermögen, dennoch mit der
vom Glauben erleuchteten Vernunft als für Gott möglich erkennen können und
standhaft glauben müssen“ 49.
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