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CHRISTUS DER HERR IST IM SAKRAMENT DER EUCHARISTIE GEGENWÄRTIG DURCH DIE
WESENSVERWANDLUNG
Damit aber niemand diese Weise der Gegenwart, die über die Naturgesetze
hinausgeht und das größte aller Wunder in seiner Art bewirkt50, falsch
verstehe, sollten wir mit aufnahmebereitem Geist der Stimme der lehrenden und
betenden Kirche folgen. Nun versichert uns diese Stimme - Echo der Stimme
Christi -, daß Christus in diesem Sakrament nicht anders gegenwärtig wird als
durch die Wandlung der ganzen Substanz des Brotes in seinen Leib und der ganzen
Substanz des Weines in sein Blut, eine ganz wunderbare und einzigartige Wandlung,
die die katholische Kirche passend und im eigentlichen Sinn Wesensverwandlung
nennt. 51 Nach der Wesensverwandlung erhalten die Gestalten des Brotes
und Weines ohne Zweifel eine neue Bedeutung und einen neuen Zweck, da sie von
da an nicht mehr gewöhnliches Brot und gewöhnlicher Trank sind, sondern Zeichen
einer heiligen Sache und Zeichen geistiger Speise; aber sie erhalten deshalb
eine neue Bedeutung und einen neuen Zweck, weil sie eine neue ,,Wirklichkeit“
enthalten, die wir mit Recht ontologisch nennen. Denn unter den vorhin
genannten Gestalten ist nicht mehr das, was vorher war, sondern etwas ganz
Anderes; und zwar nicht nur in der Glaubensmeinung der Kirche, sondern in der
Sache selbst, da nach der Wandlung der Substanz oder des Wesens des Brotes und
Weines in den Leib und das Blut Christi von Brot und Wein nichts bleiben als
die Gestalten, unter denen der ganze und unversehrte Christus in seiner
physischen Wirklichkeit auch körperlich gegenwärtig ist, wenn auch nicht auf
die Weise, in der Körper sich an ihrem Ort befinden.
Darum hielten es die Väter für wichtig, die Gläubigen zu ermahnen, daß sie
bei der Betrachtung dieses erhabensten Sakramentes nicht den Sinnen trauen, die
die Eigenschaften von Brot und Wein wiedergeben, sondern den Worten Christi,
die eine solche Kraft haben, daß sie das Brot und den Wein in seinen Leib und
sein Blut wandeln, umformen und ,,zu neuen Elementen machen“; da ja, wie
dieselben Väter oft sagen, die Kraft, die das vollbringt, dieselbe Kraft des
allmächtigen Gottes ist, die am Anfang der Zeit das All aus dem Nichts
geschaffen hat.
,,Durch dies belehrt und durchdrungen von dem sichersten Glauben“, sagt der
heilige Cyrill von Jerusalem am Schluß seiner Predigt über die
Glaubensgeheimnisse, ,,daß das, was Brot scheint, kein Brot ist, trotz des
Geschmackseindrucks, sondern der Leib Christi, und das, was Wein scheint, kein
Wein ist, auch wenn es dem Geschmack so vorkommt, sondern das Blut Christi ...
mach dein Herz stark, indem du jenes Brot als geistliches nimmst, und mach dein
inneres Antlitz froh“ 52.
Der heilige Chrysostomus betont: ,,Nicht der Mensch bewirkt, daß die Gaben
Leib und Blut Christi werden, sondern Christus selbst, der für uns gekreuzigt
worden ist. Der Priester, der jene Worte spricht, stellt Christus dar, aber die
Kraft und die Gnade ist Gottes. ,Das ist mein Leib', sagt er; dieses Wort
wandelt die Gaben“ 53
Dem Bischof Johannes von Konstantinopel stimmt der Bischof Cyrill von
Alexandrien zu, der in seinem Kommentar zum Matthäusevangelium schreibt: ,,Er
sagte aber hinweisend ,das ist mein Leib‘ und ,das ist mein Blut‘, damit man
nicht glaubt, das, was sichtbar ist, sei nur ein Bild, sondern daß auf
geheimnisvolle Weise vom allmächtigen Gott wahrhaft die Opfergaben umgewandelt
werden in den Leib und das Blut Christi, durch die wir - ihrer teilhaft
geworden - die lebendige und heiligende Kraft Christi empfangen“ 54.
Ambrosius, der Bischof von Mailand, spricht klar die eucharistische
Wandlung aus: ,,Stimmen wir zu , sagte er, ,,daß es nicht das ist, was die
Natur geformt hat, sondern was die Segnung geheiligt hat, und daß die Segnung
eine größere Kraft hat als die Natur, weil durch sie auch die Natur selbst
geändert wird“. Im Bestreben, die Wahrheit des Geheimnisses zu bekräftigen,
führt er viele Beispiele von in der Heiligen Schrift berichteten Wundern an,
unter ihnen auch die Geburt Jesu Christi aus der Jungfrau Maria; nachdem er
dann auf das Werk der Schöpfung hingewiesen hat, schließt er mit den Worten:
,,Das Wort Christi also, das das aus Nichts machen kann, was vorher nicht war,
kann es nicht das, was ist, in etwas verändern, was es vorher nicht war? Denn
es ist nicht geringer, den Dingen eine neue Natur zu geben als ihre Natur zu
ändern“ 55. Aber es ist nicht notwendig, viele Zeugnisse
zusammenzutragen. Es hilft mehr, an die Festigkeit des Glaubens zu erinnern,
mit der die Kirche einstimmig Berengar widerstand, der den Schwierigkeiten der
menschlichen Vernunft nachgab und zuerst die eucharistische Wandlung zu leugnen
gewagt hat; die Kirche hat ihm mehrmals Verurteilung angedroht, wenn er nicht
widerrufe. Unser Vorgänger, der heilige Gregor VII., befahl ihm folgenden Eid
zu schwören: ,,Ich glaube von Herzen und bekenne mit dem Mund, daß das Brot und
der Wein, die auf den Altar gelegt werden, durch das Geheimnis des heiligen
Gebetes und die Worte unseres Erlösers wesentlich gewandelt werden in das wahre
und eigene und lebenspendende Fleisch und Blut Jesu Christi, unseres Herrn, und
daß es nach der Wandlung der wahre Leib Christi ist, der aus der Jungfrau
geboren wurde, der für das Heil der Welt geopfert am Kreuze hing und der zur
Rechten des Vaters sitzt, sowie das wahre Blut Christi, das aus seiner Seite
vergossen wurde, nicht nur durch das Zeichen und die Kraft des Sakramentes,
sondern in der eigenen Natur und in seiner wirklichen Substanz“ 56.
Mit diesen Worten stimmt als wunderbares Beispiel der Unveränderlichkeit
des katholischen Glaubens überein, was die Ökumenischen Konzilien vom Lateran,
von Konstanz, von Florenz und schließlich von Trient über das Geheimnis der
eucharistischen Wandlung beständig durch die Darlegung der Lehre der Kirche und
die Verurteilung der Irrtümer gelehrt haben.
Nach dem Trienter Konzil rief Unser Vorgänger Pius VI. angesichts der
Irrtümer der Synode von Pistoia nachdrücklich dazu auf, daß die Pfarrer in
ihrer Unterweisung nicht unterlassen sollen, die Wesensverwandlung zu erwähnen,
die zu den Artikeln des Glaubens gehört. 57 Ebenso hat Unser Vorgänger
Pius XII. an die Grenzen erinnert, die jene nicht überschreiten dürfen, die
über das Geheimnis der Wesensverwandlung scharfsinnig disputieren. 58
Wir selbst haben beim Eucharistischen Kongreß Italiens in Pisa vor kurzem gemäß
Unserem apostolischen Amt den Glauben der Kirche offen und feierlich bezeugt.
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Im übrigen hat die katholische Kirche den Glauben an die Gegenwart des
Leibes und Blutes Christi in der Eucharistie nicht nur in der Lehre, sondern auch
im Leben festgehalten, da sie dieses so große Sakrament zu allen Zeiten mit dem
latreutischen Kult, der nur Gott gebührt, verehrt hat. Davon sagt der heilige
Augustinus: ,,In seinem Fleisch ist der Herr auf Erden gewandelt, und dieses
Fleisch hat er uns zur Speise, zum Heil gegeben; niemand aber ißt dieses
Fleisch, bevor er es nicht angebetet hat ... und wir sündigen keineswegs, wenn
wir es anbeten, sondern wir sündigen, wenn wir es nicht anbeten“ 60.
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