|
DER KULT DER ANBETUNG, DER DEM SAKRAMENT DER
EUCHARISTIE GEBÜHRT
Die katholische Kirche hat diesen Kult der Anbetung, der dem Sakrament der
Eucharistie gebührt, nicht nur innerhalb der Meßfeier, sondern auch außerhalb
erwiesen und erweist ihn auch heute noch, indem sie die konsekrierten Hostien
mit größter Sorgfalt aufbewahrt, sie den Gläubigen zur feierlichen Verehrung
darbietet und sie in Prozessionen unter freudiger Anteilnahme des Volkes
umherträgt.
Für diese Art der Verehrung haben wir zahlreiche altkirchliche Zeugnisse. So
schärften die Seelsorger den Gläubigen immer wieder ein, die heilige
Eucharistie, die sie bei sich zu Hause hatten, mit großer Ehrfurcht
aufzubewahren. Der heilige Hippolyt z.B. mahnt nachdrücklich: ,,Der Leib
Christi soll von den Gläubigen genossen, aber nicht verunehrt werden“
61. Die Gläubigen hielten sich auch wirklich für schuldig - und mit
vollem Recht, wie Origenes schreibt -, wenn nach dem Erhalt des Herrenleibes
trotz aller Vorsicht und Ehrfurcht etwas davon durch Nachlässigkeit verlorenging.
62
Novatian, dem man in diesem Punkt glauben kann, bezeugt, daß die Seelsorger
jeden vorkommenden Mangel an gebührender Ehrfurcht streng tadelten; er hielt
jeden der Verdammung würdig, ,,der nach Beendigung des Gottesdienstes die
Eucharistie wie üblich mit sich führt ... und den heiligen Leib des Herrn bei
sich tragend“ nicht in sein Haus, sondern ins Theater geht. 63
Der heilige Cyrill von Alexandrien weist die Auffassung, die heilige
Eucharistie werde für die Heiligung wertlos, wenn das, was von ihr übrigbleibe,
für den nächsten Tag aufbewahrt werde, als unsinnig zurück. ,,Denn“, so sagt
er, ,,weder Christus noch sein heiliger Leib werden geändert; vielmehr bleiben
die Kraft, die Macht und die bleibende lebenspendende Gnade der Segnung
fortbestehen“ 64.
Man darf weiter nicht außer acht lassen, daß die Gläubigen früher in Zeiten
der Verfolgung oder wenn sie aus Liebe zum monastischen Leben in der Einsamkeit
lebten, sich auch täglich mit der heiligen Eucharistie stärkten und - wenn kein
Priester oder Diakon zugegen war - sich selbst die heilige Kommunion reichten.
65
Dies führen Wir aber nicht an, um etwas an dem später durch Kirchengesetze
vorgeschriebenen und auch heute geltenden Brauch zu ändern, wie die Eucharistie
aufbewahrt und die heilige Kommunion empfangen wird; vielmehr sagen Wir es, um
des Glaubens der Kirche froh zu werden, der stets ein und derselbe bleibt.
Diesem gleichen Glauben verdankt auch das Fronleichnamsfest seinen Ursprung,
das zum ersten Mal in der Diözese Lüttich, besonders durch das Bemühen der
seligen Dienerin Gottes Juliana vom Kornelienberg, gefeiert wurde. Unser
Vorgänger Urban IV. führte es für die ganze Kirche ein. Unter dem Einfluß der
göttlichen Gnade entstanden im Laufe der Zeit immer mehr Einrichtungen
eucharistischer Frömmigkeit. In ihnen bemüht sich die katholische Kirche
gleichsam wetteifernd, Christus Ehre zu erweisen, ihm für ein so großes
Geschenk zu danken und seine Barmherzigkeit zu erflehen.
|