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MAHNUNG ZUR FÖRDERUNG EUCHARISTISCHEN KULTES
Wir bitten Euch daher, ehrwürdige Brüder, diesen Glauben, der ja nichts
anderes will als treu an den Worten Christi und der Apostel festzuhalten, von allen
falschen und schädlichen Auffassungen freizuhalten, ihn unter dem Eurer wachen
Sorge anvertrauten Volk rein und unversehrt zu bewahren und den eucharistischen
Kult, in den schließlich alle übrigen Formen der Frömmigkeit hineinführen und
einmünden müssen, in Wort und Tat unermüdlich zu fördern.
Dringt darauf, daß die Gläubigen es mehr und mehr einsehen und erfahren:
,,Wer leben will, findet hier, wo und wovon er leben kann. Er trete hinzu, er
glaube, lasse sich eingliedern, damit er belebt werde. Er verzichte nicht auf
die Verbindung mit den Gliedern; er sei kein abgestorbenes Glied, das
abgeschnitten zu werden verdient, kein entstelltes, dessen man sich schämen
muß; er sei vielmehr ein schönes, taugliches und gesundes Glied; er bleibe
verbunden mit dem Leib, er lebe für Gott und von Gott; er mühe sich jetzt auf
Erden, um dann im Himmel zu herrschen“ 66.
Die Gläubigen mögen so oft wie möglich, am besten täglich, tätig am
Meßopfer teilnehmen, mit reinem und frommem Herzen sich durch die heilige Kommunion
stärken und Christus, dem Herrn, auch gebührend für ein so großes Geschenk
danken. Sie mögen an folgende Worte denken: ,,Der Wunsch Jesu Christi und der
Kirche, daß alle Gläubigen täglich zum heiligen Mahl hinzutreten, hat vor allem
den Sinn, daß sie - durch das Sakrament mit Gott verbunden - daraus Kraft
schöpfen, die Leidenschaften zu beherrschen, die täglichen läßlichen Sünden zu
tilgen und sich vor dem Fall in schwere Sünden, dem die menschliche Schwachheit
immer ausgesetzt ist, zu bewahren“ 67. Außerdem sollen sie es nicht
unterlassen, das allerheiligste Sakrament, - das an einem bevorzugten Ort und
mit größter Ehrfurcht den liturgischen Gesetzen entsprechend in den Kirchen
aufzubewahren ist - tagsüber zu besuchen; eine solche Besuchung ist ein Beweis
der Dankbarkeit und ein Zeichen der Liebe und der schuldigen Verehrung
gegenüber Christus, dem Herrn, der hierin gegenwärtig ist.
Es liegt auf der Hand, daß die heilige Eucharistie dem christlichen Volk
eine unschätzbare Würde verleiht. Denn nicht nur dann, wenn das Opfer
dargebracht und das Sakrament vollzogen wird, sondern auch nach der Darbringung
des Opfers und nach dem Vollzug des Sakramentes, bei der Aufbewahrung der
heiligen Eucharistie in den Kirchen oder in den Oratorien, ist Christus der
wahre Emanuel, d.h. der ,,Gott mit uns“. Tag und Nacht weilt er in unserer
Mitte und wohnt in uns voll der Gnade und Wahrheit. 68 Er formt unser
sittliches Verhalten, er nährt die Tugenden, tröstet die Trauernden, stärkt die
Schwachen und lädt alle, die zu ihm kommen, zu seiner Nachfolge ein, damit sie
an seinem Beispiel lernen, sanftmütig und demütig von Herzen zu sein und nicht
sich, sondern Gott zu suchen. Jeder, der eine besondere Andacht zur heiligen
Eucharistie hat und sich bemüht, die unendliche Liebe Christi zu uns
vorbehaltlos und großmütig zu erwidern, erfährt daher und erfaßt zutiefst mit
großer innerer Freude und Frucht, welchen hohen Wert ein Leben hat, das mit
Christus in Gott verborgen ist69 und was es bedeutet, mit Christus
Zwiesprache zu pflegen: hier auf Erden das Beglückendste und auf dem Weg zur
Heiligkeit das Wirksamste.
Ihr wißt auch, ehrwürdige Brüder, daß die heilige Eucharistie in Kirchen
und Oratorien aufbewahrt wird als geistlicher Mittelpunkt einer Ordensgemeinschaft
oder Pfarrgemeinde, ja der gesamten Kirche und der ganzen Menschheit, da sie
unter dem Schleier der Gestalten Christus, das unsichtbare Haupt der Kirche,
den Erlöser der Welt, den Mittelpunkt aller Herzen enthält, ,,durch den alles
ist und durch den wir sind“ 70.
Deshalb drängt auch der Kult der heiligen Eucharistie nachdrücklich zur
,,sozialen“ Liebe71, aufgrund derer wir das Gemeinwohl dem Privatwohl
vorziehen, die Sache der Gemeinschaft, der Pfarrei, der Gesamtkirche zu der unsrigen
machen und die Liebe auf die ganze Welt ausdehnen, weil wir wissen, daß es
überall Glieder Christi gibt.
Da also, ehrwürdige Brüder, das Sakrament der heiligen Eucharistie Zeichen
und Ursache der Einheit des mystischen Leibes Christi ist und in denen, die es
mit großem Eifer verehren, ein sogenanntes tätiges Kirchenbewußtsein weckt, so
unterlaßt es nicht, euren Gläubigen immer wieder nahezulegen, daß sie lernen -
wenn sie zum eucharistischen Geheimnis hinzutreten -, die Sache der Kirche zu
ihrer eigenen zu machen, unablässig zu Gott zu beten und sich selbst dem Herrn
als wohlgefälliges Opfer für den Frieden und die Einheit der Kirche
darzubringen, damit alle Söhne der Kirche eins und eines Sinnes seien und unter
ihnen keine Spaltungen aufkommen, sondern nach der Vorschrift des
Apostels72 alle vollkommen einmütig und einer Meinung seien. So sollen
sich auch alle, die noch nicht in vollkommener Gemeinschaft mit der
katholischen Kirche verbunden sind - sofern sie von ihr getrennt doch den christlichen
Namen tragen und sich dessen rühmen - mit Hilfe der Gnade Gottes möglichst bald
mit uns zusammen jener Einheit des Glaubens und jener Gemeinschaft erfreuen,
die nach dem Willen Christi seinen Jüngern eigen sein sollen.
Dieses Verlangen, für die Einheit der Kirche zu beten und sich für sie zu
weihen, sollen vor allem die Ordensleute - Männer und Frauen - als ihre Aufgabe
ansehen, die in besonderer Weise zur Anbetung des allerheiligsten Sakramentes
beauftragt sind und durch ihre Gelübde gleichsam seine Krone hier auf Erden
werden.
Das Streben nach der Einheit aller Christen, das der Kirche von alters her
sehr am Herzen gelegen hat und auch liegt, wollen Wir von neuem mit den Worten
ausdrücken, mit denen seinerzeit das Konzil von Trient das Dekret über die
heilige Eucharistie schloß: ,,Väterlich ermahnt, bittet und beschwört bei der
,barmherzigen Liebe unseres Gottes‘73 die heilige Synode alle und jeden
einzelnen, die sich Christen nennen, endlich in diesem Zeichen der Einheit, in
diesem Band der Liebe, in diesem Symbol der Eintracht zusammenzufinden und eins
zu werden; sie mögen an die so große Majestät und die so einzigartige Liebe
unseres Herrn Jesus Christus denken, der sein Leben als Preis für unser Heil
und ,sein Fleisch' uns ,zur Speise‘74 gegeben hat; sie mögen diese
heiligen Geheimnisse seines Leibes und Blutes mit solcher festen
Unerschütterlichkeit des Glaubens, mit solcher Andacht, Frömmigkeit und
Hingebung glauben und verehren, daß sie jenes ,übernatürliche‘75 Brot häufig
empfangen können; es sei ihnen wirklich Leben der Seele und ständige Gesundheit
des Geistes, ,durch dessen Kraft gestärkt‘76 sie vom Weg dieser
mühseligen Pilgerschaft zur himmlischen Heimat gelangen können, wo sie das
,Brot der Engel‘77, das sie jetzt unter heiliger Verhüllung essen,
unverschleiert genießen werden“ 78.
Möge der gütige Erlöser, der im Angesicht des Todes zum Vater betete, daß
alle, die an ihn glauben würden, eins sein sollten, wie er selbst und sein
Vater eins sind79, Unser und der ganzen Kirche sehnliches Verlangen
baldigst erfüllen, daß wir alle einmütig im gleichen Glauben das eucharistische
Geheimnis feiern und - Teilhaber am Leibe Christi geworden -einen Leib
bilden80, durch die gleichen Bande zusammengehalten, durch die er nach
seinem Willen gebildet werden soll.
Schließlich wenden Wir Uns noch in brüderlicher Liebe an alle, die den
ehrwürdigen Kirchen des Ostens angehören, denen so zahlreiche berühmte Väter
entstammen und deren Zeugnis vom Glauben an die Eucharistie Wir gerne in dieses
Unser Schreiben aufgenommen haben. Es ist für uns eine besondere Freude, wenn
Wir sehen, wie Euer Glaube an die Eucharistie auch der Unsrige ist, wenn Wir
auf die liturgischen Gebete lauschen, mit denen Ihr das so große Geheimnis
feiert, wenn Wir Euren eucharistischen Kult sehen, wenn Wir Eure Theologen
lesen, die die Lehre von diesem allerheiligsten Sakrament darlegen und
verteidigen.
Die allerseligste Jungfrau Maria, von der Christus der Herr jenes Fleisch annahm,
das in diesem Sakrament unter den Gestalten von Brot und Wein ,,enthalten ist,
dargebracht und genossen wird“ 81, und alle Heiligen, vor allem jene,
die eine besonders innige Verehrung zur heiligen Eucharistie hatten, mögen den
Vater der Barmherzigkeit bitten, daß aus dem uns gemeinsamen Glauben und dem
gemeinsamen eucharistischen Kult die vollkommene Einheit der Gemeinschaft
aller, die sich Christen nennen, entstehe und erblühe. Es mögen sich unserem
Geist die Worte des heiligen Märtyrers Ignatius einprägen, mit denen er die
Gemeinde von Philadelphia vor dem Übel der Trennungen und Spaltungen warnte,
deren Heilmittel in der Eucharistie besteht: ,,Bemüht euch daher“, sagt er,
,,die eine Danksagung zu feiern. Es gibt nur ein Fleisch unseres Herrn Jesus
Christus; es gibt nur einen Kelch in der Einheit seines Blutes, nur einen
Altar, einen Bischof ...“ 82.
In der zuversichtlichen Hoffnung auf das Gute, das aus dem Wachstum des
eucharistischen Kultes für die ganze Kirche und für die ganze Welt erwachsen
wird, spenden Wir Euch, ehrwürdige Brüder, den Priestern, den Ordensleuten,
allen Euren Mitarbeitern und allen Eurer Sorge anvertrauten Gläubigen als
Zeichen der Gnade des Himmels von ganzem Herzen den Apostolischen Segen.
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