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| Paul VI. Mysterium fidei IntraText CT - Text |
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MAHNUNG ZUR FÖRDERUNG EUCHARISTISCHEN KULTES
Wir bitten Euch daher, ehrwürdige Brüder, diesen Glauben, der ja nichts anderes will als treu an den Worten Christi und der Apostel festzuhalten, von allen falschen und schädlichen Auffassungen freizuhalten, ihn unter dem Eurer wachen Sorge anvertrauten Volk rein und unversehrt zu bewahren und den eucharistischen Kult, in den schließlich alle übrigen Formen der Frömmigkeit hineinführen und einmünden müssen, in Wort und Tat unermüdlich zu fördern. Dringt darauf, daß die Gläubigen es mehr und mehr einsehen und erfahren: ,,Wer leben will, findet hier, wo und wovon er leben kann. Er trete hinzu, er glaube, lasse sich eingliedern, damit er belebt werde. Er verzichte nicht auf die Verbindung mit den Gliedern; er sei kein abgestorbenes Glied, das abgeschnitten zu werden verdient, kein entstelltes, dessen man sich schämen muß; er sei vielmehr ein schönes, taugliches und gesundes Glied; er bleibe verbunden mit dem Leib, er lebe für Gott und von Gott; er mühe sich jetzt auf Erden, um dann im Himmel zu herrschen“ 66.
Die Gläubigen mögen so oft wie möglich, am besten täglich, tätig am Meßopfer teilnehmen, mit reinem und frommem Herzen sich durch die heilige Kommunion stärken und Christus, dem Herrn, auch gebührend für ein so großes Geschenk danken. Sie mögen an folgende Worte denken: ,,Der Wunsch Jesu Christi und der Kirche, daß alle Gläubigen täglich zum heiligen Mahl hinzutreten, hat vor allem den Sinn, daß sie - durch das Sakrament mit Gott verbunden - daraus Kraft schöpfen, die Leidenschaften zu beherrschen, die täglichen läßlichen Sünden zu tilgen und sich vor dem Fall in schwere Sünden, dem die menschliche Schwachheit immer ausgesetzt ist, zu bewahren“ 67. Außerdem sollen sie es nicht unterlassen, das allerheiligste Sakrament, - das an einem bevorzugten Ort und mit größter Ehrfurcht den liturgischen Gesetzen entsprechend in den Kirchen aufzubewahren ist - tagsüber zu besuchen; eine solche Besuchung ist ein Beweis der Dankbarkeit und ein Zeichen der Liebe und der schuldigen Verehrung gegenüber Christus, dem Herrn, der hierin gegenwärtig ist.
Es liegt auf der Hand, daß die heilige Eucharistie dem christlichen Volk eine unschätzbare Würde verleiht. Denn nicht nur dann, wenn das Opfer dargebracht und das Sakrament vollzogen wird, sondern auch nach der Darbringung des Opfers und nach dem Vollzug des Sakramentes, bei der Aufbewahrung der heiligen Eucharistie in den Kirchen oder in den Oratorien, ist Christus der wahre Emanuel, d.h. der ,,Gott mit uns“. Tag und Nacht weilt er in unserer Mitte und wohnt in uns voll der Gnade und Wahrheit. 68 Er formt unser sittliches Verhalten, er nährt die Tugenden, tröstet die Trauernden, stärkt die Schwachen und lädt alle, die zu ihm kommen, zu seiner Nachfolge ein, damit sie an seinem Beispiel lernen, sanftmütig und demütig von Herzen zu sein und nicht sich, sondern Gott zu suchen. Jeder, der eine besondere Andacht zur heiligen Eucharistie hat und sich bemüht, die unendliche Liebe Christi zu uns vorbehaltlos und großmütig zu erwidern, erfährt daher und erfaßt zutiefst mit großer innerer Freude und Frucht, welchen hohen Wert ein Leben hat, das mit Christus in Gott verborgen ist69 und was es bedeutet, mit Christus Zwiesprache zu pflegen: hier auf Erden das Beglückendste und auf dem Weg zur Heiligkeit das Wirksamste.
Ihr wißt auch, ehrwürdige Brüder, daß die heilige Eucharistie in Kirchen und Oratorien aufbewahrt wird als geistlicher Mittelpunkt einer Ordensgemeinschaft oder Pfarrgemeinde, ja der gesamten Kirche und der ganzen Menschheit, da sie unter dem Schleier der Gestalten Christus, das unsichtbare Haupt der Kirche, den Erlöser der Welt, den Mittelpunkt aller Herzen enthält, ,,durch den alles ist und durch den wir sind“ 70. Deshalb drängt auch der Kult der heiligen Eucharistie nachdrücklich zur ,,sozialen“ Liebe71, aufgrund derer wir das Gemeinwohl dem Privatwohl vorziehen, die Sache der Gemeinschaft, der Pfarrei, der Gesamtkirche zu der unsrigen machen und die Liebe auf die ganze Welt ausdehnen, weil wir wissen, daß es überall Glieder Christi gibt.
Da also, ehrwürdige Brüder, das Sakrament der heiligen Eucharistie Zeichen und Ursache der Einheit des mystischen Leibes Christi ist und in denen, die es mit großem Eifer verehren, ein sogenanntes tätiges Kirchenbewußtsein weckt, so unterlaßt es nicht, euren Gläubigen immer wieder nahezulegen, daß sie lernen - wenn sie zum eucharistischen Geheimnis hinzutreten -, die Sache der Kirche zu ihrer eigenen zu machen, unablässig zu Gott zu beten und sich selbst dem Herrn als wohlgefälliges Opfer für den Frieden und die Einheit der Kirche darzubringen, damit alle Söhne der Kirche eins und eines Sinnes seien und unter ihnen keine Spaltungen aufkommen, sondern nach der Vorschrift des Apostels72 alle vollkommen einmütig und einer Meinung seien. So sollen sich auch alle, die noch nicht in vollkommener Gemeinschaft mit der katholischen Kirche verbunden sind - sofern sie von ihr getrennt doch den christlichen Namen tragen und sich dessen rühmen - mit Hilfe der Gnade Gottes möglichst bald mit uns zusammen jener Einheit des Glaubens und jener Gemeinschaft erfreuen, die nach dem Willen Christi seinen Jüngern eigen sein sollen. Dieses Verlangen, für die Einheit der Kirche zu beten und sich für sie zu weihen, sollen vor allem die Ordensleute - Männer und Frauen - als ihre Aufgabe ansehen, die in besonderer Weise zur Anbetung des allerheiligsten Sakramentes beauftragt sind und durch ihre Gelübde gleichsam seine Krone hier auf Erden werden.
Das Streben nach der Einheit aller Christen, das der Kirche von alters her sehr am Herzen gelegen hat und auch liegt, wollen Wir von neuem mit den Worten ausdrücken, mit denen seinerzeit das Konzil von Trient das Dekret über die heilige Eucharistie schloß: ,,Väterlich ermahnt, bittet und beschwört bei der ,barmherzigen Liebe unseres Gottes‘73 die heilige Synode alle und jeden einzelnen, die sich Christen nennen, endlich in diesem Zeichen der Einheit, in diesem Band der Liebe, in diesem Symbol der Eintracht zusammenzufinden und eins zu werden; sie mögen an die so große Majestät und die so einzigartige Liebe unseres Herrn Jesus Christus denken, der sein Leben als Preis für unser Heil und ,sein Fleisch' uns ,zur Speise‘74 gegeben hat; sie mögen diese heiligen Geheimnisse seines Leibes und Blutes mit solcher festen Unerschütterlichkeit des Glaubens, mit solcher Andacht, Frömmigkeit und Hingebung glauben und verehren, daß sie jenes ,übernatürliche‘75 Brot häufig empfangen können; es sei ihnen wirklich Leben der Seele und ständige Gesundheit des Geistes, ,durch dessen Kraft gestärkt‘76 sie vom Weg dieser mühseligen Pilgerschaft zur himmlischen Heimat gelangen können, wo sie das ,Brot der Engel‘77, das sie jetzt unter heiliger Verhüllung essen, unverschleiert genießen werden“ 78. Möge der gütige Erlöser, der im Angesicht des Todes zum Vater betete, daß alle, die an ihn glauben würden, eins sein sollten, wie er selbst und sein Vater eins sind79, Unser und der ganzen Kirche sehnliches Verlangen baldigst erfüllen, daß wir alle einmütig im gleichen Glauben das eucharistische Geheimnis feiern und - Teilhaber am Leibe Christi geworden -einen Leib bilden80, durch die gleichen Bande zusammengehalten, durch die er nach seinem Willen gebildet werden soll.
Schließlich wenden Wir Uns noch in brüderlicher Liebe an alle, die den ehrwürdigen Kirchen des Ostens angehören, denen so zahlreiche berühmte Väter entstammen und deren Zeugnis vom Glauben an die Eucharistie Wir gerne in dieses Unser Schreiben aufgenommen haben. Es ist für uns eine besondere Freude, wenn Wir sehen, wie Euer Glaube an die Eucharistie auch der Unsrige ist, wenn Wir auf die liturgischen Gebete lauschen, mit denen Ihr das so große Geheimnis feiert, wenn Wir Euren eucharistischen Kult sehen, wenn Wir Eure Theologen lesen, die die Lehre von diesem allerheiligsten Sakrament darlegen und verteidigen. Die allerseligste Jungfrau Maria, von der Christus der Herr jenes Fleisch annahm, das in diesem Sakrament unter den Gestalten von Brot und Wein ,,enthalten ist, dargebracht und genossen wird“ 81, und alle Heiligen, vor allem jene, die eine besonders innige Verehrung zur heiligen Eucharistie hatten, mögen den Vater der Barmherzigkeit bitten, daß aus dem uns gemeinsamen Glauben und dem gemeinsamen eucharistischen Kult die vollkommene Einheit der Gemeinschaft aller, die sich Christen nennen, entstehe und erblühe. Es mögen sich unserem Geist die Worte des heiligen Märtyrers Ignatius einprägen, mit denen er die Gemeinde von Philadelphia vor dem Übel der Trennungen und Spaltungen warnte, deren Heilmittel in der Eucharistie besteht: ,,Bemüht euch daher“, sagt er, ,,die eine Danksagung zu feiern. Es gibt nur ein Fleisch unseres Herrn Jesus Christus; es gibt nur einen Kelch in der Einheit seines Blutes, nur einen Altar, einen Bischof ...“ 82. In der zuversichtlichen Hoffnung auf das Gute, das aus dem Wachstum des eucharistischen Kultes für die ganze Kirche und für die ganze Welt erwachsen wird, spenden Wir Euch, ehrwürdige Brüder, den Priestern, den Ordensleuten, allen Euren Mitarbeitern und allen Eurer Sorge anvertrauten Gläubigen als Zeichen der Gnade des Himmels von ganzem Herzen den Apostolischen Segen.
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66 Augustinus, In Ioann., tract. 26, 13: PL 35, 1613. 67 Dekret der Konzilskongregation vom 20. 12. 1905, approbiert von Pius X.: ASS 38 (1905) 401. 68 Vgl. Joh 1,14. 69 Vgl. Kol 3,3. 70 1 Kor 8,6. 71 Vgl. Augustinus, De gen. ad litt. 11, 15, 20: PL 34, 437. 72 Vgl. 1 Kor 1,10. 73 Lk 1,78. 74 Joh 6,48 ff. 75 Mt 6,11 [Vulgata-Text: supersubstantialem]. 76 1 Kön 19,8. 77 Ps 77,25. 78 Dekret über die heiligste Eucharistie, Kap. 8. 79 Vgl. Joh 17,20 f. 80 Vgl. 1 Kor 10,17. 81 CIC, can. 801. 82 Epist. ad Philadelph. 4: PG 5, 700. |
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