3. Zum größeren
Wohle des ungarischen Volkes verfügte die göttliche Vorsehung vor tausend
Jahren, daß ein Mann mit einzigartiger Umsicht, außergewöhnlichem Talent und
großer Weisheit von Papst Silvester die Krone erhielt, mit der er am
Weihnachtsfest des Jahres 1000 gekrönt wurde. Im Laufe weniger Jahre wurde der
ungarische Staat unabhängig und reihte sich in die Schar der europäischen
Reiche ein.
Stephan nahm die Krone nicht als
Ehrung, sondern als Dienst an, und in allen Situationen suchte er immer das
Wohl der ihm anvertrauten Gemeinschaft, sowohl durch die Organisation und
Verteidigung des Reiches als auch durch den Erlaß neuer Gesetze und durch die
Entfaltung der beiden Kulturen, der menschlichen und der göttlichen. König
Stephan ließ sich in keiner Weise von der Faszination seiner eigenen Vorteile
und Erfolge hinreißen. Nachdem er den Verlockungen seiner Zeit widerstanden
hatte, fand er eine lebendige Quelle: Aus ihr schöpfte er und stärkte dadurch
seinen Geist für die Leitung seines Volkes mit treuer Dienstbarkeit. Diese
geistige Quelle wird von einem Schriftsteller kurz und treffend mit folgenden
Worten zusammengefaßt: »Er trat immer so auf, als befände er sich vor dem
Gericht Christi, dessen Gegenwart er mit seinen inneren Augen und mit einem
respektgebietenden Gesicht betrachtete; dadurch bewies er, Christus auf den
Lippen, im Herzen und in all seinem Tun zu tragen« (vgl. Legenda maior
S. Stephani, c. 20; Scrittori della storia ungherese al tempo dei
comandanti e dei re della stirpe Arpadiana, hrsg. von E. Szentpetery, I
–II, Budapest 1937/1938, 11, 392).
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