5. Wir erinnern
bei diesem in der Staatsführung so bedeutenden Mann an dessen besondere
Wesensart, die ihn dazu brachte, die schweren, mit der Organisation des Reiches
verbundenen Probleme erfolgreich in Angriff zu nehmen. Seine Biographen
berichten, daß Stephans Geist immer dem Gebet zugetan war und er immer Zeit zum
Beten fand, obwohl die vielen Verpflichtungen des Regierens auf ihm lasteten.
Diese Einstellung scheint im Libellus de institutione morum durch, das
für seinen Sohn Emerich geschrieben wurde: »Die Einhaltung des Gebets ist die
größte Errungenschaft des wahren Heils […] Das ständige Gebet bedeutet
Läuterung und Vergebung der Sünden […] Und du, mein Sohn, sollst jedesmal, wenn
du dich in den Tempel Gottes begibst, Gott wie Salomo, Sohn des Königs,
anbeten, und auch du sollst als König stets sagen: ›Schicke, Herr, die Weisheit
deiner Größe, damit sie bei mir sei und an mir wirke, damit ich verstehe, was
dir wohlgefällt zu jeder Zeit‹« (vgl. hl. Stephan, Libellus de institutione
morum a Emericum ducem, c. 9).
Diesen Aspekt möchte ich
besonders hervorheben, nämlich daß ich die Förderung eines Geistes des Gebets
zu Beginn des neuen Jahrtausends sehr schätze, wie ich in meinem jüngsten
Apostolischen Schreiben aufzeigte: »Für diese ›Pädagogik der Heiligkeit‹
braucht es ein Christentum, das sich vor allem durch die Kunst des Gebets
auszeichnet. … Beten muß man lernen. … Besonders angesichts der zahlreichen
Prüfungen, vor die die heutige Welt den Glauben stellt, wären sie nicht nur
mittelmäßige Christen, sondern ›gefährdete Christen‹. Denn sie würden das
gefährliche Risiko eingehen, ihren Glauben allmählich schwinden zu sehen.
Schließlich würden sie womöglich dem Reiz von ›Surrogaten‹ erliegen, indem sie
alternative religiöse Angebote annehmen und sogar den seltsamen Formen des
Aberglaubens nachgeben« (Novo millennio ineunte, 32. 34).
|