|
Meine Mutter packte selbst
meinen Koffer; mit jedem Hemde hat sie auch eine gute Lehre hineingepackt. Die
Wäscherinnen haben mir späterhin alle diese Hemde mitsamt den guten
Lehren vertauscht. Mein Vater war tief bewegt; und er gab mir einen langen
Zettel, worin er artikelweis aufgeschrieben, wie ich mich in dieser Welt zu verhalten habe. Der
erste Artikel lautete: daß ich jeden Dukaten zehnmal herumdrehen solle,
ehe ich ihn ausgäbe. Das befolgte ich auch im Anfang; nachher wurde mir
das beständige Herumdrehen viel zu mühsam. Mit jenem Zettel
überreichte mir mein Vater auch die dazugehörigen Dukaten. Dann nahm
er eine Schere, schnitt damit das Zöpfchen von seinem lieben Haupte, und
gab mir das Zöpfchen zum Andenken. Ich besitze es noch und weine immer
wenn ich die gepuderten feinen Härchen betrachte - -
Die Nacht vor meiner
Abreise hatte ich folgenden Traum:
Ich ging einsam spazieren
in einer heiter schönen Gegend am Meer. Es war Mittag und die Sonne schien
auf das Wasser, daß es wie lauter Diamanten funkelte. Hie und da, am
Gestade, erhob sich eine große Aloe, die sehnsüchtig ihre
grünen Arme nach dem sonnigen Himmel emporstreckte. Dort stand auch eine
Trauerweide, mit lang herabhängenden Tressen, die sich jedesmal
emporheben, wenn die Wellen heranspielten, so daß sie alsdann wie eine
junge Nixe aussah, die ihre grünen Locken in die Höhe hebt, um besser
hören zu können, was die verliebten Luftgeister ihr ins Ohr
flüstern. In der Tat, das klang manchmal wie Seufzer und zärtliches
Gekose. Das Meer erstrahlte immer blühender und lieblicher, immer
wohllautender rauschten die Wellen, und auf den rauschenden glänzenden
Wellen schritt einher der silberne Adalbert, ganz wie ich ihn im Gnesener Dome
gesehen, den silbernen Krummstab in der silbernen Hand, die silberne Bischofmütze
auf dem silbernen Haupte, und er winkte mir mit der Hand und er nickte mir mit
dem Haupte, und endlich, als er mir gegenüberstand, rief er mir zu, mit
unheimlicher Silberstimme: - - -
Ja, die Worte habe ich
wegen des Wellengeräusches nicht hören können. Ich glaube aber
mein silberner Nebenbuhler hat mich
verhöhnt. Denn ich stand noch lange am Strande und weinte, bis die
Abenddämmerung heranbrach, und Himmel und Meer trüb und blaß
wurden, und traurig über alle Maßen. Es stieg die Flut. Aloe und
Weide krachten und wurden fortgeschwemmt von den Wogen, die manchmal hastig
zurückliefen und desto ungestümer wieder heranschwollen, tosend,
schaurig, in schaumweißen Halbkreisen. Dann aber auch hörte ich ein
taktförmiges Geräusch, wie Ruderschlag, und endlich sah ich einen
Kahn mit der Brandung herantreiben. Vier weiße Gestalten, fahle
Totengesichter, eingehüllt in Leichentüchern, saßen darin und
ruderten mit Anstrengung. In der Mitte des Kahnes stand ein blasses aber
unendlich schönes Frauenbild, unendlich zart, wie geformt aus Lilienduft -
und sie sprang ans Ufer. Der Kahn mit seinen gespenstischen Ruderknechten
schoß pfeilschnell wieder zurück ins hohe Meer, und in meinen Armen
lag Panna Jadviga und weinte und lachte. »Ich bete dich an.«
|