1. Mit der leiblichen Nahrung, welche Euch
unsere Herrin und Mutter, die Kirche, aus ihrem Schöße sowie einzelne Eurer
Mitbrüder aus ihren Privatmitteln in den Kerker bringen, empfanget,
Gebenedeite, die Ihr zu Blutzeugen ausersehen seid, auch eine Gabe von mir zur
Stärkung des Geistes. Den Leib zu pflegen und den Geist darben zu lassen, wäre
nicht gut; oder besser gesagt, wenn das, was schwach
ist, gepflegt wird, so darf das, was noch schwächer ist, nicht vernachlässigt
werden. Ich bin zwar nicht der Mann, der Euch einen Zuspruch zu geben imstande
wäre. Indessen auch die geübtesten Fechter erhalten nicht etwa bloß von ihren
Fechtmeistern und Vorgesetzten Ermunterungen, sondern sogar von Laien in dieser
Kunst und Müßiggängern jeder Art, so daß ihnen oft die aus der Volksmenge von
weitem an sie gerichteten Zurufe nützlich werden. Vor [216] allem also, Ihr Gesegneten1,
wollet nicht den Hl. Geist betrüben, der Euch in den Kerker begleitet hat! Wenn nicht er jetzt Euch dorthin begleitet hätte, so wäret Ihr
heute nicht darin. Und darum gebet Euch Mühe, daß er dort
bei Euch bleibe, nur so wird er Euch von da zum Herrn geleiten. Der Kerker ist nämlich auch eine Woh-nung des Teufels, worin er seine
Angehörigen beisammen hat. Ihr aber seid gerade deswegen in den Kerkergekommen,
um ihn auch in seinem eigenen Hause zu überwinden. Draußen
nämlich habt Ihr ihn im Kampfe bereits überwunden. Er soll also nicht
sagen können: Sie sind in meinem Eigentum, ich will
sie versuchen mit gemeinen Gehässigkeiten, Erschlaffung oder gegenseitigen
Entzweiungen. Er möge vor Euerem Anblicke in seine tiefsten Schlupflöcher
fliehen, zusammengerollt und regungslos wie eine behexte oder durch Rauch
vertriebene Schlange, und es soll ihm in seinem eigenen Reiche nicht so wohl
werden, daß er Euch gegeneinander aufbringe, sondern er möge Euch wohlverwahrt
und mit Eintracht bewaffnet finden, weil der Friede unter Euch für ihn Krieg
bedeutet. Pflegen ja gewisse Leute, die diesen Frieden mit der Kirche nicht
haben2, ihn Von den Märtyrern im Kerker zu erflehen. Und daher müßt Ihr
ihn untereinander haben, lieben und bewahren, damit
Ihr ihn unter Umstanden auch ändern zu verleihen vermöget.
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