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Upacálá
189
Upacálá:
Mit offnem Auge, wohl gewahr,
In hoher Tugend rein gereift,
Erspäht ich Spuren ruhevoll,
Wo kein Gemeiner wandeln mag.
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DER VERSUCHER:
Warum nur liebst du Leben nicht?
Lebendig lebt man, liebt Genuß:
Genieße doch der Liebeslust,
Erspare späte Reue dir!
(Vergl. v. 57)
191
UPACÁLÁ:
Lebendig dient man um den Tod,
Lebendig büßt man Hand und Fuß,
Wird eingekerkert, aufgehenkt:
Lebendig kiest man Leid um Leid.
192
Ersprossen ist ein Sakyersproß,
Ein Sieger, herrlich offenbar!
Der hat gewiesen Wahrheit mir,
Wie Leben überwältigt wird:
193
Das Leiden, was da Leiden wirkt,
Was Leiden überwinden läßt,
Den heil'gen achtgeteilten Pfad,
Der uns entführt aus Leiden weg.
194
Sein Wort, ich nahm es willig auf,
Die frohe Botschaft merkt' ich wohl;
Drei Wissen fand ich, unvertrübt:
Erfüllt ist was der Herr befiehlt.
195
Und alle Neigung ist vertilgt,
Und Nacht und Nebel durchgeteilt:
Ich raun' es dir, Verruchter, zu:
Zermalmt ist deine Todesmacht.
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