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Therigáthá

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  • Zwanziger-Bruchstück
    • Sundarí
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Sundarí

312
SUJÁTO, DER BRAHMANE:
Die toten Kindlein hast du einst
Begraben, Ärmste, jammervoll,
Hast Tag und Nacht und Nacht und Tag
Unendlich wehgeklagt, geweint.
 
313
Begraben hast du alle nun,
Brahmanin, sieben Kinder dir:
Vásetthin, sage, gib mir kund
Warum du heute nimmer weinst?
 
314
SUNDARÍ, DIE BRAHMANIN:
Gar viele hundert Kinder schon,
Verwandtenscharen hundertfach,
Begraben beide haben wir,
So ich wie du, seit langer Zeit.

(Vergl. v. 51)

315
Erlösung hab' ich heut geschaut,
Erlösung von Geburt und Grab,
Und klage nimmer, weine nicht,
Und weiß von keinem Kummer mehr.
 
316
SUJÁTO:
Unglaublich klingt es was du sagst,
Vasetthin, was dein Wort verheißt:
Wer hat dich also aufgeklärt,
Auf daß du solche Rede regst?
 
317
SUNDARÍ
Er war es, ja, der Meisterherr!
Bei Mithilá, der hohen Burg,
Verkündet hat er jedermann
Das Ende aller Leidensqual.

(Vergl. v. 135)

318
Von ihm, dem Helden herrlich echt,
Erhört' ich Wahrheit ohne Falsch:
Das rechte Wort begriff ich rasch,
Vergaß den Gram um Kindestod.
 
319
SUJÁTO:
So will auch ich denn wandern hin
Zum Meister dort, nach Mithilá:
O, wär' es möglich, daß er mich
Von allem Elend löste los!
 
320
Den Meister traf er treulich an,
Der nirgend haftet, nirgend hangt;
Der hat ihm Wahrheit offenbart,
Der Denker, ewig leidentlebt:

(Vergl. Therag.1250)

321
Das Leiden, was da Leiden wirkt,
Was Leiden überwinden läßt,
Den heil'gen achtgeteilten Pfad,
Der uns entführt aus Leiden weg.

(Vergl. v. 310)

322
Das rechte Wort begriff er rasch,
Zog fort als Jünger, heimatlos;
Drei Nächte war Sujáto wach,
Drei Wissen schuf er alsobald.
 
323
SUJÁTO:
Geh', Wagenlenker, weile nicht,
Und bring' den Wagen wieder heim:
Die Tochter grüße fröhlich mir,
«Der Vater», meld' ihr, «ist Asket!
Drei Nächte war Sujáto wach,
Drei Wissen schuf er alsobald
 
324
Der Wagenlenker schwang sich auf,
Und reich gerüstet fuhr er heim,
Der Tochter bracht' er frohen Gruß,
«Dein Vater», sprach er, «ist Asket!
Drei Nächte war Sujáto wach,
Drei Wissen schuf er alsobald
 
325
SUNDARÍ:
Behüte diese Rosse denn,
Den Wagen nimm und nimm das Gold:
Drei Wissen, sagst du, schuf der Herr?
So schenk' ich dir auch meinen Schrein.
 
326
DER WAGENLENKER:
Behalte Ross' und Wagen nur,
Behalte, Herrin, all dein Gold:
Auch ich zieh' nun als Jünger hin,
'Zum Meister, der das Beste gibt.
 
327
DIE MUTTER:
Die Rosse, Rinder, Elefanten, Schätze,
Verlassen hat er all den reichen Hausrat,
Dein Vater geht im fahlen Kleid:
Genieße, Tochter, was dir nützt,
Du bist ja Erbin hier im Haus!
 
328
SUNDARÍ:
Die Rosse, Rinder, Elefanten, Schätze,
Verlassen hat er all den lieben Hausrat,
Mein Vater geht im fahlen Kleid
Aus Kränkung um den edlen Sohn:
Auch ich will fahl gekleidet sein
Aus Kränkung um den Bruder mein.
 
Sundarí bittet bei den Nonnen um Aufnahme;

eine Nonne antnwortet:

329
Wohlan, dein Wunsch, er sei gewährt,
Gelingen soll dein Sehnen dir!
Mit Bettelbrocken, Bettelrest,
Im Fetzenkittel, Fetzenrock
Zufrieden wandelnd immerdar
Wirst nach dem Tode sein erlöst.
 
330
SUNDARÍ:
(später)
O Schwester, weil ich kämpfte kühn
Ward himmlisch hell mein Angesicht,
Vergangnes Wesen seh' ich nun,
Und was ich war und wo ich war.
 
331
Von dir bedeutet, weises Weib,
Der Schwestern feinste, beste du,
Erfand ich mir drei Wissen wohl:
Das Meisterwort, es ist erfüllt.
 
332
Entlass' mich nun, o Teure du:
Will wandern hin gen Sávatthí
Und rufen lauten Löwenruf
Ihm zu, dem höchsten Siegerherrn!
 
(Vergl. Therag.175f, 136, 380, 605, 1186)

333
DIE NONNE:
Du magst ihn sehen, Sundarí,
Den Meister, der wie Gold erglänzt,
Der Unbezähmte zähmen kann,
Der, auferwacht, kein Fürchten kennt.

(Vergl. v. 135)

334
SUNDARÍ
kommt nach Sávatthí, in den Siegerwald, in den Garten
Anáthapindikos, zum Meister hin, und spricht:

Sieh' nahen, Herr, die Sundarí,
Die nirgend haftet, nirgend hangt,
Genesen von Begier, entjocht,
Vollendet ewig, suchtversiegt.

335
Benáres ließ ich hinter mir,
Bin hergekommen dich zu sehn:
Die dich, o Held, vernommen hat,
Zu Füßen fällt dir Sundarí.
 
336
Du bist der Wache, bist der Herr,
Und ich bin, Heil'ger, Tochter dir,
Von echter Artung, munderzeugt *,
Vollendet ewig, suchtversiegt.

(Vergl. Therag. 839)

 
337
DER MEISTER:
Willkommen sei mir, Gute du,
So weit gegangen bist du her!
Ja, Edle kommen also an,
Entbieten ihrem Lehrer Gruß,
Genesen von Begier, entjocht,
Vollendet ewig, suchtversiegt.
 




* mukhato játá, munderzeugt, d.i. durch das Wort geistig wiedergeboren.






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