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Subhá / Des Goldschmieds Tochter
338
Als junge Maid, im lichten Kleid,
Vernahm ich einst der Lehre Wort,
Und ernst und innig horcht' ich auf
Die Wahrheit ward mir offenbar.
(Subhá spricht , als Nonne, zu den Ihrigen, die sie bewegen
wollten wieder heimzukehren. Ähnlich Ratthapálo, Therag.769-793)
339
Da hat vor allem Weltgenuß
Ein tiefer Ekel mich erfaßt,
Entsetzen vor der Leibeslust:
Entsagung, ach, ersehnt' ich mir!
340
Verlassen hab' ich Eltern bald,
Geschwister, Freunde, Dienertroß,
Und Feld und Anger, blütenreich,
Und was noch lieblich lockt und reizt:
Gelassen hab' ich, heimatlos,
Ein reiches Erbe gern zurück.
341
So zog ich fort aus Zuversicht,
Mit wahrer Satzung wohl versehn:
Wie möcht' es heute ziemen mir
Begehr zu hegen, dulden gar?
Wo Gold ich warf und Silber weg,
Da sollt' ich wieder heimisch sein?
(Vergl. v. 8)
342
Ja, Silber, sicher, gibt und Gold
Erkenntnis nicht und keine Ruh':
Nicht kann Asketen taugen das,
Der Reinen Reichtum ist es nicht.
343
Verlangen läßt es, macht uns matt,
Verwirrung wirkt es, züchtet Staub,
Verstörung zeugt es, treibt Verdruß,
Zerrinnt gar eilig, ohne Rast.
344
Darum ereifern Menschen sich,
Beschmutzen schmählich ihren Sinn,
Und einer reibt den andern auf,
Und alle ringen insgesamt.
345
Verderben kürt man, Kerker, Tod,
Verlust und Leiden, Qal und Not:
Wer nach Genüssen geifernd giert
Muß elend also untergehn.
346
Was wollt ihr, die mir Sippe seid,
Wie Feinde listig locken mich?
Erkennt mich als Asketin an,
Verleidet ist mir all die Lust.
347
Um Schätze nicht und nicht um Gold
Ist Wahnversiegung feil gesetzt:
Wie Mörder morden lauert Lust,
Und sticht und stachelt, bändigt bald.
348
Was wollt ihr, die mir Sippe seid,
Wie Feinde listig locken mich?
Erkennt mich als Asketin an,
Geschoren kahl, gekleidet fahl.
349
Nur Bettelbrocken, Bettelrest,
Nur Fetzenkittel, Fetzenrock
Darf taugen mir, geziemen mir,
Was heimentwöhnten Büßern frommt.
350
Verhiehen hat der Meister Lust,
So Götterlust, so Menschenlust
Wer ewig abgefesselt geht
Ist unerfaßbar unbewegt.
351
Nicht will in Lüsten um ich gehn,
Wo Rettung nirgend ist bereit:
Wie Mörder morden lauert Lust,
Wie Flammen flackern lodert Lust.
(Zu einigen der folgenden Gleichnisse vergl. M 22 und 54; siehe v.
58)
352
Unselig ist sie, voll Gefahr,
Voll Qual und Jammer, Angst und Graus,
Die Gier, die zick und zack uns jagt,
Die große Falle, die uns fängt,
353
Und grimmig anpackt, gräßlich greift!
Wie Schlangenrachen lungert Lust,
Woran der Tor sich letzen mag,
Der blöde, der gemeine Mensch.
354
Im Sumpfe sinken viele fest,
Unwissend elend in der Welt,
Und finden, ach, die Grenze nicht,
Die Grenze von Geburt und Grab.
(Vergl. v. 315 und Therag. 339)
355
Auf übler Fährte wandeln sie,
Von Lust verleitet, oft hinab:
Die Menschen fördern Werk um Werk,
Das böse Frucht gebären muß.
356
So züchten Lüste Kummer auf,
Versehren uns, besudeln uns,
Sind Lockspeis', Köder dieser Welt,
Des Todes Netze sind sie nur,
(Vergl. hierzu M 25 und 26 letzteren Teil)
357
Und reizen uns zur Raserei!
Den Geist zermartern, meucheln sie:
Zu ludern geil die Wesen an
Hat Schlingen schlau der Tod gelegt.
(Vergl. v. 73 und Therag. 268, 463)
358
Unendlich ist der Lüste Qual,
Von Jammer voll und voll von Gift
Und Bitternis und Zorn und Zank,
Verzehrend unser besser Teil.
359
Da solches Elend ich gesehn
Wo Lust gebietet, Lust regiert,
Begehr' ich keine Wiederkehr,
Erloschen ewig, wahnerlöst.
360
Bekriegt, gekreuzt ist all die Lust!
Will ausgeglüht verglommen sein,
Beharrlich heiter, Tag um Tag,
Von ihrem Frone längst entfrönt.
361
Auf holder Fährte, sicher, hell,
Auf reinen Pfaden, achtmal recht,
Hinüber geh' ich, folge nach
Den Siegern, die gegangen sind.
362
Und heute seht mich heilig stehn,
Subhá, des Goldschmieds Töchterlein,
Unsehrbar sinnen, unverstört
Im stillen Walde, baumbeschirmt.
363
Ich hab' entsagt aus Zuversicht,
Bin tugendhell am achten Tag!
Uppalavanná riet mir recht:
Drei Wissen warb ich, schlug den Tod.
(Vergl. v. 41, 44)
364
Entknechtet bin ich, bin entsühnt,
Als Nonne nüchtern, rein gereift,
Von jedem Joche losgelöst,
Vollendet ewig, suchtversiegt.
(Vergl. v. 334ff)
365
Und Sakko kam in lichtem Schein:
Mit Götterscharen zog er an
Und grüßte hell, der Geisterherr,
Subhá, des Goldschmieds Töchterlein.
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