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Uppalavanná und der Versucher
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DER VERSUCHER:
Am wipfelhoch beblühten Baum im Walde,
Da weilst allein du, hausest unter Blättern!
Und keiner hütet, keiner schützt die Scheue:
Hast keine Furcht, o Törin du, vor Schelmen?
UPPALAVANNá:
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Und kämen hunderttausend auch der Schelme
Von deiner Art gezogen her in Scharen,
Kein Härchen höbe sich empor, erbebend:
Was kannst du, Böser, einzeln hier beginnen?
232
DER VERSUCHER:
Verschwinden werd' ich gar geschwind,
Im Bauche dir verborgen sein!
Die Nasenwurzel sei mein Sitz:
Ich bin bei dir, du siehst es nicht!
233
UPPALAVANNá:
Im Herzen hab' ich Willensmacht
Und manchen Wunderpfad gepflegt,
Sechs Wissensziele selbst erzeugt,
Geschaffen was der Meister schafft.
234
Wie Lanzenspitze seh' ich Lust
Die Sinne reizen, reißen auf:
Und was du heißest Liebeslust,
Nur Unlust dünkt mich heute das.
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Und alle Neigung ist vertilgt,
Und Nacht und Nebel durchgeteilt;
Ich raun' es dir, Verruchter, zu:
Zermalmt ist deine Todesmacht.
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