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Cápá
291
KÁLO:
AM Pilgerstabe schritt ich einst
Zum Jäger hab' ich's jetzt gebracht!
Aus Liebesnot in grausen Pfuhl
Gefallen, fand ich Rettung nicht.
292
Wohl wähnst du, Weib, mich eingewiegt,
Weil mir ein Sohn erblüht von dir:
Ich aber ziehe scheidend fort,
Will wieder wandern, heimatlos.
293
Cápá:
O zürne mir nicht, Siegerfürst,
O zürne mir nicht, heil'ger Held!
Wer sich dem Zorne hingibt, Herr,
Ist unrein, ist kein Büßer mehr.
294
Kálo:
Leb' wohl, du Náláhaus, ich geh'!
Wer mag in Nálá bleiben noch?
Zur eignen Sühne lockt man da
Durch Weiberlist Asketen an.
(Die Jäger wollen durch fremde Tugend ihr Gewerbe sühnen. Wenn der
Büßer fällt, glauben sie, gehe sein Verdienst auf sie über. Dieser uralte,
weitverbreitete Aberglaube hat bekanntlich im Christentum, wo der gekreuzigte
Gott den sündigen Menschen erlöst, den Gipfel der Absurdität
erreicht.)
295
Cápá:
O komm', mein Gatte, kehr' zurück,
Genieß' das Leben wie zuvor:
Ach, lass' mich deine Sklavin sein
Mit allem was mir angehört!
296
Kálo:
Und sagtest du den vierten Teil
Von dem nur, Weib, was du gesagt:
Dem Manne, der dich heiß begehrt,
Wär' überreiche Huld gewährt.
297
Cápá:
O Kálo, wie am Gipfel dort
Die volle Goldakazie glüht,
Wie hier die Ranke süchtig treibt,
Am See Lianen duftend blühn,
298
So breit ich meine Arme aus,
So lass' ich meine Schleier wehn
Und wiege dich in süßen Duft:
Bin ich nicht schön, daß du mich fliehst?
299
Kálo:
So lockt den Vogel freier Luft
Der Vogelsteller fein ins Netz:
Ich kenne, Köderschönheit, dich,
Nicht länger sollst du fesseln mich!
300
Cápá:
O sieh' den holden Knaben an,
Den ich dir gab, dein Ebenbild:
Weil ich dir einen Sohn gebar
Verdien' ich, daß du von mir gehst?
301
Kálo:
Von Weib und Kind, von Haus und Hof
Befreien trennend Weise sich:
Den losgebrochnen Ilphen gleich
Ziehn Siegerfürsten froh hinaus.
302
Cápá:
Dann werd' ich auf der Schwelle hier
Mit dieser Keule, diesem Beil
Erschlagen den ich dir gebar
Dein Kind erbarmt dich, und du bleibst!
303
Kálo:
Und würfest du's Schakalen gleich
Und Hunden vor als Beutefraß:
Mich wirst du, jämmerliches Weib,
Nie wieder zwingen dir zurück.
304
Cápá:
So gehe denn - ich segne dich!
Doch lass' mich wissen deinen Weg,
Das Dorf, die Stadt, die hohe Burg,
Das Königschloß wohin du ziehst?
305
Kálo:
Mit Jüngern, irrend zog ich einst,
Unheilig, heilig wähnend mich,
Von Dorf zu Dorfe, Stadt zu Stadt,
Von Burg zu Burg und Königschloß;
306
Er aber, herrlich auferwacht,
Er kündet Wahrheit jedermann,
Das Ende aller Leidensqual,
Am Ufer der Nerañjará:
Dahin nun eil' ich, Ihn zu sehn,
Er, wahrlich, soll mein Meister sein!
307
Cápá:
So bring' ihm denn auch meinen Preis,
Dem höchsten Schutzherrn aller Welt!
Hast du den Hehren selbst begrüßt,
Entbiet' in Demut meinen Gruß.
308
Gar wundersam entzückt mich, Weib,
Das holde Wort, das ich gehört:
Gepriesen sei mit deinem Preis
Der höchste Schutzherr aller Welt!
Hab' ich den Hehren selbst begrüßt,
Will ich entbieten deinen Gruß.
309
Und Kálo schied und zog dahin
Zum Ufer der Nerañjara,
Und sah den Meister, hörte wohl
Sein Wort von Heil und Ewigkeit:
310
Das Leiden, was das Leiden wirkt,
Was Leiden überwinden läßt,
Den heil'gen achtgeteilten Pfad,
Der uns entführt aus Leiden weg.
(Vergl. v. 186)
311
Da fiel er nieder vor dem Herrn,
Und brachte frohen Gruß ihm dar,
Und pries der Cápá frommen Preis;
Dann zog er fort als Bettelmönch.
Drei Wissen merkt' er, schuf er bald:
Das Meisterwort, es war erfüllt.
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