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S.1.38.
Der Splitter
Die schwierige Stelle in 11 findet sich auch im Anguttara, III.100.4 (= I.
254.28,31). Danach und nach dem Komm. läßt sich auch die Lesung des Textes
feststellen, der in der Samy.-Ausg. nicht richtig wiedergegeben ist. Es ist zu
lesen: samádhim ca subhávitam, cittam ca suvimuttam, na cábhinatam na
cápanatam na sasamkhára-niggayha-várita-vatam.
Aus
der Parallelstelle des Anguttara ergibt sich, daß cittam ca suvimutam eine
Parenthese oder Glosse ist, und die folgenden Akkusative zu samádhim gehören.
Ein samádhi, der noch sasamkhára-niggayha-várita-vata ist, ist
unvollkommen; vollkommen wird er erst, wenn das negiert, beseitigt ist.
Der
Ang. Komm. (II. 301.7 = 437.17 der Colombo-Ausg.) gibt nun die Erklärung sasamkhárena,
sappayogena, kilese nigganhitvá váretvá, várito, na kilesánam chinnante
uppanno, kilese pana váretva uppanno. Es handelt sich also um eine geistige
Konzentration, bei der noch Hemmungen durch die kilesá, die weltlichen
Beeinflussungen, vorhanden sind.
Meine
Auffassung unterscheidet sich von der des Komm. dadurch, daß ich in sasamkhára
das unmittelbare Objekt zu niggayha sehe.
1. Also habe ich
vernommen
Einstmals weilte der Erhabene in Rájagaha in dem Antilopenhain Maddakucchi.
2. Zu jener Zeit aber
war der Fuß des Erhabenen von einem Splitter verletzt. Heftig waren die
körperlichen Schmerzen des Erhabenen, übel, peinigend, schlimm, qualvoll,
unlieb, unangenehm. Der Erhabene aber ertrug sie besonnen und vollbewußt, ohne
den Mut zu verlieren.
Nach
dem Komm. I. 94.17 handelt es sich hier um das im Vinaya II. 193 erzählte
Attentat des Devadatta. Dieser ließ vom Gijjhakúta-Berge einen Felsblock
herabrollen, der den Buddha erschlagen sollte. Durch ein Wunder aber wurde der
Fels aufgehalten, nur ein abspringender Splitter verletzte den Buddha. S. Mrs.
Rhys Davids, I. 38, n.1.
3. Da nun breitete der
Erhabene seinen Mantel vierfach zusammengefaltet aus und nahm, auf der rechten
Seite ruhend, die Löwenlage ein, Fuß auf Fuß legend, besonnen und vollbewußt.
4. Da nun begaben sich
in vorgeschrittener Nacht siebenhundert der Gruppe der Satullapa angehörige
Devatás, mit ihrer herrlichen Schönheit den ganzen Maddakucchihain erhellend,
dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem sie sich dorthin begeben und den
Erhabenen ehrfurchtsvoll begrüßt hatten, traten sie zur Seite.
5. Zur Seite stehend
sprach dann eine Devatá zu dem Erhabenen den folgenden Spruch: "Ein
Elefant wahrlich ist der Samana Gotama, und wie ein Elefant *f113)
erträgt er die entstandenen körperlichen Schmerzen, die üblen, peinigenden,
schlimmen, qualvollen, unlieben, unangenehmen, (er erträgt sie) besonnen und
vollbewußt, ohne den Mut zu verlieren."
6. Darauf sprach dann
eine andere Devatá zu dem Erhabenen den folgenden Spruch: "Ein Löwe
wahrlich ist der Samana Gotama, und wie ein Löwe erträgt er die entstandenen
körperlichen Schmerzen, die üblen, peinigenden, schlimmen, qualvollen, unlieben,
unangenehmen, (er erträgt sie) besonnen und vollbewußt, ohne den Mut zu
verlieren."
7. Darauf sprach dann
eine andere Devatá zu dem Erhabenen den folgenden Spruch "Ein edles Roß
wahrlich ist der Samana Gotama, und wie ein edles Roß erträgt er die
entstandenen körperlichen Schmerzen, die üblen, peinigenden, schlimmen,
qualvollen, unlieben, unangenehmen, (er erträgt sie) besonnen und vollbewußt,
ohne den Mut zu verlieren."
8. Darauf sprach dann
eine andere Devatá zu dem Erhabenen den folgenden Spruch: "Ein Stier
wahrlich ist der Samana Gotama, und wie ein Stier erträgt er die entstandenen
körperlichen Schmerzen, die üblen, peinigenden, schlimmen, qualvollen,
unlieben, unangenehmen, (er erträgt sie) besonnen und vollbewußt, ohne den Mut
zu verlieren."
9. Darauf sprach dann
eine andere Devatá zu dem Erhabenen den folgenden Spruch "Ein Lastochse
wahrlich ist der Samana Gotama, und wie ein Lastochse erträgt er die
entstandenen körperlichen Schmerzen, die üblen, peinigenden, schlimmen,
qualvollen, unlieben, unangenehmen, (er erträgt sie) besonnen und vollbewußt,
ohne den Mut zu verlieren."
10. Darauf sprach dann eine andere Devatá zu dem Erhabenen den folgenden
Spruch: "Ein Gebändigter wahrlich ist der Samana Gotama, und wie ein
Gebändigter erträgt er die entstandenen körperlichen Schmerzen, die üblen,
peinigenden, schlimmen, qualvollen, unlieben, unangenehmen, (er erträgt sie)
besonnen und vollbewußt, ohne den Mut zu verlieren."
11. Darauf sprach dann
eine andere Devatá zu dem Erhabenen den folgenden Spruch: "Siehe die wohl
geübte geistige Versenkung und das wohl erlöste Denken, (die Versenkung) die
nicht abweicht nach vorwärts, nicht abweicht nach rückwärts, deren Übung nicht
mehr gehemmt ist durch die Unterdrückung der eigenen Gestaltungen.
*f114) Wer da glaubt, daß solch ein Mann, der wie ein Elefant
*f115) ist, wie ein Löwe, wie ein edles Roß, wie ein Stier, wie ein
Lastochse, wie ein Gebändigter, mißachtet werden darf, könnte der das glauben,
es sei denn, aus Blindheit?
Hunderte von Kennern der
fünf Veden, *f116)
Büßer und Brahmanen, haben ein asketisches Leben geführt. *f117)
Aber ihr Denken wurde nicht völlig losgelöst;
Da sie von niedriger Art waren, gelangten sie nicht ans rettende Ufer.
Von Durst beherrscht, an
(äußeren) Übungen und (äußerer) Zucht haftend
Haben sie hundert Jahre lang schmutzige Askese geübt.
Aber ihr Denken wurde nicht völlig losgelöst;
Da sie von niedriger Art waren, gelangten sie nicht ans rettende Ufer.
Die
beiden letzten Strophen s. oben S.1.9.2.
Nicht gibt es Zügelung
bei dem, der liebt den Wahn;
Nicht gibt es Weisheit bei dem, der sich nicht geigtig gesammelt.
Wer, allein in der Wildnis hausend, lässig ist,
Nicht wird der über des Todes Bereich
hinweg ans rettende Ufer gelangen.
Wer, den Wahn meidend, geistig stets gesammelt ist,
Guten Herzens, durchaus losgelöst,
Allein in der Wildnis lebend, unermüdlich:
Der wird wohl über des Todes Bereich hinweg ans rettende Ufer gelangen."
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